Vortrag von Peter H. Cunz bei den Rosenkreuzern in Zürich und Bern, Februar 2026
Oh treuer Mensch, komm, komm, komm noch näher! Lass das Ich, das Ich-Sein, lass das
Wir und das Wir-Sein! Schnell, bevor die Zeit vergeht, komm!
Komm, komm noch näher! Lass das Wir und das Ich, komm, komm. Komm, bis das Du und
das Wir entschwinden. Weder das Du noch das Ich soll existieren!
Lass die Selbstgefälligkeit und die Arroganz und gib Ihm, dem Grössten der Grossen, der
weder im Himmel noch auf Erden Platz hat, in deinem Herzen Raum!
(Rumi, aus dem Divan)
Verehrte Damen und Herren,
Über jenen Menschen, der solches gedichtet hat, möchte ich heute zu Ihnen sprechen.
Auf historische Details und Legenden zu dieser Person, welche kurz “Rumi” genannt
wird, werde ich verzichten, da sonst die Zeit schnell verbraucht wäre. Sie finden vieles
davon in Wikipedia.
Als Erstes möchte ich festhalten, dass mit dem Aufkommen der New-Age-Bewegung
religiöse Praktiken aus dem Nahen und Fernen Osten zunehmend romantisiert
wurden. Dieser Trend zeigte sich nicht nur im Buddhismus und Yoga, sondern auch in
der mystischen Tradition des Islam, dem Sufismus. Die Werke unseres Protagonisten
Mohammed Celaleddin Rumi wurden im Westen bald zu Bestsellern. Wir sprechen von
einem der bedeutendsten islamischen Gelehrten und Mystiker des 13. Jh.s (1207–
1273).
Der islamische Mevlevi-Orden, der seit Jahrhunderten den “Sema”, das Ritual der
„Tanzenden Derwische“, praktiziert, wurde kurz nach Rumis Tod Ende des 13. Jd.s
gegründet. Es gibt Studien und Vermutungen zu den historischen Gründen für die
Popularität dieses Rituals im Westen, diese sind jedoch nicht Gegenstand dieses
Vortrags.