Internationale Mevlana Stiftung Schweiz

„Allein ist der Mensch nichts. Wenn wir alle zusammen kommen, werden wir erst zu einem Menschen. Los, lass uns zusammen kommen, um Mensch zu werden!“ Es ist Mevlana Celaleddin RUMI, der uns dazu auffordert. Sein Wirken und seine inspirierten und inspirierenden Schriften sind das Fundament des im 14. Jahrhundert entstandenen Ordens der Mevlevi. Sie sind hier auf der Webseite des Schweizer Zweiges dieses Ordens. Die Hauptsprache ist Deutsch, doch unseren Freunden in anderen Sprachräumen und ohne eigene Webseite bieten wir auch Platz an. Zu verwandten Webseiten haben wir einen Link geschaltet. Möge unser Wirken ein Dienst an diese Welt sein dürfen, zum Wohl der Menschen, die dem eigentlichen Zweck ihres Daseins nachgehen möchten. Mögen wir dies im Schutze und Lichte unseres Pirs Hazreti Mevlana tun, und mögen wir dabei Gottes Schutz erfahren!

Mausoleum von Mevlana in Konya
Mausoleum von Mevlana in Konya
Sema in Zürich mit Sheik Peter Cunz und Derwischen
Sema in Zürich, das Drehritual der Mevlevi

Die Liebe Gottes im Islam (September 2018)

(Peter Hüseyin Cunz, Ranfter Gespräche, 22. September 2018)

 

Erlauben Sie mir, bevor ich über die göttliche Liebe im Islam spreche, den Kontext zu erwähnen, aus dem ich das Thema betrachte. Wie erwähnt bin ich Muslim und leitendes Mitglied (Scheich) des Ordens der Mevlevi („Tanzende Derwische“). Wie im Christentum sind auch im Islam unterschiedliche Orden entstanden. Mitglieder von islamischen Orden werden Sufi, Derwisch oder Fakir genannt. Damit bin ich kein Vertreter des Mehrheits-Islams. Unser Orden entstand im 13. Jhd. nach dem Tod des grossen Heiligen Mevlana Celaleddin Rumi (gest. 1273). Seine mystischen Gedichte und sein Lehrwerk – es sind über 60’000 Verse – haben im Westen eine grosse Popularität erlangt, wobei allerdings die meisten Übersetzungen als zweifelhaft oder tendenziös einzustufen sind. Rumi ist in der Esoterik des New-Age omnipräsent. Da Rumi meine Hauptquelle und Referenz zum Verständnis des Islams ist, werde ich vor allem seriös übersetzte Zitate von ihm benutzen. Gerne biete ich Ihnen eine Auswahl an mystischen Gedichten aus eigener Übersetzung an.

 

Doch jetzt zum Thema:

 

Im Christentum steht Gottes oder Jesu Liebe im Zentrum vieler Schriften und Predigten. Und wie ist das im Islam? Im Koran und in den Prophetensprüchen (hadith) ist die Liebe als Begriff nur spärlich anzutreffen, und so wird die Liebe auch in Freitags-Predigten wenig direkt angesprochen. Gerne zitiere ich eines der wenigen Beispiele, in dem der Koran von der Liebe spricht (30:21):

 

Gott hat Liebe und Zärtlichkeit zwischen Mann und Frau gesetzt.
Hierin sind wahrlich Zeichen für ein Volk, das nachdenkt.

 

Im Koran stehen eher die All-Barmherzigkeit Gottes sowie Seine Mächtigkeit an vorderster Stelle. Es sind die Sufis, welche das Thema der Liebe direkt ansprachen, allen voran Rumi, der auch „Pol der Liebe“ genannt wird. Er sagte in einer seiner mystischen Gedichte àBuch (Divan-i kebir 3-1333):

 

Im Grunde genommen ist jedes Teilchen der Welt, ist Alles und Jedes, ja die ganze Welt, Liebe; in Allem und Jedem flammt das Feuer der Liebe, in jedem Partikel, in jedem Atom! Alles ringt darum, sich mit dem Geliebten zu vereinen, alles ist trunken von der Vereinigung.

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Jesus im Koran (Mai 2018)

Jesus im Koran

(aus einem Referat von Peter H. Cunz, am 31. Mai 2018 in Thun)

 

Im 2. Jhd. lebte der Gelehrte Galenos von Pergamon. Er galt als einer der grössten Wissenschaftler aller Zeiten und wurde während 1500 Jahren nicht hinterfragt. Und was sagt der grosse Mystiker Celaleddin Rumi über ihn? Ich zitiere einen Vers aus seinem Lehrwerk (Mesnevi 1:528):

 

Unzählig sind die Künste des Galen; im Vergleich zu Jesus und seinem Atem sind sie lächerlich.

 

Jesus trägt im Islam einen hohen Rang und wird sehr verehrt. Er ist vor allem für seinen reinen Atem bekannt, mit dem er Menschen heilte und Tote zum Leben erweckte. Im Koran (3:49 und 5:110) und den islamischen Überlieferungen wird das so genannte Vogelwunder erwähnt, weil er schon als Jüngling aus Ton geformte Vögel lebendig machte, indem er seinen Atem auf sie hauchte.

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Das Oberhaupt aller Mevlevi

(Aus einem Beitrag von Ibrahim Gamard Efendi)

 

Der Mevlevi-Orden – eine islamische Tradition – führt die spirituellen Lehren und die Praxis von Mevlânâ Jalâluddîn Rûmî, seinen Nachfahren und seinen Anhängern seit über 700 Jahren fort. Durch die Restriktionen, denen die Sufi-Organisationen in der Türkei seit über 80 Jahren unterworfen sind, wurde die Mevlevi-Tradition deutlich geschwächt.

In der heutigen Welt, in der Informationen elektronisch leicht zugänglich sind, gibt es eine ganze Reihe von Mevlevi-Organisationen, die über Webseiten verfügen und verschiedenartig Autorität beanspruchen. Dies macht es schwierig zu erkennen, welche Organisationen legitime Autorität besitzen und welche nicht. Die Folge davon ist, dass es für die Mevlevi-Tradition schwieriger ist, sich im Westen gemäß der traditionellen spirituellen Praxis, der traditionellen Lehren und einer entsprechenden Ethik zu etablieren.

Der Zweck dieses Artikels ist es klarzustellen, dass allein der „Groß-Çelebi“ oder Maqâm-i Çelebi, ein direkter Nachfahre von Mevlânâ Jalâluddîn Rûmî, berechtigt ist zu entscheiden, wer ein rechtmäßiger und autorisierter Mevlevi-Scheich ist und wer nicht. Der jetzige Maqâm-i Çelebi ist Faruk Hemdem Çelebi Efendi aus der Türkei.

Fâruk Çelebi Efendi ist Vorsitzender der Internationalen Mevlana-Stiftung (auf Türkisch Uluslarasi Hz. Mevlânâ Vakfi), deren Sitz sich in Istanbul befindet. Alle rechtmäßigen Mevlevi-Scheichs müssen über diese zentrale Organisation an ihn angeschlossen sein. Leider haben sich einige Leiter von Mevlevi-Gruppen dazu entschlossen, die Amtsgewalt des Groß-Çelebi zu ignorieren – oder, wie in manchen Fällen, ihn zwar verbal zu bestätigen, ohne aber wirklich mit ihm zusammenzuarbeiten und ohne ihm echte Gefolgschaft zu leisten.

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Mevlevi in der Schweiz

Wöchentlich treffen wir uns zu Gebet, Gottesgedenken (dhikr) und Studien und pflegen die Gemeinschaft. Diese Zusammenkünfte stehen allen Interessierten offen, die mit dem nötigen Respekt zu uns stossen. Im weiteren üben wir das Drehen, ein äusserst effektvolles Exerzitium, das einige Male im Jahr im Sema (Drehritual) seinen Höhepunkt findet. Doch das wichtigste Übungsfeld ist der Alltag, in dem wir ständig Gelegenheiten finden, das Gelernte zu festigen und uns am Konkreten zu testen.

Du wirst frei werden von Wünschen,
Von den inneren Fantasien.
Du wirst leer werden.
Du wirst leben ohne Atem.
Du wirst eintauchen in das Leben von Ya-Hu,
Und dann wirst du aufhören, Ya-Hu zu sagen.

Du wirst zum Fenster eines jeden Hauses,
Zum Rosengarten in jedem Feld.
Verlässt du dein Selbst und lässt deine Existenz abfallen,
So wirst du Ich, ohne Mich.

(Divan-i Kebir, Meter 1, Gasel 147,
Verse 1937+1940; Übersetzung Daniel Beck)

Wir als Mevlevi in der Schweiz arbeiten eng zusammen mit unserer Dachorganisation „Internationale Mevlana Stiftung“ in Istanbul und nennen uns deshalb „Internationale Mevlana Stiftung Schweiz“. Die Gründung einer eigenen Rechtsform wurde aber notwendig. So haben wir im Herbst 2014 den Mevlana-Verein Schweiz gegründet, der für unsere bescheidenen finanziellen Mittel gerade steht.

Folgende Personen koordinieren zur Zeit die gemeinsame Arbeit in der Schweiz:

Peter Hüseyin Cunz  Lehrbeauftragter, Vereinspräsident, Leitung
Anne Regard Cunz  Erstkontakte, Kommunikation
Elisabeth Gubelmann  Erstkontakte, Administration, Finanzen
Nicolas Furger  Leiter Drehritual, Stv. Leitung
Alexander Stoll  Anlässe, Stv. Leitung
Bärbel Hübner  Raumverantwortliche
Alma Hajdarevic  Vereins-Vizepräsidentin
Bahar Can  Kontakte in die Türkei
Tülin Özgür  Kontakte in die Türkei

 

Enge Beziehung mit Mevlevi-Gruppen im Ausland:

Nur Artıran, Istanbul
Süleyman Bahn, Deutschland
Yıldırım Ekin, Niederlande
Gustavo Martinez, Kolumbien
Muhamad Carlos Leal Roel, Mexiko und Spanien

Jemand, der Durst hat, sucht auch im Juli Schnee

Jemand, der Durst hat, sucht auch im Juli Schnee

Ein Buch entstanden aus der Gruppen-Arbeit

Jemand, der Durst hat, sucht auch im Juli Schnee (Buch)
Jemand, der Durst hat, sucht auch im Juli Schnee (Buch)

 

Rumi, wie Sie ihn noch nicht gelesen haben.
Nicht für alle.
Aber für alle mit Sinn für Transzendenz.
Und bestimmt für alle, die Mevlana lieben.

Inhalt

Die Begegnung mit dem wandernden Derwisch Shems-i Tebrizi wirkte sich sehr stark auf Rumis Leben aus. Zwischen den beiden entstand eine tiefe Freundschaft, die ganz im Zeichen mystischer Liebe stand. Die innige Verbindung löste jedoch auch viel Ärger und Eifersucht in Rumis Umfeld aus, sodass Shems sich schliesslich gezwungen sah, die Stadt zu verlassen. Ob dem Trennungsschmerz wurde Rumi zum Poeten seiner Sehnsucht, der versuchte, seine Erfahrungen höchsten Entzückens wie tiefster Verzweiflung in immer neue Verse zu fassen.
(Text Buch-Rückseite)

 

Impressum

Herausgeberinnen:

Birgit Kunz, Tülin Özgür
Eigenverlag
Zürich, Dezember 2017
Gestaltung: Bernd Konrad, Bern
Druck: deVega Medium GmbH, Augsburg
ISBN 978-3-033-06542-0

 

Zu beziehen bei

Buchhandlung Beer, 044 211 27 05, St. Peterhofstatt 10, 8001 Zürich,
buchhandlung@buch-beer.ch
Buchhandlung medieval, 044 252 47 20, Spiegelgasse 29, 8001 Zürich,
medieval@sunrise.ch
Magic of Spirit,044 261 71 75, Brunngasse 4, 8001 Zürich,
info@esoterikladen.ch
Buchhandlung Calligramme,044 252 95 83, Häringstrasse 4, 8001 Zürich,
calligramme.zuerich@edi.begasoft.ch

Ladenpreis: Fr. 28.-
Das Buch ist auch direkt bei den Herausgeberinnen zu beziehen.

Zur Entstehung

Monatsgedichte 2006-2016

Im Verlauf der Jahre 2006 bis 2016 wurde anlässlich wöchentlichen Gruppe-Treffen immer am ersten Donnerstag des Monats ein Gedicht unseres Pir, Hz. Mevlana, der Gruppe vorgelegt und vom Scheich, Peter Hüseyin Cunz, besprochen. So entstand eine ansehnliche Sammlung an Gedichten aus dem Divan-i Kebir.

Auftrag Gruppe

Mit der Zeit wurde von Seiten der Gruppe vermehrt der Wunsch geäussert, die beliebten Gedichte in einem Gedichtband zu publizieren und so einem erweiterten Publikum zugänglich zu machen. Tülin Özgür und Birgit Kunz, die seit Jahren in Teamarbeit mit der Übertragung der Gedichte aus dem Türkischen beauftragt waren, nahmen sich des Projekts an. Zunächst musste die ansehnliche Gedichte-Sammlung vom Umfang her angepasst werden. Darauf folgten mehrere Schlaufen der akribischen sprachlichen Überarbeitung, um dem Inhalt der Gedichte möglichst gerecht zu werden.

Rezension

So wie der tanzende Derwisch mit seiner erhobenen rechten Hand himmlische Gnade empfängt, um sie mit seiner gesenkten linken der Welt weiter zu geben, so verschenkt Rumi seine Poesie an menschliche Herzen, auf dass sie göttliche Musiktöne erlauschen und den Dufthauch der Gottesliebe erspüren. Meist fließen seine Liebesgedichte, sehnsuchtsvollen Träumereien, religiösen Visionen  und Gebete in einander. Der Klang der sich bisweilen wiederholenden Wörter oder Sätze wirkt fast wie eine Aufforderung zum Tanz. In der bunten Bilderwelt von Rumis Lyrik manifestiert sich seine scheinbar grenzenlose Fantasie, die überall Spuren göttlichen Wirkens findet. Durch die wunderbaren Übertragungen von Birgit Kunz und Tülin Özgür kann man sich in dem im Dezember 2017 in Zürich erschienenen, ästhetischen Gedichtband „Jemand, der Durst hat, sucht auch im Juli Schnee“, Gedichte aus dem Divan-i-Kebir, selbst davon überzeugen lassen, wie unverändert lebendig und frisch die Sprache von Rumis Gedichten über die Jahrhunderte geblieben ist.

Felizitas von Schönborn, Autorin Diogenes

Link

Lesung einzelner Gedichte von Peter Hüseyin Cunz (in Bearbeitung)

Kontakt

Tülin Özgür, 079 963 14 84, Bachtelstrasse 43, 8810 Horgen, tulin.mevlana@gmail.com
Birgit Kunz, 079 254 85 61, Bettenstrasse 66, 8400 Winterthur, birgitku@gmx.ch

 

 

Mevlanas Biographie

(aus der Webseite unserer Partner in Deutschland)

 

Was macht es aus, dass dieser islamische Dichter und Mystiker bei uns so beliebt ist? Warum befasst sich sogar die UNESCO mit ihm. Das Jahr 2007 hatte die UNESCO zum Jahr von Hz. Mevlana erklärt. Das Ritual der Mevlevi-Derwische, jenes Derwischordens, der ja auf ihn zurückgeht, wurde unter den Schutz der UNESCO gestellt und zum „geistigen und kulturellen Meisterwerk der Weltkultur“ erklärt.

Hz. Mevlanas literarisches Werk führt seit Jahren jetzt schon die Bestsellerlisten in den USA an. Es ist ein unglaubliches Phänomen, dass ein islamischer Gelehrter des 13. Jh. die Bestsellerlisten anführt, wo umgekehrt zum Krieg der Kulturen aufgerufen wird.

Bei uns hier ist Hz. Mevlana mehr unter dem Namen „Rumi“ bekannt. Der Name „Rumi“ heißt soviel wie „der Römer“. Diesen Beinamen bekam er, weil er in Anatolien lebte. Dieses Gebiet gehörte damals bis kurz vor seinem Wirken in Konya zum byzantinischen, also „römischen“ Reich.

Hz. Mevlana Rumi wurde vor ca. 800 Jahren, wahrscheinlich am 30. Sept.1207, in der Stadt Balch im heutigen Afghanistan geboren. Damals war dies in der persischen Provinz Khorassan. Dieses Khorassan war in dieser Zeit eine sehr bedeutende Region in der islamischen Kultur, aus der gewaltige geistige Impulse kamen. Viele der damaligen führenden großen Sufis kamen aus dieser Gegend und viele Wissenschaftler und Philosophen. Man denke z.B. an Bahauddin Naqschsband, einen der großen Väter des nach ihm benannten Naqsbandi-Ordens, oder an Hadschi Bektasch Veli, den Pir und Begründer des gleichnamigen Derwischordens oder z.B. an Avicenna, welcher als Vater der heutigen Medizin gilt. Aber genau diese Blüte der damaligen Kultur wurde zugleich von einem schier übermächtigen Feind bedroht. Dschingis Khans Reiterhorden näherten sich unaufhaltsam auch diesem Gebiet und legten alles, was sich nicht bedingungslos unterwarf in Schutt und Asche. Genau in dieser Zeit wuchs der junge Hz. Mevlana auf.

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Über die Wahrnehmung des Propheten (Dezember 2016)

Eingangs-Referat des Kongresses am 15. Dezember 2016 in Konya

(Peter Hüseyin Cunz)

 

Gesegnet sei unser Prophet Muhammad, der uns als Vorbild dient! Der Friede und Segen Gottes begleite ihn und seine Angehörigen!

 

Ich danke den Behörden von Konya und den Organisatoren, dass ich hier eingeladen bin. Ich danke der Familie Çelebi, dass sie das Erbe Hz. Mevlanas behütet hat und uns nun auch in Europa und anderswo in der Welt die Möglichkeit gibt, den Propheten Muhammad und sein Licht zu verstehen!

 

Wenn Islam im 7. Jd entstanden ist, was bedeutet das für die Wissenschaft der Evolution, die moderne Physik und Psychologie? Oder war Islam schon immer?

Wenn Muhammad das Siegel der Propheten ist, was bedeutet dies für 1 Mia Chinesen, 1 Mia Christen, 1 Mia Hindus und mehrere Mia Rationalisten? Oder ist Gott auch ihnen „nahe wie die Halsschlagader“? (50:16)

Muslime bekriegen Muslime, intelligente Theologen führen Deutungskriege gegen andere intelligente Theologen. Muslime bauen Mauern auf, statt die Hand zu reichen. Was bedeutet das für den Islam von heute, der uns doch den Weg über die Grenzen des Begreifens weisen sollte?

Das sind Fragen, auf die ich eine überzeugende Antwort haben muss, wenn ich Europäer von der Universalität des Islams überzeugen will.

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Die Praxis bei den Sufi (November 2016)

Kongress im Kloster Kirchberg bei Horb am Neckar, 18.-20. November 2016

(Peter Hüseyin Cunz)

 

Gemäss dem Prospekt will dieser Kongress Gegensätze beleuchten, wie Spiritualität vs. Religion, Mystik vs. Dogmatik oder fruchtbare Praxis vs. Wellness und Selbstbespiegelung. Dazu soll ich einen Beitrag aus dem Sufismus bieten. Ich werde somit die vorhandene Zeit nicht damit verwenden, Ihnen einen Überblick über den Sufismus zu geben, sondern gleich in Belange der Praxis eintauchen. Damit hoffe ich, dass Sie Impulse für Ihren eigenen spirituellen Weg mit nach Hause nehmen werden.

Sufis sind Muslime, denn Sufis werden als die Mystiker des Islams gesehen. Doch einen Sufi zu erkennen ist für den Laien nicht so einfach, denn dieser kann auffallend orthodox oder unauffällig angepasst erscheinen, er kann intellektuell oder bodenständig sein, er kann mit einem gewinnenden  Charisma auftreten oder  einen weggerückten Eindruck machen. Allen gemeinsam ist eigentlich nur dies: Es sind Menschen, die im Kontext des Islams sich nach Gottesnähe sehnen. Die tradierten Gebote und Verbote sind für sie eine Selbstverständlichkeit, doch diese genügen ihnen nicht. Die Sehnsucht nach Gotteserkenntnis treibt sie dazu an, sich weiteren Übungen zu unterziehen, und diese können je nach Schule unterschiedlich sein.

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Stirb bevor du stirbst! – Endlichkeit und Ewigkeit bei den Sufis (November 2016)

Referat an der Ausstellung „Noch einmal leben“ zu Palliativ-Pflege, 11. November 2016 in Zürich

(Peter Hüseyin Cunz)

 

Verehrte Damen und Herren,
Ich danke Frau Monika Obrist und ihrem Team für die Einladung an diese Ausstellung über ein Thema, das uns alle betrifft. Ich wurde gebeten, etwas zum Sterben aus Sicht der Sufis zu sagen. Der Titel meines Referates lautet: „Stirb bevor du stirbst! – Endlichkeit und Ewigkeit bei den Sufis“.  Anschliessend soll noch Raum für Fragen zur Verfügung stehen.

Wer sind die Sufis? Sufismus wird mehrheitlich als die Mystik des Islams definiert, also das vertiefte Eintauchen in die Bedeutung und ins Heil dieser Offenbarungsreligion. Mit dem Judentum und dem Christentum teilt der Islam ein Weltbild, das auf dem Gegensatz von Endlichkeit und Ewigkeit aufbaut. Dieser Gegensatz erzeugt den eigentlichen Antrieb eines Sufi, um beharrlich auf dem spirituellen Weg zu gehen.

Aus Sicht der monotheistischen Religionen und somit auch der Sufi besteht die Schöpfung Gottes aus zwei Teilen, dem Diesseits und dem Jenseits. Beide gehören zusammen wie zwei Seiten einer Münze. Weder das Diesseits noch das Jenseits können ohne die andere Seite existieren, und die eine gibt der anderen ihren Sinn. Doch Gott ist noch grösser als Seine Schöpfung. Darum rufen die Muslime – und die Sufis sind Muslime – im Gebetsruf Allahu akbar, was „Gott ist gross“ bedeutet im Sinne, dass Er immer grösser als das Grösste ist. Gott hält beide Welten – das Diesseits und das Jenseits – in Seiner Hand. Die eindrücklichen Fotos dieser Ausstellung führen uns in die Nähe des physischen Todes: links das Gesicht, das uns vor dem Tod noch eindrücklich anschaut, und rechts das erloschene Gesicht mit geschlossenen Augen. Fragen Sie sich doch bitte: welches der zwei Bilder deutet aufs Diesseits, und welches aufs Jenseits? Ich komme darauf zurück.

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