Internationale Mevlana Stiftung Schweiz

„Allein ist der Mensch nichts. Wenn wir alle zusammen kommen, werden wir erst zu einem Menschen. Los, lass uns zusammen kommen, um Mensch zu werden!“ Es ist Mevlana Celaleddin RUMI, der uns dazu auffordert. Sein Wirken und seine inspirierten und inspirierenden Schriften sind das Fundament des im 14. Jahrhundert entstandenen Ordens der Mevlevi. Sie sind hier auf der Webseite des Schweizer Zweiges dieses Ordens. Die Hauptsprache ist Deutsch, doch unseren Freunden in anderen Sprachräumen und ohne eigene Webseite bieten wir auch Platz an. Zu verwandten Webseiten haben wir einen Link geschaltet. Möge unser Wirken ein Dienst an diese Welt sein dürfen, zum Wohl der Menschen, die dem eigentlichen Zweck ihres Daseins nachgehen möchten. Mögen wir dies im Schutze und Lichte unseres Pirs Hazreti Mevlana tun, und mögen wir dabei Gottes Schutz erfahren!

Das Oberhaupt aller Mevlevi

(Aus einem Beitrag von Ibrahim Gamard Efendi)

 

Der Mevlevi-Orden – eine islamische Tradition – führt die spirituellen Lehren und die Praxis von Mevlânâ Jalâluddîn Rûmî, seinen Nachfahren und seinen Anhängern seit über 700 Jahren fort. Durch die Restriktionen, denen die Sufi-Organisationen in der Türkei seit über 80 Jahren unterworfen sind, wurde die Mevlevi-Tradition deutlich geschwächt.

In der heutigen Welt, in der Informationen elektronisch leicht zugänglich sind, gibt es eine ganze Reihe von Mevlevi-Organisationen, die über Webseiten verfügen und verschiedenartig Autorität beanspruchen. Dies macht es schwierig zu erkennen, welche Organisationen legitime Autorität besitzen und welche nicht. Die Folge davon ist, dass es für die Mevlevi-Tradition schwieriger ist, sich im Westen gemäß der traditionellen spirituellen Praxis, der traditionellen Lehren und einer entsprechenden Ethik zu etablieren.

Der Zweck dieses Artikels ist es klarzustellen, dass allein der „Groß-Çelebi“ oder Maqâm-i Çelebi, ein direkter Nachfahre von Mevlânâ Jalâluddîn Rûmî, berechtigt ist zu entscheiden, wer ein rechtmäßiger und autorisierter Mevlevi-Scheich ist und wer nicht. Der jetzige Maqâm-i Çelebi ist Faruk Hemdem Çelebi Efendi aus der Türkei.

Fâruk Çelebi Efendi ist Vorsitzender der Internationalen Mevlana-Stiftung (auf Türkisch Uluslarasi Hz. Mevlânâ Vakfi), deren Sitz sich in Istanbul befindet. Alle rechtmäßigen Mevlevi-Scheichs müssen über diese zentrale Organisation an ihn angeschlossen sein. Leider haben sich einige Leiter von Mevlevi-Gruppen dazu entschlossen, die Amtsgewalt des Groß-Çelebi zu ignorieren – oder, wie in manchen Fällen, ihn zwar verbal zu bestätigen, ohne aber wirklich mit ihm zusammenzuarbeiten und ohne ihm echte Gefolgschaft zu leisten.

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Mevlevi in der Schweiz

Wöchentlich treffen wir uns zu Gebet, Gottesgedenken (Dhikr) und Studien und pflegen die Gemeinschaft. Diese Zusammenkünfte stehen allen Interessierten offen, die mit dem nötigen Respekt zu uns stossen. Im weiteren üben wir das Drehen, ein äusserst effektvolles Exerzitium, das einige Male im Jahr im Sema (Drehritual) seinen Höhepunkt findet. Doch das wichtigste Übungsfeld ist der Alltag, in dem wir ständig Gelegenheiten finden, das Gelernte zu festigen und uns am Konkreten zu testen.

Du wirst frei werden von Wünschen,
Von den inneren Fantasien.
Du wirst leer werden.
Du wirst leben ohne Atem.
Du wirst eintauchen in das Leben von Ya-Hu,
Und dann wirst du aufhören, Ya-Hu zu sagen.

Du wirst zum Fenster eines jeden Hauses,
Zum Rosengarten in jedem Feld.
Verlässt du dein Selbst und lässt deine Existenz abfallen,
So wirst du Ich, ohne Mich.

(Divan-i Kebir, Meter 1, Gasel 147,
Verse 1937+1940; Übersetzung Daniel Beck)

Wir als Mevlevi Tarikat in der Schweiz arbeiten sehr eng zusammen mit unserer Dachorganisation „Internationale Mevlana Stiftung“ in Istanbul und nennen uns deshalb „Internationale Mevlana Stiftung Schweiz“. Die Gründung einer eigenen Rechtsform wurde aber notwendig. So haben wir im Herbst 2014 den Mevlana-Verein Schweiz gegründet, der für unsere bescheidenen finanziellen Mittel gerade steht.

Folgende Personen koordinieren zur Zeit die Tarikat in der Schweiz:

Peter Hüseyin Cunz  Lehrbeauftragter (Scheich), Vereinspräsident
Anne Regard Cunz  Erstkontakte, Kommunikation
Elisabeth Gubelmann  Erstkontakte, Administration, Finanzen
Nicolas Furger  Kalif und Leiter Drehritual (Semazenbaschi)
Alexander Stoll  Themenabende, Anlässe
Bärbel Hübner  Raumverantwortliche
Alma Hajdarevic  Vereins-Vizepräsidentin
Bahar Can  Kontakte in die Türkei
Tülin Özgür  Kontakte in die Türkei

 

Arbeits-Beziehung mit Leiterinnen und Leiter von Mevlevi-Gruppen im Ausland:

Nur Artiran, Istanbul, Türkei
Süleyman Bahn, Deutschland
Gustavo Martinez, Miami, USA
Muhamad Carlos Leal Roel, Mexiko und Spanien
Claudia Patricia Rodriguez Chaves, Kolumbien

Jemand, der Durst hat, sucht auch im Juli Schnee

Jemand, der Durst hat, sucht auch im Juli Schnee

Ein Buch entstanden aus der Gruppen-Arbeit

Jemand, der Durst hat, sucht auch im Juli Schnee (Buch)
Jemand, der Durst hat, sucht auch im Juli Schnee (Buch)

 

Rumi, wie Sie ihn noch nicht gelesen haben.
Nicht für alle.
Aber für alle mit Sinn für Transzendenz.
Und bestimmt für alle, die Mevlana lieben.

Inhalt

Die Begegnung mit dem wandernden Derwisch Shems-i Tebrizi wirkte sich sehr stark auf Rumis Leben aus. Zwischen den beiden entstand eine tiefe Freundschaft, die ganz im Zeichen mystischer Liebe stand. Die innige Verbindung löste jedoch auch viel Ärger und Eifersucht in Rumis Umfeld aus, sodass Shems sich schliesslich gezwungen sah, die Stadt zu verlassen. Ob dem Trennungsschmerz wurde Rumi zum Poeten seiner Sehnsucht, der versuchte, seine Erfahrungen höchsten Entzückens wie tiefster Verzweiflung in immer neue Verse zu fassen.
(Text Buch-Rückseite)

 

Impressum

Herausgeberinnen:

Birgit Kunz, Tülin Özgür
Eigenverlag
Zürich, Dezember 2017
Gestaltung: Bernd Konrad, Bern
Druck: deVega Medium GmbH, Augsburg
ISBN 978-3-033-06542-0

 

Zu beziehen bei

Buchhandlung Beer, 044 211 27 05, St. Peterhofstatt 10, 8001 Zürich,
buchhandlung@buch-beer.ch
Buchhandlung medieval, 044 252 47 20, Spiegelgasse 29, 8001 Zürich,
medieval@sunrise.ch
Magic of Spirit,044 261 71 75, Brunngasse 4, 8001 Zürich,
info@esoterikladen.ch
Buchhandlung Calligramme,044 252 95 83, Häringstrasse 4, 8001 Zürich,
calligramme.zuerich@edi.begasoft.ch

Ladenpreis: Fr. 28.-
Das Buch ist auch direkt bei den Herausgeberinnen zu beziehen.

Zur Entstehung

Monatsgedichte 2006-2016

Im Verlauf der Jahre 2006 bis 2016 wurde anlässlich wöchentlichen Gruppe-Treffen immer am ersten Donnerstag des Monats ein Gedicht unseres Pir, Hz. Mevlana, der Gruppe vorgelegt und vom Scheich, Peter Hüseyin Cunz, besprochen. So entstand eine ansehnliche Sammlung an Gedichten aus dem Divan-i Kebir.

Auftrag Gruppe

Mit der Zeit wurde von Seiten der Gruppe vermehrt der Wunsch geäussert, die beliebten Gedichte in einem Gedichtband zu publizieren und so einem erweiterten Publikum zugänglich zu machen. Tülin Özgür und Birgit Kunz, die seit Jahren in Teamarbeit mit der Übertragung der Gedichte aus dem Türkischen beauftragt waren, nahmen sich des Projekts an. Zunächst musste die ansehnliche Gedichte-Sammlung vom Umfang her angepasst werden. Darauf folgten mehrere Schlaufen der akribischen sprachlichen Überarbeitung, um dem Inhalt der Gedichte möglichst gerecht zu werden.

Rezension

So wie der tanzende Derwisch mit seiner erhobenen rechten Hand himmlische Gnade empfängt, um sie mit seiner gesenkten linken der Welt weiter zu geben, so verschenkt Rumi seine Poesie an menschliche Herzen, auf dass sie göttliche Musiktöne erlauschen und den Dufthauch der Gottesliebe erspüren. Meist fließen seine Liebesgedichte, sehnsuchtsvollen Träumereien, religiösen Visionen  und Gebete in einander. Der Klang der sich bisweilen wiederholenden Wörter oder Sätze wirkt fast wie eine Aufforderung zum Tanz. In der bunten Bilderwelt von Rumis Lyrik manifestiert sich seine scheinbar grenzenlose Fantasie, die überall Spuren göttlichen Wirkens findet. Durch die wunderbaren Übertragungen von Birgit Kunz und Tülin Özgür kann man sich in dem im Dezember 2017 in Zürich erschienenen, ästhetischen Gedichtband „Jemand, der Durst hat, sucht auch im Juli Schnee“, Gedichte aus dem Divan-i-Kebir, selbst davon überzeugen lassen, wie unverändert lebendig und frisch die Sprache von Rumis Gedichten über die Jahrhunderte geblieben ist.

Felizitas von Schönborn, Autorin Diogenes

Link

Lesung einzelner Gedichte von Peter Hüseyin Cunz (in Bearbeitung)

Kontakt

Tülin Özgür, 079 963 14 84, Bachtelstrasse 43, 8810 Horgen, tulin.mevlana@gmail.com
Birgit Kunz, 079 254 85 61, Bettenstrasse 66, 8400 Winterthur, birgitku@gmx.ch

 

 

Mevlanas Biographie

(aus der Webseite unserer Partner in Deutschland)

 

Was macht es aus, dass dieser islamische Dichter und Mystiker bei uns so beliebt ist? Warum befasst sich sogar die UNESCO mit ihm. Das Jahr 2007 hatte die UNESCO zum Jahr von Hz. Mevlana erklärt. Das Ritual der Mevlevi-Derwische, jenes Derwischordens, der ja auf ihn zurückgeht, wurde unter den Schutz der UNESCO gestellt und zum „geistigen und kulturellen Meisterwerk der Weltkultur“ erklärt.

Hz. Mevlanas literarisches Werk führt seit Jahren jetzt schon die Bestsellerlisten in den USA an. Es ist ein unglaubliches Phänomen, dass ein islamischer Gelehrter des 13. Jh. die Bestsellerlisten anführt, wo umgekehrt zum Krieg der Kulturen aufgerufen wird.

Bei uns hier ist Hz. Mevlana mehr unter dem Namen „Rumi“ bekannt. Der Name „Rumi“ heißt soviel wie „der Römer“. Diesen Beinamen bekam er, weil er in Anatolien lebte. Dieses Gebiet gehörte damals bis kurz vor seinem Wirken in Konya zum byzantinischen, also „römischen“ Reich.

Hz. Mevlana Rumi wurde vor ca. 800 Jahren, wahrscheinlich am 30. Sept.1207, in der Stadt Balch im heutigen Afghanistan geboren. Damals war dies in der persischen Provinz Khorassan. Dieses Khorassan war in dieser Zeit eine sehr bedeutende Region in der islamischen Kultur, aus der gewaltige geistige Impulse kamen. Viele der damaligen führenden großen Sufis kamen aus dieser Gegend und viele Wissenschaftler und Philosophen. Man denke z.B. an Bahauddin Naqschsband, einen der großen Väter des nach ihm benannten Naqsbandi-Ordens, oder an Hadschi Bektasch Veli, den Pir und Begründer des gleichnamigen Derwischordens oder z.B. an Avicenna, welcher als Vater der heutigen Medizin gilt. Aber genau diese Blüte der damaligen Kultur wurde zugleich von einem schier übermächtigen Feind bedroht. Dschingis Khans Reiterhorden näherten sich unaufhaltsam auch diesem Gebiet und legten alles, was sich nicht bedingungslos unterwarf in Schutt und Asche. Genau in dieser Zeit wuchs der junge Hz. Mevlana auf.

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Drehritual in Zürich

Liebe im Islam und Sufismus (Februar 2018)

Referat vom 25. Februar 2018 in Ahaus/D

Gleich zu beginn möchte ich Sie meiner persönlichen Sicht über die Liebe nahebringen. Was ist Liebe? Viele noch so schöne Texte über die Liebe, die ich zu lesen bekam, sind für meine Begriffe unscharf und oft sentimental formuliert. Von den wenigsten Autoren wurde mir ein klares Bild darüber vermittelt, was im Grunde genommen Liebe ist. Mit dem Vertiefen in die Schriften der Theosophie und später des Sufismus begann ich mein Verständnis wie folgt auszubauen:

 

Die Liebe ist keine stoffliche Substanz, also nicht „der Stoff, der die Welt zusammenhält“, wie der Titel des Seminars suggeriert – wenn auch mit einem Fragezeichen. Wir können die Liebe weder greifen noch besitzen. Die markante Definition meiner theosophischen Lehrerin Elisabeth Haich selig begleitet mich seit meiner Studentenzeit: Liebe ist (nichts anderes als) der Drang nach Einheit.
Liebe ist somit eher ein Erlebnis, das erlebt wird während dem Zeitraum, in dem es erlebt wird.

 

Rumi bestätigte das schon im 13. Jhd. in seinen Worten (Divan 3-1333):

 

Im Grunde genommen ist jedes Teilchen der Welt, ist Alles und Jedes, ja die ganze Welt, Liebe; in Allem und Jedem flammt das Feuer der Liebe, in jedem Partikel, in jedem Atom! Alles ringt darum, sich mit dem Geliebten zu vereinen, alles ist trunken von der Vereinigung. 

 

Im Christentum ist die Liebe ein zentrales Thema. Und wie ist das im Islam? Im Koran und in den Prophetensprüchen (hadith) ist die Liebe nur selten direkt erwähnt. Gerne zitiere ich eines der wenigen Beispiele aus dem Koran (30:21):

 

Gott hat Liebe und Zärtlichkeit zwischen Mann und Frau gesetzt.
Hierin sind wahrlich Zeichen für ein Volk, das nachdenkt. 

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Sidi-Saiyyed-Moschee, Indien

Über die Wahrnehmung des Propheten (Konya, 15. Dezember 2016)

Eingangs-Referat des Kongresses

 

Peter Hüseyin Cunz, Kongress in Konya, 15.12.2016. Gesegnet sei unser Prophet Muhammad, der uns als Vorbild dient! Der Friede und Segen Gottes begleite ihn und seine Angehörigen!

 

Ich danke den Behörden von Konya und den Organisatoren, dass ich hier eingeladen bin. Ich danke der Familie Çelebi, dass sie das Erbe Hz. Mevlanas behütet hat und uns nun auch in Europa und anderswo in der Welt die Möglichkeit gibt, den Propheten Muhammad und sein Licht zu verstehen!

 

Wenn Islam im 7. Jd entstanden ist, was bedeutet das für die Wissenschaft der Evolution, die moderne Physik und Psychologie? Oder war Islam schon immer?

Wenn Muhammad das Siegel der Propheten ist, was bedeutet dies für 1 Mia Chinesen, 1 Mia Christen, 1 Mia Hindus und mehrere Mia Rationalisten? Oder ist Gott auch ihnen „nahe wie die Halsschlagader“? (50:16)

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Die Praxis bei den Sufi (November 2016)

Kongress im Kloster Kirchberg bei Horb am Neckar, 18.-20. November 2016

Peter Hüseyin Cunz

Gemäss dem Prospekt will dieser Kongress Gegensätze beleuchten, wie Spiritualität vs. Religion, Mystik vs. Dogmatik oder fruchtbare Praxis vs. Wellness und Selbstbespiegelung. Dazu soll ich einen Beitrag aus dem Sufismus bieten. Ich werde somit die vorhandene Zeit nicht damit verwenden, Ihnen einen Überblick über den Sufismus zu geben, sondern gleich in Belange der Praxis eintauchen. Damit hoffe ich, dass Sie Impulse für Ihren eigenen spirituellen Weg mit nach Hause nehmen werden.

Sufis sind Muslime, denn Sufis werden als die Mystiker des Islams gesehen. Doch einen Sufi zu erkennen ist für den Laien nicht so einfach, denn dieser kann auffallend orthodox oder unauffällig angepasst erscheinen, er kann intellektuell oder bodenständig sein, er kann mit einem gewinnenden  Charisma auftreten oder  einen weggerückten Eindruck machen. Allen gemeinsam ist eigentlich nur dies: Es sind Menschen, die im Kontext des Islams sich nach Gottesnähe sehnen. Die tradierten Gebote und Verbote sind für sie eine Selbstverständlichkeit, doch diese genügen ihnen nicht. Die Sehnsucht nach Gotteserkenntnis treibt sie dazu an, sich weiteren Übungen zu unterziehen, und diese können je nach Schule unterschiedlich sein.

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Stirb bevor du stirbst! – Endlichkeit und Ewigkeit bei den Sufis (November 2016)

Referat an der Ausstellung „Noch einmal leben“ zu Palliativ-Pflege, 11. November 2016 in Zürich

Peter Hüseyin Cunz

Verehrte Damen und Herren,
Ich danke Frau Monika Obrist und ihrem Team für die Einladung an diese Ausstellung über ein Thema, das uns alle betrifft. Ich wurde gebeten, etwas zum Sterben aus Sicht der Sufis zu sagen. Der Titel meines Referates lautet: „Stirb bevor du stirbst! – Endlichkeit und Ewigkeit bei den Sufis“.  Anschliessend soll noch Raum für Fragen zur Verfügung stehen.

Wer sind die Sufis? Sufismus wird mehrheitlich als die Mystik des Islams definiert, also das vertiefte Eintauchen in die Bedeutung und ins Heil dieser Offenbarungsreligion. Mit dem Judentum und dem Christentum teilt der Islam ein Weltbild, das auf dem Gegensatz von Endlichkeit und Ewigkeit aufbaut. Dieser Gegensatz erzeugt den eigentlichen Antrieb eines Sufi, um beharrlich auf dem spirituellen Weg zu gehen.

Aus Sicht der monotheistischen Religionen und somit auch der Sufi besteht die Schöpfung Gottes aus zwei Teilen, dem Diesseits und dem Jenseits. Beide gehören zusammen wie zwei Seiten einer Münze. Weder das Diesseits noch das Jenseits können ohne die andere Seite existieren, und die eine gibt der anderen ihren Sinn. Doch Gott ist noch grösser als Seine Schöpfung. Darum rufen die Muslime – und die Sufis sind Muslime – im Gebetsruf „Allahu akbar“, was „Gott ist gross“ bedeutet im Sinne, dass Er immer grösser als das Grösste ist. Gott hält beide Welten – das Diesseits und das Jenseits – in Seiner Hand. Die eindrücklichen Fotos dieser Ausstellung führen uns in die Nähe des physischen Todes: links das Gesicht, das uns vor dem Tod noch eindrücklich anschaut, und rechts das erloschene Gesicht mit geschlossenen Augen. Fragen Sie sich doch bitte: welches der zwei Bilder deutet aufs Diesseits, und welches aufs Jenseits? Ich komme darauf zurück.

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Wachstum durch Minderung

Wachstum durch Minderung (Mai 2016)

Referat von Peter Hüseyin Cunz in der City-Kirche St. Jakob, Zürich, am 13. Mai 2016

Verehrte Damen und Herren,

 

Ich wurde gebeten, über das äussere und innere Wachstum zu sprechen. Das äussere Wachstum mit seinen Grenzen, das seit einigen Jahrzehnten die ökologische und soziale Debatte beflügelt, werde ich nur kurz erwähnen. Ich möchte mich vorwiegend aufs innere Wachstum konzentrieren, das ebenfalls seine Grenzen und Tücken enthält. Beginnen will ich mit einem Hinweis über die religiöse Gemeinschaft, die ich vertrete.

 

Wie im Christentum gibt es auch im Islam eine Vielzahl an mystischen Bewegungen, die mit dem Sammelbegriff „Sufismus“ bezeichnet werden. Einige davon sind als Orden strukturiert mit eigenen Versammlungsräumen und klösterlichen Zentren. Ich bin Vorsteher eines solchen Ordens in der Schweiz. Wir sind jene Gemeinschaft, die durch das Ritual der „Tanzenden Derwische“ bekannt ist. Diese schöne Kirche St. Jakob ist schon seit Jahren vier Mal im Jahr Gastgeberin für dieses Ritual.

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Die Kraft des Ritus am Beispiel der Sufi-Praxis (April 2016)

Referat „Die Kraft des Ritus“ vor den Freimaurern Osiris, Basel 14. April 2016

Sehr verehrte Damen und Herren:

Die fünf Grundideale der Freimaurerei sind, so wurde mir das erklärt, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Sie sollen durch die praktische Einübung im Alltag gelebt werden. Als Mitglied eines Sufi-Ordens, der sich dem Islam verpflichtet, empfinde ich grösste Anerkennung für solche Ideale. Aus meiner Sicht müssen sich religiöse Ideale an solchen Merkmalen messen. Ansonsten ist Religion nur eine eitle Fantasie, die dem eigenen Ego dient.

 

Mit meiner Bewunderung für Ihre Ideale danke ich Ihnen für die Einladung. Gerne informiere ich Sie über die Prinzipien des Sufismus. Da Sie Ihre Gemeinschaft mit Riten festigen, werde ich den Schwerpunkt meines Referates auf die Bedeutung des Ritus setzen. Natürlich gehe ich davon aus, dass Sie den Sinn und Zweck unserer Welt – wir sprechen von der „Schöpfung Gottes“ – in einem grösseren Zusammenhang sehen. Ich bin davon überzeugt, dass jeder und jede von Ihnen, die sich den Idealen der Freimaurerei verpflichten, wenigstens am Rande etwas Übergeordnetes akzeptieren, denn nur so können Sie sich vom Naturell des Menschlichen, das aufs eigene Überleben und Leben konzentriert ist, distanzieren. Diese Bereitschaft nennen wir „Glaube“. Der Glaube gibt uns die Möglichkeit, auf etwas zu hoffen. Und in der Hoffnung erst werden wir zur Liebe fähig. So verstehe ich den christlichen Grundsatz: „Glaube, Hoffnung, Liebe“.

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