Gülbank (Segen der Mevlevi)

Bismillahirrahmanirrahim
Vakti serifler hayr ola, hayirlar feth ola, serler def ola,
nefesler payende ola. Niyazlar kabul ola.
Allah azim-u san, ismi zati nuru ile kalplerimizi dünyevi
uhrevi pür nur münevver eyleye.
Demler sefalar ziyade ola. Dem-i Hazreti Mevlana, sirri Sems,
sefaati Muhammedin nebi keremi imami Ali
demine Hu diyelim.

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Möge dieser Augenblick gesegnet sein.
Möge uns die Tür zum Guten offen sein
und das Übel sei vertrieben.
Unser demütiges Bitten sei erhört in seinem Ehrenpalast.
Allah, der Gepriesene, läutere unsere Herzen und
erleuchte sie mit dem Licht Seiner Grössten Namen.
Mögen die Herzen der Liebenden (Müriden) geöffnet sein.
Beim Atem unseres Meisters Mevlana und Weled,
beim Licht des Muhammad, bei der Güte des Imam Ali,
bei der Schönheit des ummi Muhammad, des Gottgesandten,
hab Erbarmen mit allen Welten. So sprechen wir Huuu.

Einige Grundlagen über die Namen Gottes (2002)

Peter Hüseyin Cunz, Frühling 2002

(An mehreren Stellen wird auf das empfehlenswerte Buch „Gott hat die schönsten Namen“ von Hamid Molla-Djafari, Verlag Peter Lang verwiesen und Auszüge daraus wiedergeben.)

 

Woher stammen die Namen Gottes?

Die Namen Gottes sind keine Erfindung des Korans. Schon in der Tora haben die Gottesnamen oder „der Name des Herrn“ eine grosse Bedeutung; ein Beispiel:

Der Herr sprach zu Moses: „… du hast nun einmal Meine Gnade gefunden, und Ich kenne dich mit Namen.“ Dann sagte Moses: „Lass mich doch Deine Herrlichkeit sehen!“ Der Herr gab zur Antwort: „Ich will Meine ganze Schönheit vor Dir vorüberziehen lassen und den Namen des Herrn vor dir ausrufen.“ (Ex 33, 17-19).

Oder auch im Neuen Testament:

Jesus spricht zum Herrn: „Ich habe Deinen Namen den Menschen offenbart, die Du mir aus der Welt gegeben hast“ (Joh. 17,6);

und im Vaterunser heisst es: „Dein Name werde geheiligt.“

 

Die Gottesnamen sind für den Menschen da. Er soll damit das Wirken Gottes erkennen. Erkenntnis setzt aber den Erkennenden (Subjekt) und das Erkannte (Objekt) voraus: eine Zweiteilung (Dualität) also, die das Dritte erst ermöglicht, und ohne die unsere Schöpfung nicht existieren würde. Nur im Reflektieren ist Begreifen möglich, und einzig im Gegenüberstehen von Subjekt und Objekt können Begriffe wie die Namen Gottes formuliert werden.

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Die sieben Pforten der Hölle (Januar 2006)

Nur Artiran, Istanbul, 25.01.2006

 

Mesnevi Band I, Zeile 779: „sieben Pforten der Hölle“
Mesnevi Band VI, Zeile 4657: „die Hölle ist ein Drache mit sieben Köpfen“

 

Die angesprochene Formulierung “sieben Pforten der Hölle” enthält verschiedene Symbole. Die Sufis beschreiben unsere Nafs in sieben Stufen, d.h. die Wünsche der Nafs werden in sieben Gruppen unterteilt. Diese sieben Teile der Nafs werden im Mesnevi als sieben Pforten der Hölle oder als siebenköpfiger Drache symbolisiert. Das Thema ist sehr tiefgreifend, weshalb es schwierig ist, es per Email jenen zu erklären, denen dieses Gebiet fremd ist. Wir können es jedoch kurz und allgemeinverständlich etwa folgendermassen erläutern:

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Die Frau im Islam (Mai 2004)

Es wurden mir drei Dinge von dieser Welt lieb gemacht;die Frau, der Duft, mein Augenlicht: das Gebet. (Hadith)

 

Zusammengetragen von Mesnevihan Nur Artıran, Mai 2004  
Mesnevi Übersetzung von Sefik Can Efendi 

 

 

Seit der Entstehung der Welt wird über das Gleichgewicht zwischen Frau und Mann gesprochen und diskutiert. Dieses Thema war in allen Religionen und Kulturen lebendig und aktuell. Solange die Menschen die Wahrheit nicht sehen wollen, wird dies immer ein Thema bleiben, über das diskutiert wird. Trotz jahrhundertlanger Diskussionen war es nicht möglich, die Perspektive, aus der der Islam die Frau sieht, richtig zu verstehen. Was immer auch der Grund dafür sein mag: Der Gedanke, dass der Islam den Frauen die Rechte, die ihnen zustehen, verweigere und sie als zweitklassige Menschen ansehe, stand immer im Vordergrund. Natürlich ist es nicht möglich, dies zu akzeptieren. Diese Einstellung entsteht aus Vorurteilen gegenüber dem Islam und weil man ihn nicht ausgiebig studiert hat. Um den Wert, den der Islam den Frauen gibt, zu verstehen, genügt ein einziger Hadith unseres Propheten: „Es wurden mir von eurer Welt drei Dinge lieb gemacht. An erster Stelle die Frau, an zweiter der süsse Duft, an dritter mein Augenlicht: das Gebet.“

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Shah Jahan Moschee, Pakistan

Das Böse im Sufismus (Mai 2004)

Interview von Lisa Trachsel mit Peter Hüseyin Cunz
für die esoterische Zeitschrift Advaita, Ausgabe Mai 2004 

Gibt es im Sufismus eine Unterscheidung zwischen Gut und Böse?

Selbstverständlich! Sufismus ist nichts anderes als vertieft gelebter Islam. Sufismus ist Religion und Philosophie in einem und als Rahmen für das Leben in dieser Welt gedacht. Der Mensch kann gar nicht anders als ständig das für ihn Richtige vom Falschen zu unterscheiden. Die Frage ist dann nur, von welcher Seite er das Betrachtete beleuchtet und beurteilt. Hier benötigt er Hilfe, wenn er sich nicht auf sein eigenes limitiertes Beurteilungsvermögen beschränken will.

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Rosen, Frühling

Frühling (April 2004)

Zusammengetragen von Mesnevihan Nur Artıran, April 2004

Der Frühling (in türk. Sprache: Bahar) kommt als Vertreter des Freundes aus der Ferne! …

Die Welt feiert Hochzeit; Felder, Gärten bereiten die Mitgift vor.

Hz. Mevlana

Der Allmächtige sagt: „Wir haben die Blumen ohne Farbe und Pinsel gemalt. Wir haben ihnen schöne Düfte verliehen“. Alle Geheimnisse auf dieser Welt zeigen und offenbaren sich in der Frühlingszeit. „Das Herz versteht und sieht den mit Blumen geschmückten Zweig als  Freund, der vom geheimen Geliebten Nachricht bringt, es sehnt sich nach der Vereinigung mit dem Geliebten und läuft ihm entgegen.“ Die kalten Wintertage, die blumenförmigen, dicken Schneeflocken, welche die Botschafter der geheimen Nachricht sind, haben wir hinter uns gelassen. Sie waren Botschafter für die verschienen Töne (Makams) der zwitschernden Vögel, für die verschiedenen Blumen in ihren manigfaltigen Farben, für die warmen, sonnigen Tage, für die erwachende Natur. Nun geniessen wir den Frühling in vollen Zügen. Wir überlegen uns, was wir in diesen warmen Sommertagen unternehmen wollen und träumen von unseren Ferien.

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Moschee Marokko

Über die Pilgerfahrt (Januar 2004)

Sohbet von Mesnevihan Nur Artıran über die Pilgerfahrt
Donnerstag, 29. Januar 2004 im Wirbel, Altstetten-Zürich

BISMILLAH

Islam basiert auf fünf grundlegenden Pflichten:

1)     Das Fasten

2)     Das Gebet

3)     Die Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch)

4)     Die Armensteuer (1/40 des Vermögens an Bedürftige geben)

5)     Das Bezeugen, dass es nur Einen Gott gibt und dass Hz. Muhammed Sein Geschöpf und Prophet ist

Natürlich ist diese Reihenfolge kein reiner Zufall. Wenn wir diese Gottesverehrungen in ihrer geistigen Dimension betrachten, dann kann derjenige, der fastet, das Gebet verrichten, derjenige, der das Gebet verrichtet, nach Mekka pilgern, derjenige, der nach Mekka pilgert, die Armensteuer geben. Und wer alle diese Gottesverehrungen ausüben kann, glaubt an die Einheit Gottes und dass Hz. Muhammed Sein Geschöpf und Prophet ist.

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Tilya-Kori-Madrasa in Usbekistan

Gedanken zu Dhikr – eine Praxis im Islam (September 2003)

Peter Hüseyin Cunz, September 2003

Ich war ein verborgener Schatz und sehnte Mich danach, erkannt zu werden. Also schuf Ich die Welt, auf dass Ich erkannt würde.
(Hadith qutsi, Ausserkoranisches Gotteswort)

Gott sehnte sich danach, erkannt zu werden um so Sich Selbst zu erkennen, darum hat Er aus Sich Selbst heraus diese „Welt“ erschaffen. Um dies zu ermöglichen, benötigte Er einen würdigen Gegenspieler der die Funktion des Metalls auf der Rückseite der durchsichtigen Glasscheibe auf sich nimmt, damit ein Spiegel entsteht, in dem Gott sich erkennen kann. Als Gegenspieler hat Er den gewählt, der Ihm am nächsten stand: den Erzengel Azazil (oder Luzifer, der Lichtbringer, der Träger des Lichts). Dieser – in seiner unendlichen Gottestreue – hatte sich geweigert, sich vor dem ersten Menschen Adam niederzuwerfen, und so „qualifizierte“ er sich für die schwierigste und schmerzlichste Funktion der Schöpfung: Satan (Iblis), der Versucher, der Einflüsterer, der Verführer, der Provokateur, der vom Weg abbringende.

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Islamische Identität im schweizerischen Alltag (Dezember 2002)

Referat von Peter Hüseyin Cunz, Paulus-Akademie Zürich:
Islam in der Schweiz
Tagung vom 30.11./1.12.2002

BISMILLAH

Verehrte Damen und Herren,

Es war vor über 25 Jahren, dass ich – beeinflusst von den Umständen, die mir mein Schicksal bescherte – als geborener Schweizer Protestant mich zum Islam bekannte. Vieles war dadurch neu für mich – und einiges war geradezu faszinierend. Während den nachfolgenden Jahren durfte ich im Rahmen des Islams immer wieder Neues entdecken, und meine innere Rebellion gegen menschgemachte kirchliche Systeme konnte sich legen. Und schrittweise durfte ich auch in den Garten der islamischen Mystik treten – ein Gebiet, das wir in unserer Sprache mit „Sufismus“ bezeichnen. Heute bin ich Lehrbeauftragter – man nennt dies „Scheich“ – im Orden der Mevlevi, die hierzulande oft „Wirbelnde Derwische“ genannt werden. Mein Geld verdiene ich als Sektionschef im Bundesamt für Energie.

In meinem Suchen nach essenziellen Erkenntnissen innerhalb des Islams war ich nicht durch eine islamische Erziehung vorprogrammiert. Es klebten keine aus der Kindheit stammenden Bilder und Wertvorstellungen islamischer Natur an mir, und somit hatte ich keine Angst, die Überlieferungen kritisch zu betrachten, und ich hatte nicht das Gefühl „zu sündigen“, wenn ich mit nicht einleuchtenden Hadithen und überlieferten Interpretationen haderte. In dieser Freiheit konnte ich die ergreifende Entdeckung machen, dass der Islam von mir in keiner Situation ein Ausklammern meiner Vernunft und meines philosophischen Denken abverlangt. Und so fühlte ich mich mit allen meinen existenziellen Fragen allmählich zu Hause.

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