Fihi ma Fihi

Fîhi mâ fîhi: Von Allem und vom Einen

(Auszüge aus der vorzüglichen Übersetzung von Annemarie Schimmel, Verlag Diedrichs)

 

Einleitung:

Wäre alles so, wie es erscheint, dann hätte der Prophet - mit einer so durchdringenden Schau und erleuchtet - niemals ausgerufen: "Herr, zeige mir die Dinge, wie sie sind! Du zeigst etwas als schön und in Wirklichkeit ist es hässlich, und zeigst etwas als hässlich und in Wirklichkeit ist es hübsch. Deswegen zeige uns doch jedes Ding genau so wie es ist, damit wir nicht in die Schlinge fallen und nicht ewiglich in die Irre gehen!" Nun ist Euer Urteil, so gut und klar es auch sein mag, sicherlich nicht besser als das des Propheten. Er pflegte so zu sprechen - nun solltet auch Ihr Euch nicht auf jede Meinung und jede Vorstellung verlassen. Fleht immer demütiglich und voller Furcht!

Kapitel 1:

Der Mensch muss sein Unterscheidungsvermögen von allen Zwecken leeren und einen Glaubensfreund suchen. Glaube ist, den wahren Freund zu erkennen.

Hoffnung ist der Beginn des Weges zur Sicherheit. Wenn du diesen Weg nicht gehst, beachte zumindest den Anfang dieses Weges! Sag nicht, "Ich habe krumme Dinge gedreht" - wähl' den Weg der Gradheit, und dann bleibt nichts Krummes.

Kapitel 2:

Der Parvana fragte: Gibt es einen näheren Weg zu Gott als Ritualgebet? Er antwortete: Wiederum Ritualgebet, aber ein Gebet, das nicht aus diesen Formen besteht. Dies ist der Leib des Gebetes, denn Ritualgebet hat einen Anfang und ein Ende, und alles, was Anfang und Ende hat, ist eine leibliche Form. Die Worte Allâhu akbar sind der Anfang des Ritualgebetes, und der Friedensgruss sein Ende. Gleicherweise ist das Glaubensbekenntnis nicht nur das, was mit der Zunge gesprochen wird, denn auch dies hat Anfang und Ende. ... So erfahren wir, dass die Seele des Ritualgebetes nicht diese Form allein ist. Es ist vielmehr eine Versunkenheit und eine Bewusstlosigkeit, in der alle diese äusseren Formen draussen bleiben und keinen Raum mehr haben. Selbst Gabriel, der geistige Wesenheit ist, passt nicht hinein.

Kapitel 3:

Es gibt in der Welt eine einzige Sache, die man nie vergessen darf. Selbst wenn du alles vergessen würdest, aber nicht dies eine, machte es nichts. Aber wenn du alles durchführtest und dich daran erinnertest und nichts vergässest, dann hättest du nichts getan - so, als ob ein König dich mit einer besonderen Aufgabe in ein Dorf geschickt hätte. Du gehst hin und tust hundert andere Dinge; aber wenn du diese Aufgabe nicht erfüllt hast, um derentwillen du gegangen warst, ist es, als hättest du überhaupt gar nichts getan. So ist der Mensch für eine bestimmte Aufgabe in diese Welt gekommen, und das ist sein Zweck; wenn er den nicht erfüllt, hat er nichts getan. ... Wenn du nun sagst: "Jene Werke tue ich nicht, dafür aber doch so viele andere Werke" - so ist der Mensch nicht für diese anderen Werke geschaffen. Es ist, als ob du ein Schwert aus feinstem indischen Stahl, wie man es in königlichen Schatzkammern findet, brächtest und es dann zu einem Schlachtmesser machtest, um angefaultes Rindfleisch damit zu schneiden, und dann sagtest: "Ich lasse dies Schwert nicht müssig herumhängen, ich benutze es für etwas Nützliches." ... oder als ob du eine juwelenbesetzten Dolch als Nagel für einen Kürbis oder einen kaputten Krug verwendetest: "Doch, ich nutze ihn ja gut, ich hänge meinen Kürbis dran auf! Ich lasse den Dolch ja nicht nutzlos herumliegen." Wäre das nicht beklagenswert und lächerlich? Wo man den Kürbis doch mit einem Holznagel oder einem Eisennagel, der vielleicht einen Heller kostet, in Ordnung bringen könnte - was für einen Sinn hat es, dafür einen Dolch zu verwenden, der hundert Goldstücke wert ist? Gott hat dir einen grossen Wert gegeben ...

Kapitel 4:

Nun haben die grossen Gelehrten unserer Zeit in allen Arten von Wissenschaften Haare gespalten. Sie kennen all die anderen Dinge, die sie nichts angehen, und haben sie ganz gründlich gelernt, aber das, was wirklich wichtig für sie ist, nämlich ihr eigenes Selbst, das haben sie übergangen, und sie kennen ihr eigenes Selbst nicht. Sie beurteilen bei allem die Legalität oder Illegalität und sagen: "Dies ist erlaubt und jenes ist nicht erlaubt, dies ist gesetzlich rein und dieses ist verboten", aber sie kennen ihr Selbst nicht, ob das gesetzlich rein oder verboten, erlaubt oder unerlaubt, rein oder unrein ist.

Kapitel 5:

Auch die Form hat grosse Wichtigkeit; denn sie soll wie Haut und Kern mit der Substanz verbunden sein. Ebenso, wie etwas nichts wird, wenn es keinen Kern hat, so wird es auch nichts, wenn es keine Haut hat. Wenn du ein Saatkorn ohne seine Hülle säst, sprosst es nicht; doch wenn du es mit seiner Hülle in der Erde vergräbst, dann spriesst es und wird zu einem gewaltigen Baum. Von diesem Gesichtspunkt ist auch der Leib ein grosses, wurzelhaftes Ding; denn ohne ihn kommt kein Werk zustande, und der Zweck wird nicht erreicht. Ach ja, gewiss, die Wurzel ist der Sinn für den, der den Sinn kennt und Sinn geworden ist. Das Wort [des Propheten]: Zwei Gebetseinheiten sind besser als die ganze Welt und was darinnen ist, ist nicht für jedermann. Es ist richtig nur für den, dem es wichtiger als die ganze Welt und was darinnen ist, wäre, wenn ihm zwei Gebetseinheiten entgehen. Zwei Gebetseinheiten zu verpassen, ist für ihn schwerer zu ertragen als der Verlust des weltlichen Reiches, das ihm ganz gehört.

Es ist Schmerz, der den Menschen leitet. Solange es in einem Werk keinen Schmerz, keine Leidenschaft und keine sehnsüchtige Liebe gibt, wird er nicht danach streben. Ohne Schmerz bleibt ihm die Sache unerreichbar, sei es diese Welt oder das Jenseits, sei es Handel oder Königtum, Gelehrsamkeit oder Sternkunde. Solange Maria die Schmerzen der Wehen nicht spürte, wandte sie sich nicht zu dem Baum. Und die Wehen veranlassten, zum Stamm der Palme zu gehen (Sura 19:23). Dieser Schmerz brachte sie zum Baum, und der dürre Baum trug Früchte.
Der Leib ist wie Maria. Jeder von uns hat einen Jesus, aber ehe sich in uns kein Schmerz zeigt, wird unser Jesus nicht geboren. Wenn der Schmerz niemals kommt, geht Jesus zu seinem Ursprung zurück auf demselben geheimen Pfade, auf dem er gekommen war, und wir bleiben beraubt und ohne Anteil an ihm zurück.

Kapitel 6:

Wenn man den Zweck im Auge behält, bleibt keine Zweiheit mehr. Zweiheit liegt in den Zweigen; die Wurzel ist eins. So ist es mit den Wegen der Sufi-Meister. Obgleich sie der Form nach ganz verschieden sind und sich in Worten, Taten und Zuständen unterscheiden, sind sie vom Gesichtspunkt des Zieles nur eins, nämlich Suche nach Gott.

Wenn du einen Fehler in deinem Bruder siehst, so ist der Fehler, den du in ihm siehst, in dir selbst. Die Welt ist ja gleich einem Spiegel, in dem du dein eigenes Bild siehst, denn Der Gläubige ist der Spiegel des Gläubigen (Worte des Propheten). Reinige dich von dem Fehler in dir; denn was dich im anderen schmerzt, schmerzt dich [in Wirklichkeit] in dir selber.
Alle schlechten Eigenschaften wie Unterdrückung, Hass, Neid, Gier, Unbarmherzigkeit, Lust, Zorn, Stolz - wenn sie in dir sind, schmerzt es dich nicht. Wenn du sie aber in einem anderen wahrnimmst, dann scheust du davor, und es schmerzt und verletzt dich - doch wisse, dass du vor dir selbst scheust.

Der Gläubige ist der Spiegel des Gläubigen - [der Prophet] hat nicht gesagt: Der Ungläubige ist der Spiegel des Ungläubigen. Nicht so, dass der Ungläubige kein Spiegel wäre, aber er hat ihn nicht poliert und weiss nichts von seinem Spiegel.

Kapitel 7:

... wann ist die Religion je eine gewesen? Es hat immer zwei oder drei gegeben, und zwischen ihnen ist immer Krieg und Kampf gewesen. Wie wollt ihr die Religion zu einer machen? ... Das Eine wird erst bei der Auferstehung geschehen. Hier in der gegenwärtigen Welt ist es nicht möglich; denn hier hat jeder einzelne einen anderen Wunsch und ein anderes Ziel. Hier kann Einheit unmöglich zustandekommen; doch bei der Auferstehung wird alles eins sein und alle werden eine Zunge haben.

Worte sind endlos, aber sie werden herabgesandt entsprechend der Kapazität des Suchers. ... Wenn du zum Drogisten kommst, da gibt es Zucker im Überfluss. Aber er sieht, wieviel Geld du hast, und gibt entsprechend. Mit "Geld" ist hier hohes Streben und Glaube gemeint. ... So gibt es einen, dem Ozeane nicht genug sind (ev. ist damit Bayezid Bistami gemeint); andere gibt es, denen ein paar Tropfen genügen, und mehr als das wäre schädlich.

Kapitel 8:

Der Mann sagte: Was von Gott kommt ist gut.
Mevlana sagte: Nun schön, alles ist von Gott. In Beziehung zu Gott sind alle Dinge gut, aber in Beziehung zu uns nicht. ... Ebenso wie Ehrenkleider zur Vollkommenheit des Königtums gehören, so sind auch Galgen und Hinrichtung und Kerker Zeichen der Vollkommenheit des Königtums. In Beziehung zum König sind alle diese Dinge vollkommen - aber wie wären Ehrenkleid und Galgen für sein Volk ein und dasselbe?

Kapitel 9:

Jemand fragte: Was gibt es, das edler als Ritualgebet wäre?
Eine Antwort ist, wie ich schon gesagt habe, dass die Seele des Gebetes besser ist als das Gebet, wie ich damals erklärt habe. Die zweite Antwort ist, dass Glaube besser als Gebet ist.
Denn Ritualgebet besteht aus fünf Pflichtgebeten im Laufe von Tag und Nacht, während Glaube eine fortwährende Pflicht (farîda) ist. Gebet kann um einer gültigen Entschuldigung willen unterlassen und durch Spezialerlaubnis verschoben werden, wie bei Menstruation und so; der andere Vorzug, den der Glaube gegenüber dem Gebet hat, ist, dass man den Glauben um keiner Entschuldigung willen aufgeben und ihn nicht durch einen Dispens aufschieben kann. Wiederum ist Glaube ohne Gebet nützlich, während Gebet ohne Glauben keinen Nutzen bringt - so wie das Gebet der Heuchler. Das Gebet ist in jeder Religion von verschiedener Art, während sich der Glaube in keiner Religion ändert; seine Zustände sind unveränderlich.

Kapitel 10:

Dort wo ich rede, ist nicht Kamel noch Hammel, nicht Gleiches noch Vergleich. Obgleich der Verstand dies durch Anstrengung nicht begreifen kann - aber wie sollte der Verstand von seinen Bemühungen ablassen? Wenn er die Bemühungen aufgäbe, wäre er nicht mehr Verstand. Verstand ist das, was immer, Tag und Nacht, ruhelos und rastlos ist, denkend und sich anstrengend und versuchend, Gott zu begreifen, selbst wenn Gott unfassbar und unbegreiflich ist, d.h. ausserhalb unserer Denkweite liegt. Verstand ist wie ein Falter, und der Geliebte wie eine Kerze. Wenn immer sich der Falter auf die Kerze stürzt und verbrennt und zerstört wird, ist der richtige Falter doch so, dass er, so sehr er auch von der Qual des Verbrennens und vom Schmerz leidet, es doch nicht ohne die Kerze aushalten kann. Gäbe es irgendein Tier wie den Falter, das es ohne das Licht der Kerze aushalten könnte und sich nicht in dieses Licht stürzte, so wäre es kein richtiger Falter; und falls der Falter sich ins Kerzenlicht stürzte und die Kerze ihn nicht verbrennte, so wäre das keine richtige Kerze.
Deshalb ist der Mensch, der es ohne Gott aushalten kann und keinerlei Anstrengung macht, überhaupt kein richtiger Mensch; aber falls er Gott begreifen könnte, wäre das nicht Gott. Deswegen ist der wahre Mensch einer, der niemals von Bemühungen frei ist, der ruhelos und unaufhörlich um das Licht der Majestät und Schönheit Gottes kreist. Und Gott ist es, der den Menschen verbrennt und ihn zunichte werden lässt, und kein Verstand kann ihn fassen.

Kapitel 12:

Wer für Gottes Sache wirkt, selbst mit geschlossenen Augen, der ist nicht verloren. Und wer ein Atom Gutes getan hat, wird es sehen (Sura 99:7). Nun, da er im Innern dunkel und verschleiert ist, sieht er nicht, wie weit er vorangekommen ist. Man muss den Weg auf irgend eine Art gehen; man darf nicht schlafen, damit man nicht von den Weggefährten getrennt werde und umkomme.

Gott spricht: Ich bin da, wo mein Diener von mir denkt. Jeder Meiner Diener hat ein Bild und eine Vorstellung von Mir. Welches Bild er sich von Mir mache, da bin Ich. ...
Das Kalb ward durch dies Licht zum Ziele des Gebetes,

Die Kaaba ohne Licht ist Götzenbild und Sünde.

Er sagt: Reinigt euere Gedanken, Meine Diener, denn sie sind Mein Heim und Wohnplatz. Man prüft dich, was dir nützlicher ist, Weinen oder Lachen, Fasten, Gebet, Einsamkeit und Gesellschaft und das übrige. Welcher Zustand deinen schnelleren Fortschritt sichert, den wähle. Frage dein Herz nach einem Rechtsgutachten, selbst wenn die Gutachter dir Rat geben.
Du hast einen Rechtsgutachter in dir - vergleich' das mit dem Rat der Ratgeber, und was damit übereinstimmt, das soll man tun.

Kapitel 13:

Der Verstand ist im Leib des Menschen wie ein grosser Befehlshaber. Solange die ihm unterstehenden Glieder des Leibes ihm gehorsam sind, geht es mit allen Angelegenheiten wohl; aber wenn sie ungehorsam sind, gerät alles in Unordnung. Siehst du nicht, wie, wenn jemand berauscht ist, weil er Wein getrunken hat, was für üble Sachen von seinen Händen, Füssen und seiner Zunge und diesen Untergebenen seines Wesens kommen?

Es gibt Gaben und es gibt Wissen. Mancher hat Gaben, aber kein Wissen; andere haben Wissen, aber keine Gaben. Aber wenn beide vorhanden sind, wird er ausserordentlich erfolgreich. Wie mancher hat Wissen, aber keine Schau, und wie mancher Einsicht, aber kein Wissen! Jemand, der beides hat, ist wahrhaft unvergleichlich.

Kapitel 14:

Wo ist jene Gewissheit, die alle Phantome verbrennt? Gott der Erhabene antwortet: "Wie ich gesagt habe: eure animalische Seele ist euer Feind und Mein Feind. Nehmt euch nicht Meine und eure Feinde zu Freunden! (Sura 60:1). ..... Warum bist du ständig mit dem Leib beschäftigt? Vergiss nicht das Ende des Fadens; schlag deiner niederen Seele ihren Willen ab, bis du deinen ewigen Wunsch erreicht hast und Befreiung aus dem Kerker der Finsternis findest.

Kapitel 15:

Der Drogist trägt verschiedene Tabletts auf dem Kopf, eine Prise von jedem Vorrat: eine Prise Pfeffer, eine Prise Mastix, eine Prise Myrobalan und so weiter. Die Vorräte sind unendlich; aber auf seinem Tablett ist kein Platz für mehr. Nun ist der Mensch wie das Tablett oder wie eine Drogerie. Auf ihm sind Prisen und Stückchen aus den Schätzen der Eigenschaft Gottes in Büchsen und Schälchen gelegt, damit er in dieser Welt damit handle, wie es für ihn passt; ein Stückchen Rede, ein Stückchen Hören, ein Stückchen Verstand, ein Stückchen Grossmut, ein Stückchen Wissen. Nun sind die Menschen Gottes Hausierer; sie gehen hausierend umher und füllen ihre Platten Tag und Nacht. Du leerst es oder verlierst es, um damit deinen Lebensunterhalt zu erwerben; tagsüber leerst du es, und nachts wird es wieder gefüllt und verstärkt.

Kapitel 16:

Der Gesandte Gottes hat gesagt: "Es gibt kein Mönchtum im Islam; die Gemeinschaft ist Gnade." Der Prophet bemühte sich um Gemeinschaft, da das Zusammenkommen von Geistern eine grosse und wichtige Wirkung hat, wie man sie durch Alleinsein und Einsamkeit nicht erreicht. Der Grund, weshalb man Moscheen erbaut hat, ist dies: damit die Bewohner des Stadtviertels sich dort versammeln, so dass Gnade und Nutzen zunehmen mögen. Häuser sind voneinander getrennt, um das Unerlaubte zu bedecken. Freitagsmoscheen wurden erbaut, damit alle Bewohner dort sein mögen. Die Wallfahrt zur Kaaba wurde zur Pflicht gemacht, damit die meisten Menschen aus Städten und Weltgegenden dort zusammenkommen mögen, damit Nutzen, nämlich Vereinigung und Versammlung, entstehe.

Kapitel 17:

Die äussere Form dieser Geschöpfe ist wie ein Becher, und diese Wissenschaften und Künste und Wissensarten sind Bilder auf dem Becher. Siehst Du nicht, dass, wenn der Becher zerbrochen ist, diese Bilder nicht mehr da sind? Es kommt auf den Wein an, der im Becher der körperlichen Gestalten ist, und wer diesen Wein trinkt: Was bleibenden Wert hat, nämlich gute Taten, werden bei deinem Herrn besser belohnt (Sura 18:46).

Kapitel 18:

Diejenigen, die Gold und Perlen lieben, blicken auf den Rücken des Spiegels (der mit Gold und Perlen eingelegt ist); aber die, die den Spiegel lieben, blicken nicht auf Perlen und Gold. Sie richten ihr Gesicht immer auf den Spiegel, und sie lieben den Spiegel als Spiegel; weil sie in ihm liebliche Schönheit sehen, werden sie des Spiegels nicht überdrüssig. Aber wer ein widerliches, abscheuliches Gesicht hat, sieht im Spiegel nur Hässlichkeit. Der dreht sich rasch den Spiegel um und sucht nach diesen Juwelen. Doch was schadet's dem Gesicht des Spiegels, wenn sein Rücken mit Tausenden Mustern und Juwelen besetzt ist?

Kapitel 19:

Dem inneren Sinn ins Gesicht zu blicken, mag im Anfang nicht besonders anziehend sein, doch wird es immer süsser, je weiter man kommt und voran geht - im Gegensatz zur äusseren Form, die zuerst anziehend erscheint; aber je länger du bei ihr sitzt, desto kälter wirst du. Wo ist die Form des Korans? .....

..... Man kann diesen Sinn in anderer Form erzählen; nur die Nachahmer nehmen genau diese Form an. Mit denen zu sprechen ist schwierig. .....

Kapitel 20:

Wenn du dieses Licht der Menschlichkeit, der inneren Wahrheit, hast, ist es gut, sonst suche Menschlichkeit; das ist der wahre Zweck; der Rest ist nur langes Gerede. Wenn man die Worte sehr ausschmückt, vergisst man den Zweck.

Kapitel 21:

Der Weg Jesu war Einsamkeit und Kampf und seine Lust nicht zu befriedigen; der Weg Muhammads ist, die Tyrannei und den Kummer von Männern und Frauen zu ertragen. Wenn du den Muhammedanischen Weg nicht ertragen kannst, dann geh wenigstens den Weg Jesu, damit du nicht ganz und gar ohne Anteil bleibst.

Das Segel des Schiffes der menschlichen Existenz ist Glauben. Wenn das Segel da ist, bringt der Wind ihn zu einem Mächtigen Platz; wenn kein Segel da ist, sind Worte nur Wind. Angenehm ist es mit Liebenden und Geliebten. Zwischen ihnen herrscht reine Informalität. Alle diese Formalitäten sind um der anderen willen, und alles, was anders als Liebe ist, ist ihm verboten.

Man kann nicht einem, der jemanden liebt, einen Beweis für die Schönheit des Geliebten bringen, und niemand kann im Herzen eines Liebenden einen Beweis einpflanzen, der auf einen Fehler des Geliebten deutet. Daher begreift man, dass hier Beweise nichts nützen. Hier muss man Sucher der Liebe sein.

Kapitel 24:

Wenn Gläubiger und Ungläubiger zusammensitzen und nichts ausdrücken und sagen, dann sind sie ein und derselbe. Gedanken können nicht festgehalten werden; das Innere ist eine freie Welt. Denn die Gedanken sind subtil und können nicht [vom Richter] gerichtet werden. Wir urteilen nach dem Äusseren, und Gott beherrscht die innersten Herzenskerne. Gott der Allerhöchste bringt jene Gedanken in dir hervor; du aber bist mit hunderttausend Mühen und Anrufungen nicht imstande, die loszuwerden. ..... Diese Gedanken sind wie Vögel in der Luft und wie wilde Gazellen. Bevor du sie fängst und in einen Käfig sperrst, ist es gesetzlich nicht erlaubt, sie zu verkaufen. Denn es steht nicht in deiner Macht, einen fliegenden Vogel zu verkaufen, weil beim Verkauf Ablieferung Bedingung ist, und da sie nicht in deiner Gewalt sind - wie könntest du sie abliefern? Gedanken sind also, solange sie im Herzen sind, ohne Namen und Zeichen; sie können weder als Unglaube noch als Islam beurteilt werden. ..... Gedanken sind Vögel in der Luft. Wenn sie jedoch einmal ausgesprochen sind, dann können sie beurteilt werden, ob es Unglauben oder Islam, gut oder böse sei.

Kapitel 26:

Wenn du einen Vogel aus Wachs formst, mit Federn und Schwingen und Schnabel und Klaue, ist es trotzdem Wachs. Siehst du nicht, wenn du es schmilzt, da werden Federn und Schwingen und Kopf und Fuss alle zu Wachs und nichts bleibt, was herausgenommen werden könnte; alles wird zu Wachs. ..... Ebenso ist Eis nur Wasser; deshalb, wenn du es schmilzt, wird es zu Wasser. Aber bevor es zu Eis wurde und noch Wasser war, konntest du es nicht in die Hand nehmen und festhalten; doch nachdem es Eis geworden war, konntest du es in die Hand nehmen und in den Saum legen.
Der Unterschied ist nur dies - das Eis ist aber noch Wasser, und sie sind eins und dasselbe. Das Ungeformte wurde geformt.
Satane und Teufel und Dämonen sind aus der zum Übel anstachelnden Seele geformt, sie sind tatsächlich ein und dasselbe wie die Triebseele und wirken mit ihr, und stehen im Gegensatz zu Intellekt und Engel (die verkörperter Intellekt sind).

Kapitel 27:

Verstand ist so lange gut und wünschenswert, bis er dich zum Tor des Königs bringt. Hast du einmal sein Tor erreicht, dann ergib dich und scheide dich vom Verstand, denn in jener Stunde ist der Verstand schädlich, ein richtiger Wegelagerer. Wenn du [den König] erreicht hast, ergib dich ihm; du hast dann keinen Nutzen vom Wie und Warum!

Kapitel 30:

Denn Gutes ist das Aufgeben von Bösem, und das Aufgeben von Bösem ist unmöglich ohne Böses. ..... denn das Liebenswerte ist das Aufhören des Hassenswerten, und das Aufhören des Hassenswerten ohne etwas Hassenswertes ist unmöglich.

Kapitel 31:

Alle Schmerzen kommen daher, dass du etwas begehrst, und das kannst du nicht erreichen. Wenn man nicht mehr begehrt, bleibt auch kein Schmerz.

Einige (Menschen) gelangen durch Anstrengung und Bemühung zu einem Standort, wo sie das, was sie im Innern und in ihren Gedanken haben, nicht aktivieren. Das ist menschenmöglich. Aber es ist nicht menschenmöglich, dass das Kratzen von Begehren und Gedanken im Innern nicht bestehe - das kann nur Gottes Anziehung aus ihm ziehen.

Die Heiligen und Propheten scheuen nicht vor der Disziplin. Der Anfang der Disziplin bei ihrer Suche ist, die Triebseele (nafs) zu töten und alle Begierden und Lüste aufzugeben, und das ist der grösste Glaubenskampf. Als sie das erreichten und ankamen und im Standort der Sicherheit weilten, wurde ihnen Richtig und Falsch enthüllt, und sie erkannten es und kennen nun das Richtige vom Falschen. Dann sind sie aber noch immer gewaltig angestrengt, denn was diese Leute tun und sagen, ist alles falsch, und sie sehen es und ertragen es.

Kapitel 36:

Form kam als Zweig der geistigen Wahrheit, denn ohne geistige Wahrheit hätte diese Form keinen Wert. Ein Zweig ist etwas, das nicht ohne Wurzel bestehen kann. ..... Obgleich das Bild nicht ohne Maler besteht, noch der Maler ohne das Bild, ist das Bild doch der Zweig und der Maler die Wurzel ..... Das Ziel ist immer der Zweig. Denn das Ziel der Wurzel des Baumes, welche der Grund ist, ist der Zweig des Baumes, nämlich die Frucht.

Kapitel 38:

Wenn du nur den inneren Kern einer Aprikose in die Erde pflanzt, wächst nichts; wenn du ihn mit der Schale pflanzt, dann wächst es. So erfahren wir, dass auch die Form eine Funktion hat. Gebet ist auch im Innern. Es gibt kein Gebet ohne Anwesenheit des Herzens. Aber du musst unbedingt das Gebet in Form bringen und die äussere Kniebeuge und Prostration vollziehen, dann hast du deinen Anteil [am Segen] und erreichst deinen Wunsch. Und die ständig in ihren Gebeten verharren (Sura 70:23). Das ist das Gebet im Geiste. ..... Nun, der Geist hat keine Beugungen und Prostrationen, aber in der Form muss man diese Beugung und Prostration manifestieren. Denn es besteht eine Einheit zwischen Sinn und Form; solange die beiden nicht zusammenkommen, bringen sie keinen Nutzen, so, wie der Pfirsichkern, den du ohne Schale pflanzt, nicht wächst.

Kapitel 39:

So wie eine Geschichte (Mesnevi V 3077) von dem Mann, der auf einen Aprikosenbaum kletterte, die Früchte schüttelte und sie ass. Der Gartenbesitzer sah ihn und fragte: "Fürchtest du dich nicht vor Gott? Warum tust du so etwas Ungesetzliches? Der Mann sagte: "Warum sollte ich mich fürchten?" Der Baum gehört Gott, und ich bin Gottes Diener. Gottes Diener hat von Gottes Baum gegessen." Der Besitzer sagte: "Warte und sieh, bis ich dir eine Antwort gebe!" Er rief: "Bringt einen Strick, bindet ihn an diesen Baum und prügelt ihn!" Der Mann jammerte: "Fürchtest du dich nicht vor Gott?" Der Besitzer sagte: "Warum sollte ich mich fürchten? Du bist Gottes Diener, und dies ist Gottes Stock."

Kapitel 43:

Der Koran ist ein doppelseitiger Brokat. Einige geniessen die eine Seite, andere die andere. Beide sind wahr und richtig, da Gott der Erhabene wünscht, dass beide davon Nutzen ziehen. Ebenso hat eine Frau einen Ehemann und einen Säugling; jeder der beiden geniesst sie anders. Das Vergnügen des Kindes liegt in ihrer Brust und ihrer Milch, das Vergnügen des Mannes in Schlaf und Kuss und Umarmung. Manche Menschen sind Kinder auf dem Wege und Milchtrinker, die geniessen den äusseren Sinn des Korans. Aber diejenigen, die wahre Männer sind, kennen einen anderen Genuss und ein anderes Verständnis für die inneren Bedeutungen des Korans.

Du entdeckst dein Bild im Spiegel, doch dein Bild ist nicht im Spiegel - nur, wenn du in den Spiegel blickst, siehst du dich, wie du bist.

Kapitel 44:

Dieses Ritualgebet ist nicht deswegen angeordnet, dass du den ganzen Tag stehen und dich beugen und niederwerfen solltest; sein Zweck ist vielmehr, dass der geistige Zustand, der im Gebet sichtbar wird, immer bei dir sein sollte, ob im Schlaf oder Wachen, ob du liest oder schreibst - in allen Zuständen solltest du nicht ohne Gottgedenken sein, so dass du Sie verharren in ihren Gebeten (Sura 70:23) wirst. ..... Durch das Gedenken an Gott wird das Innere immer ein bisschen mehr erleuchtet, und du erreichst Loslösungen von dieser Welt. ..... Zum Beispiel in einer Dose ist etwas Moschus, und ihr Deckel ist eng; du steckst die Hand hinein, kannst aber den Moschus nicht herausholen. Trotzdem aber wird deine Hand durchduftet und deine Nase entzückt. Das Gedenken an Gott ist auch so - obgleich du Seine Essenz nicht erreichst, hinterlässt doch das Gedenken an Ihn - hocherhaben ist Er! - seine Spur an dir, und durch das Sein-Gedenken wird gewaltiger Nutzen erreicht. Der Prophet sagt: "Wer sucht und sich bemüht, wird finden, wer hartnäckig an eine Tür pocht, wird eingelassen".

Kapitel 48:

Befasse dich mit der Religion und der künftigen Welt, damit diese Welt hinter dir herlaufen möge.

Sässe Gott nicht bei ihm, die Sehnsucht nach Gott käme nie in sein Herz! Der Duft der Rose besteht nicht ohne die Rose, der Duft des Moschus nicht ohne den Moschus.

Der Prophet sagt: "Die Welt ist wie der Traum eines Schlafenden." Diese Welt und ihre Genüsse sind, als ob jemand etwas im Schlafe ässe. So ist der Wunsch nach weltlichen Dingen, als ob jemand im Schlaf etwas wünschte und es ihm gegeben würde. Wenn er am Ende wach wird, hat er keinen Nutzen von dem, was er im Schlaf gegessen hat. Er hat im Schlaf um etwas gebeten, und das ist ihm gegeben worden. Was man bekommt, entspricht dem, um das man bittet.

Kapitel 49:

Was gibt es, das Gott der Erhabene nicht besitzt und dessen bedürfte? Vor Gott muss man ein Herz, leuchtend und spiegelklar, bringen, damit Er Sein eigenes schönes Gesicht darin sehen kann. Der Prophet hat gesagt: "Gott blickt nicht auf eure Gestalten und nicht auf eure Werke, sondern Er schaut auf eure Herzen und Intentionen."

Aber wenn diese geistige Qualität da ist, aber kein äusserer Schmuck, das schadet nichts, nur der Herzenskern muss kultiviert sein. In jedem Zustand ist sein Herzenskern mit Gott beschäftigt, und jene äussere Beschäftigung hindert den Vollkommenen nicht an seiner inneren Beschäftigung. ..... Der Herzenskern muss kultiviert sein. Denn der Herzenskern ist wie die Wurzel eines Baumes; obgleich sie verborgen ist, ist ihre Wirkung an den Spitzen der Zweige sichtbar. Wenn ein Zweig gebogen und gebrochen ist, wird er wieder wachsen, wenn die Wurzel fest ist; aber wenn die Wurzel geschädigt ist, bleibt nicht Ast noch Blatt.

Kapitel 50:

..... und Gott der Erhabene spricht durch alle Zungen; aber ein Ohr, das Gott vernimmt, ist selten.

Die Welt der Phantasie ist geräumiger als die Welt der Vorstellungen und der sinnlich begreifbaren Dinge; denn alle Vorstellungen werden aus Phantasie geboren. Die Welt der Phantasie ist ebenfalls eng im Vergleich mit der Welt, aus der die Phantasie ins Sein tritt und Form annimmt. Vom Standpunkt der Rede aus kann man so viel verstehen, aber die Wirklichkeit der Welt der geistigen Qualitäten kann nicht durch Wort und Ausdruck verstanden werden.

..... Worte haben den Nutzen, dass sie sich das Gewünschte suchen lassen und dich anregen; nicht, dass das Ziel der Suche durch Worte erreicht werden könnte. Wäre das so, dann brauchte man nicht so viel Streben und Selbstvernichtung. Worte sind, als ob du etwas sich von ferne bewegen siehst, du rennst hinterher, um es zu sehen; nicht, dass du es vermittels der Bewegung siehst. Menschliche Sprache ist auch im Innern dasselbe; sie regt dich an, die geistigen Wahrheiten zu suchen, selbst wenn du sie nicht wirklich siehst.

..... Wenn das (die geistige Qualität im Menschen) durch Worte erkennbar wäre, dann wäre es nicht notwendig, sich selbst zu vernichten und so viele Mühen zu erdulden. Es ich notwendig, dich so viel zu bemühen, dass du nicht bestehen bleibst, damit du das, was bleiben wird, erkennst.

Worte regen Sucher zum Suchen an und Nachlässige zur Müdigkeit.

Kapitel 51:

Nun haben wir begriffen, dass Rede eine subtile Sonne ist, die ständig und ununterbrochen scheint; aber du bedarfst eines grobstofflichen Mediums, um die Strahlen dieser Sonne zu sehen und zu geniessen.

Der Mensch hat drei Zustände. Im ersten kümmert er sich überhaupt nicht um Gott, sonder betet alles an, Frauen und Männer, Reichtum und Kind, Stein und Lehm, und dient ihnen. Gott aber betet er nicht an. Nun, wenn er ein wenig Erkenntnis und Information erwirbt, dient er nur Gott, und wiederum, wenn er weiter schreitet in diesem Zustand, wird er still und sagt nicht: "Ich diene Gott", denn er hat diese beiden Stadien überschritten. Von solchen Menschen kommt kein Laut in die Welt. Gott ist weder gegenwärtig noch abwesend; denn Er ist der Schöpfer von beiden, nämlich von Gegenwart und Abwesenheit.

..... Das Ende von dem, was in dem Kapitel steht, kennt man nicht, und es zu kennen ist keine Bedingung; .....

Kapitel 52:

So wissen wir absolut, dass der Schöpfer aller Akte Gott ist, nicht der Mensch. Jede Handlung, die von einem Menschen ausgeht, sei sie gut oder böse, unternimmt er mit einer Absicht und mit einem Vorsatz; aber der wahre Sinn dieser Handlungen ist nicht so beschränkt, wie er es sich vorstellt. Sinn und Weisheit und Vorteil, die er in der Handlung zeigt, bestehen nur darin, dass diese Handlung von ihm ins Sein tritt. Aber den vollen Nutzen dieser Handlung kennt nur Gott: welche Früchte er davon ernten wird. Zum Beispiel, du verrichtest das Gebet mit der Absicht, im Jenseits belohnt zu werden und einen guten Ruf und Sicherheit in dieser Welt zu erhalten. Aber der Vorteil dieses Gebetes wird nicht nur dies sein; es wird hunderttausend Vorteile hervorbringen, die du dir gar nicht vorstellen kannst. Diese Vorteile kennt nur Gott, der den Menschen zu dieser Handlung bewegt.

..... Das Menschliche Wesen ist wie ein Abfallhaufen, ein Haufen von Mist. Aber wenn dieser Misthaufen überhaupt wertvoll ist, dann, weil in ihm der Siegelring des Königs liegt.

Kapitel 54:

Dieses Haus dieser Welt wurde aus Vergesslichkeit erbaut, und alle Körper und die ganze Welt sind basiert auf Vergesslichkeit. Dieser Körper auch ist aus Vergesslichkeit gewachsen. Vergesslichkeit ist Unglaube, und Glaube besteht nicht, ohne dass Unglaube besteht; denn Glaube ist das Aufgeben des Unglaubens. Deshalb muss es Unglauben geben, den man aufgeben kann. So sind beide ein und dasselbe, da das eine nicht ohne das andere existiert und jenes nicht ohne dieses. Sie sind untrennbar und unteilbar; ihr Schöpfer ist einer; denn wäre ihr Schöpfer nicht einer, so wären sie teilbar. Denn jeder hätte etwas anderes geschaffen, also wären sie teilbar. Nun, da der Schöpfer einer ist, ist es so: Er allein und Er hat keinen Partner.

Kapitel 57:

..... Denn Gott ist der, der keinen Ort hat. ..... Schliesslich ist der Schöpfer der Gedanken subtiler als die Gedanken. Zum Beispiel der Baumeister, der ein Haus gebaut hat, der ist schliesslich subtiler als dieses Haus, denn dieser Bauherr kann hundert andere solche Gebäude planen und machen, deren jedes vom andern verschieden ist. Deshalb ist er subtiler und edler als irgendein Gebäude, aber diese Subtilität kann nur vermittels eines Hauses gesehen werden, durch ein Werk. das in die Sinnenwelt kommt, damit diese seine Subtilität ihre Schönheit zeige.

Wenn alles Wissen insgesamt in einem Menschen wäre und es gäbe gar keine Unwissenheit, dann würde dieser Mensch verbrannt und würde nicht mehr bestehen: Deshalb ist Unwissenheit wünschenswert, da dadurch das Leben weitergeht, und Wissen ist auch wünschenswert, weil es ein Mittel zur Erkenntnis Gottes ist. So sind alle beide Freunde und sind auch Gegensätze. Obgleich die Nacht der Gegensatz zum Tage ist, ist sie doch Freund des Tages, und beide tun das gleiche Werk. Wenn es immer Nacht wäre, würde nichts erreicht und nichts entstände; wenn es immer Tag wäre, würden Augen und Kopf und Gehirn verwirrt sein und verrückt werden und nicht mehr funktionieren. .....

So erscheinen alle Dinge im Hinblick auf uns als Gegensätze, aber im Hinblick auf den Weisen tun sie alle dasselbe und sind keine Gegensätze.

Kapitel 59:

Es ist Pflicht der Propheten, die Macht Gottes zu manifestieren und die Menschen durch Predigen zu erwecken; aber es ist nicht seine Pflicht, jemand zu dem Standort zu bringen, wo er bereit ist (diese Wahrheit aufzunehmen). Das ist Gottes Werk. Gott hat zwei Attribute, Zorn und Güte. Die Propheten sind die Erscheinungsorte beider; für den Gläubigen sind sie ein Schauplatz für Gottes Barmherzigkeit, für die Ungläubigen ein Erscheinungsort für Gottes Zorn.

Jene, die [Gott] anerkennen, sehen sich selbst in den Propheten und hören ihre eigene Stimme von ihnen kommen und entdecken ihren eigenen Duft in ihnen.

Kapitel 63:

Der Koran ist wie eine Braut, die dir nicht ihr Gesicht zeigt, solange du ihr den Schleier wegziehst. Dass du den Koran untersuchst und doch nicht Glück und Enthüllung erreichst, ist, weil du am Schleier gezogen hast; da hat er euch zurückgewiesen und dich überlistet, so dass sich die Braut hässlich gezeigt hat, d.h.: "Ich bin nicht dieses hübsche Liebchen!" Der Koran ist fähig, sich in jeder Form zu zeigen, die er will. Wenn du jedoch den Schleier nicht wegziehst und nur sein Wohlgefallen suchst, hinter ihm herläufst, sein Feld bewässerst und ihm von ferne dienst, dann zeigt er dir sein Gesicht, ohne dass du den Schleier wegziehst.

Gott spricht nicht zu jedem, genau wie die Könige dieser Welt nicht zu jedem Strassenkehrer oder jedem Weber sprechen würden; sie haben einen Minister und einen Vertreter eingesetzt, um ihnen den Weg zum König zu zeigen. Gott der Erhabene spricht auch nicht zu jedem; Er hat einen Diener erwählt, so dass, wer immer etwas verlangt, das bei diesem findet. Deswegen sind alle Propheten gekommen, und es gibt keine anderen Führer. Statthalter Gottes sind diese Propheten.

Kapitel 66:

Denn für die Triebseele gibt es keine schwierigere Bemühung als mit rechtschaffenen, gesetzestreuen Freunden zusammenzusitzen; denn schon ihr Anblick bewirkt das Zerschmelzen und die Vernichtung der Triebseele.