Mevlana und das Fasten (Hayat Nur Artıran, August 2005)

Halte dich am Seil des Erbarmens fest, das während des Ramadan herabgesandt wird, und befreie dich aus dem Gefängnis, aus dem Grab deines Körpers!

Was ist das Fasten? Fasten ist eine göttliche Einladung des Himmels zum verborgenen und unsichtbaren Essen. Nimm dieses Fasten wie einen Korb in die Hand und bettle auf dem Weg Gottes, damit Gott dir deinen Lebensunterhalt schenkt. Das Wasser des Lebens macht die Unglücklichen, deren Herzen brennen, glücklich. Dieses Fasten ist wie ein Krug, gib darauf Acht, ihn nicht zu zerbrechen!

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Ich sehe die Liebe als eine Burg, die den Menschen von allen Schwierigkeiten und Heimsuchungen schützt.

Ich sehe die Liebe als eine Burg, die den Menschen von allen Schwierigkeiten und Heimsuchungen schützt.

 

Ich habe dein Gesicht, das dem Frühling gleicht, gesehen. Und habe bemerkt, dass die Rose deine Schönheit gesehen- und sich über ihre eigene Schönheit geschämt hat.

Du bist gekommen und hast dich in meinem Herzen niedergelassen, hast darüber bestimmt; deshalb habe ich mein Herz deinetwegen in einem unentschlossenen Zustand vorgefunden.

Seit ich deine schlaftrunkenen Narzissenaugen gesehen habe, bin ich selber, wie die Narzisse, ganz zum Auge geworden.

Ich sehe die Liebe als eine Burg, die den Menschen von allen Schwierigkeiten und Heimsuchungen schützt und bewahrt; deshalb gehe ich zur Liebe, deshalb suche ich Zuflucht bei der Liebe.

Ich habe auf allen weltlichen Besitzt und auf das weltliche Vergnügen verzichtet und habe nur deine Liebe ausgewählt.

Du bist die Seele der Welt. All die tausenden Existenzen, die im Universum ersichtlich sind,

all das Hab und Gut – alles, alles hast du erschaffen. In ihrer Vielzahl habe ich sie getrennt gesehen. Tatsächlich sind sie aber Eins – es sind deine Werke.

Warum sollte ich in unserer Stadt einen Geliebten suchen? Ich habe die Freundschaft des Sultans der Sultane erreicht.

 

Hz. Mevlana, Divan-i Kebir

Band II, Gedicht Nr. 772

Firuzanfer, Band III, Gedicht Nr. 1548

Übersetzung ins Türkische von Şefik Can

Wenn ich das Gesicht des Geliebten nicht sähe, fiele ein Feuer – wie die Tulpe – in mein Herz, und ich würde schwarz werden und verbrennen

Wenn ich das Gesicht des Geliebten nicht sähe, fiele ein Feuer – wie die Tulpe – in mein Herz, und ich würde schwarz werden und verbrennen

 

Hast du nicht „Ich werde von der Qual durch diesen quälenden Geliebten nicht gekränkt; mit seiner Liebe kann ich die ganze Welt drunter und drüber bringen!“ gesagt?

Hast du nicht seine Hand ganz fest gehalten und „Für diese Seele, für dieses Herz, kann ich mein Leben, mein Herz opfern!“ gesagt, und hast du nicht dein Wort gegeben und einen Bund geschlossen?

Oh Licht meines Auges! Wenn ich das Licht deines Auges bin, betrachte mich nicht als fern von dir, hebe deinen Kopf und schau nach oben – ich bin am Fenster!

Oh mein Retter! Tauche ein in die Freude, du bist der Hz. Jesus dieser Zeit! Zwar bin ich wie die Nadel, kann überall rein, doch du, reck dein Kopf aus dem Fenster und schau nach unten!

Es wird gesagt: „Am Tag der Auferstehung wird es ein Feuer und ein Rauch der Liebe geben!“ Eben du bist das Licht dieses Feuers, der Rauch bin ich!

Wenn ich das Gesicht des Geliebten, das Hunderten von Rosengarten im Frühling gleicht, nicht sähe, fiele ein Feuer – wie die Tulpe – in mein Herz, und ich würde schwarz werden und verbrennen. Ich hätte Hunderte von Zeugen, die ich – wie die Schwertlilie – zu beklagen hätte.

Oh geistiger Sultan Shemseddin aus Tebriz! Dir möge ich als einziger Verliebter genügen. An den Versammlungstagen möge ich wie die Kerze verbrennen und den Versammlungsrat erleuchten. Und am Tag des Krieges mit den Nafs möge ich wie das Eisen standhalten.

 

Hz. Mevlana, Divan-i Kebir

Band II, Gedicht Nr. 791

Firuzanfer, Band III, Gedicht Nr. 1592

Übersetzung ins Türkische von Şefik Can

Licht über Licht

Licht über Licht (Januar 2015 in München)

(Referat von Peter Hüseyin Cunz) 

 

Licht wird in allen Religionen als Symbol für Gott und Seine Kräfte verwendet, sowie für die bildliche Darstellung von Gegensätzen zwischen Wünschbarem (Licht) und Verwerflichem (Dunkelheit). Auch in der Dichtung der Sufis wird das Licht in allen Variationen verwendet, vom unerschaffenen Licht Gottes bis hin zur Philosophie der Erleuchtung Umar Suhrawardis, dem offiziellen Sufi-Meister von Bagdad im 13. Jahrhundert. Das Thema ist umfangreich, und folglich konzentriere ich mich auf einzelne Bilder über das Licht bei den Sufis, die mir besonders interessant und lehrreich scheinen.

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Traces of Hz. Mevlana Jalal al-din Rumi in Europe (Dez 2007)

Peter Hüseyin Cunz, President of the International Mevlana Foundation in Switzerland
International Conference, 13. – 15. December 2007, Selçuk University, Konya

 

 

There are two types of traces of Hz. Mevlana in Europe. One is the academic work produced by elder scholars such as Reynold A. Nicholson, Eva de Vitray Meyerovitch, Annemarie Schimmel and Johann Christoph Bürgel, but unfortunately very few known academic works from younger scholars of European universities are to be found. The other trace – prominent but difficult to measure and evaluate – is the substance of what remains in the hearts of individuals that have been in touch with the message of Hz. Mevlana.

 

The academic traces are characterized by a scientific or philosophical approach with a high degree of objectivity and a choice of expression that is easy to be communicated on an international level, such as in this conference. In contrast to this the expression of a touched heart is subjective and often emotional, is expressed in a metaphorical language and is influenced by patterns originating from education and personal experience. In both cases the expression will be guided by the cultural and social setting of the concerned person. Since culturally and socially there are remarkable differences between Orient and Occident, these differences reflect in the way of expression – be it scientific or emotional.

 

Differences have to be understood on both sides. Considering that the cultural flow is much stronger from the Occident to the Orient than vice versa, it is only obvious that oriental people find it easier to acquire an understanding of western mentality than vice versa. Westerners who thoroughly understand oriental values and mentalities are scarce. This fact is of particular relevance when spiritual requirements and work become involved, such as those practised in the Mevlevi Tariqah. In Europe we are confronted with these differences, for in the Mevlevi Tariqahs of Germany, the Netherlands and Switzerland, both, western and oriental persons come together to learn and deepen a common understanding of Hz. Mevlana’s teachings.

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The Mevlevi Order in a European Context (Mai 2007)

UNESCO-Conference, Istanbul, 9th May 2007

 

I would like to start by affirming the existence of the authentic Mevlevi Order (or Tariqah) with worldwide activities, and I would like to present some thoughts based on my personal experience as one of the appointed teachers (Shaykh) within the Mevlevi Order.

 

Known as a powerful and much respected organisation during the Ottoman Empire, the Mevlevi Tariqah’s profile changed with the confinement of all Tekkes and Zawiyahs by law in 1925 during the establishment of modern Turkey and the loss of all assets as a consequence. Today the true kernel of the Mevlevi Tariqah as a religious path is relatively small and spread all over the world. In Turkey its expression is mainly seen in well-esteemed cultural activities such as classical music, Sema, fine arts and philosophical circles, whereas in Europe and North America it serves directly and openly a religious or spiritual purpose. In my speech I’d like to concentrate on the religious value of Hz. Mevlana’s works and messages, as seen from a western and particularly European point of view and in a European context.

 

When analyzing the spiritual needs of people we are immediately confronted with cultural and social questions, for it is the cultural and social environment that mostly influences the psychological patterns of an individual. Culturally and socially there are remarkable differences between Orient and Occident, and these differences reflect in the way we react to and reflect on religious messages. Whereas many oriental people have an understanding of the western way of thinking and feeling, the opposite is less obvious: there are very few Westerners who really understand the oriental way of reflection and feeling. I find it much easier to discuss with oriental people about western values than to discuss with Westerners about oriental values, and I feel a lot of esteem for those few who see clearly in both worlds, such as the great philosopher Mohammad Iqbal.

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Mesnevi

Das Mesnevi ist ein Werk aus etwa 26’000 Versen, zusammengefasst in 6 Büchern. Es ist das eigentliche Lehrwerk, das Mevlana Celaleddin Rumi den weiteren Generationen überlassen wollte. Der Mesnevi-Gelehrte (Mesnevihan) Scheich Şefik Can Efendi beschreibt dessen Entstehen mit folgenden Worten: 

Eines Abends, als Hüsameddin Celebi seinen Scheich Mevlana allein vorfand, bat er ihn um die Lektüren von Sena, Attar und anderen, damit sich die Derwische, welche sich auf den mystischen Pfad begeben hatten, an diesen Geschichten orientieren könnten. Mevlana rezitierte auf diese Bitte hin sogleich die berühmten achtzehn Verse, deren erster folgender berühmter Vierzeiler ist:

 

Hör auf die Flöte, was sie erzählt,
Und wie sie klagt, über Trennung und spricht. …..
Sie sucht ein Herz, von Einsamkeit gequält,
Um vom Schmerz der Sehnsucht zu erzählen. …..

 

Mevlana sprach: „Wenn du schreibst, Celebi, werde ich diktieren.“

Nachdem sie sich einmal entschieden hatten, waren sie Tag und Nacht unentwegt mit dem Schreiben des Mesnevi beschäftigt. Besonders in der Stille der Nacht, wenn alle schliefen, wurde Mevlana inspiriert und Hüsameddin schrieb es nieder, was seinem geliebten Meister zugeteilt worden war. Es war so, als hätte der Allmächtige Hüsameddin Celebi eigens für das Schreiben dieses gesegneten Werkes geschaffen! Und Mevlana war bereit, dieses zu diktieren und Vers um Vers zu rezitieren. So entstand nach und nach dieses wunderschöne, unvergleichliche Werk aus sechs Bänden. 

 

Das Mesnevi, direkt aus dem Persischen ins Deutsche übersetzt von der Übersetzergemeinschaft Bernhard Meyer, Kaveh und Jilla Dalir Azar, ist im Buchmarkt erhältlich:

Moulana Galal ad-Din Rumi: „Das Matnavi“
Edition Shershir, Dr. Peter Finckh, www.shershir.ch 
ISBN 3-9802992-6-0

Mystik im Aufwind? (Mai 2013)

Aufsatz für Via Cordis Forum zum Thema des internationalen Forums

Von Peter Hüseyin Cunz, Mai 2013

 

Mystik im Aufwind – wirklich? Ist das eine überprüfbare Feststellung? Oder ein Gefühl verknüpft mit einer Hoffnung? Ende Mai wird ein Symposium von Via Cordis diesem Thema gewidmet sein.

 

Die Physik lehrt uns, dass das Ergebnis einer Messung vom Messenden beeinflusst wird. So stelle ich die Frage: Wer kann objektiv vom Aufwind in der Mystik sprechen? Dass in der Umgebung von Via Cordis ein Gefühl des Aufwindes zu spüren ist, weiss ich aus eigener Erfahrung. Wenn ich aber in die Welt hinausschaue, bin ich mir nicht so sicher.

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Impressum

Für den Inhalt verantwortlich:

Schweizer Zweig der Internationalen Mevlana Stiftung mit Sitz in Istanbul
Peter H. Cunz, CH-3116 Mühledorf

 

Die Besitzer dieser Webseite verfolgen keine kommerziellen Interessen. Sämtliche Inhalte dienen einzig der Verbreitung der Botschaft Rumis sowie als persönliches Arbeitsinstrument für Menschen auf dem Sufipfad und anderen Wegen der Mystik.

 

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Was unsere eigenen Texte anbelangt, setzen wir bewusst keine Copyright-Schranken. Doch wer Inhalte aus unserer Webseite verwendet, darf darin enthaltene Zitate aus anderen Quellen weder veröffentlichen noch sonst wie weiter verbreiten, ohne eine Genehmigung der Personen und Organe im Besitze von Urheberrechten.

Wir verwenden Zitate aus dem Mesnevi, dessen Urheberrechte bei  der Übersetzergemeinschaft Bernhard Meyer, Kaveh und Jilla Dalir Azar sind.  Die Bücher, welche die Zitate enthalten, sind auf dem Markt erhältlich (Rumi „Das Matnavi“, Edition Shershir, Dr. Peter Finckh).

Koranzitate sind aus der Übersetzung von Max Henning entnommen.

 

 

Internationale Mevlana Stiftung Schweiz

„Allein ist der Mensch nichts. Wenn wir alle zusammen kommen, werden wir erst zu einem Menschen. Los, lass uns zusammen kommen, um Mensch zu werden!“ Es ist Mevlana Celaleddin RUMI, der uns dazu auffordert. Sein Wirken und seine inspirierten und inspirierenden Schriften sind das Fundament des im 14. Jahrhundert entstandenen Ordens der Mevlevi. Sie sind hier auf der Webseite des Schweizer Zweiges dieses Ordens. Die Hauptsprache ist Deutsch, doch unseren Freunden in anderen Sprachräumen und ohne eigene Webseite bieten wir auch Platz an. Zu verwandten Webseiten haben wir einen Link geschaltet. Möge unser Wirken ein Dienst an diese Welt sein dürfen, zum Wohl der Menschen, die dem eigentlichen Zweck ihres Daseins nachgehen möchten. Mögen wir dies im Schutze und Lichte unseres Pirs Hazreti Mevlana tun, und mögen wir dabei Gottes Schutz erfahren!

Mausoleum von Mevlana in Konya
Mausoleum von Mevlana in Konya
Sema in Zürich mit Sheik Peter Cunz und Derwischen
Sema in Zürich, das Drehritual der Mevlevi