Die Klugen und die Verliebten

Die Klugen und die Verliebten

 

Der Gescheite ist bestrebt, sich zu profilieren, auf dass alle ihn kennen und lieben! Der Gottverliebte hingegen möchte sich immer verlieren, wünscht, verrückt zu werden!

Die Gescheiten möchten sich nicht in das Meer der Liebe versenken, weil sie sich selber lieben! Die Verliebten jedoch haben keine andere Sorge, als sich in das Meer der Liebe zu versenken und unterzugehen!

Die Gescheiten finden Gemütlichkeit in der Gemütlichkeit; die Verliebten jedoch schämen sich, wenn es für sie gemütlich wird!

Der Verliebte ist, wo immer er auch ist, von allen fern und geistig stets mit dem Geliebten zusammen; mitten im Volk zu sein und doch vom Volk getrennt, ist, wie das Beisammensein von Olivenöl und Wasser!

Dem Verliebten Ratschläge zu geben ist nichts anderes, als sich gegenüber der Liebe lächerlich zu machen!

Die Liebe duftet wie Moschus, deshalb kann sie nicht verborgen bleiben, sondern zeigt sich offensichtlich!

Die Liebe ist wie ein Baum und die Verliebten sind wie die Schatten des Baumes! Auch wenn der Schatten vom Baum weit entfernt ist, ist es trotzdem für ihn angebracht, dort zu bleiben!

Wenn ein Kind im Kindesalter klug wird und sich wie ein Kluger verhält, dann gilt dieses Kind als altklug; wenn ein Alter sich verliebt und in den Zustand der Liebe erhöht wird, wird er zum Jüngling!

Oh Shems aus Tebriz! Derjenige, der sich deiner Liebe gengenüber erniedrigt, wird wie deine Liebe erhöht, geehrt!

 

Hz. Mevlana, Divan-i Kebir

Band III, Gedicht Nr. 963

Firuzanfer, Band IV, Gedicht Nr. 1957

Übersetzung ins Türkische von Şefik Can