Vom unsichtbaren Wein, der vom schwarzen Weinschenken der Nacht eingeschenkt wird, sind die Menschen trunken.

Vom unsichtbaren Wein, der vom schwarzen Weinschenken der Nacht eingeschenkt wird, sind die Menschen trunken.

 

  • Oh schönes Wesen! Bring das Weinglas und schenk uns ununterbrochen, ohne auszuruhen Wein ein! Der Rat hat sich versammelt, die Harfe ist gestimmt, die Instrumente spielen und klagen.
  • Doch dieser Rat ist nicht der Rat derer, die Traubenwein trinken. Dieser Rat ist der Rat der Seelen, und unser Weinschenke ist der Weinschenke vom Jenseits; die Ratsversammelten nehmen den Geruch des Jenseits war, doch sie sehen keine Farben.
  • Komm du zu diesem Rat und schaue in einem einzigen Blutstropfen die Wüste des Herzens! Dieser Ort – eine immense Wüste ohne Ende.
  • Schenk den Trunkenen Gottverliebten ununterbrochen Wein ein! Denn dort gibt es kein Gezänk, dort gibt es Liebe.
  • An der Ratsversammlung im Jenseits, am Tag des Alast, zeigte Gott ihnen einen solchen Liebeswein; so dass sie es als Schande empfanden, als Sünde bezeichneten, den Wein dieser Weltensonne, d.h. den Traubenwein, in die Hand zu nehmen.
  • Du sagst: „Wer hat schon den Wein gesehen, der ohne Hände, ohne Glas offeriert wird? Gibt es denn so einen Wein?“
  • Denk du mal mitten in der Nacht nach, beobachte und schaue! Vom unsichtbaren Wein, der vom schwarzen Weinschenken der Nacht eingeschenkt wird, sind die Menschen trunken, berauscht und haben sich in ihren Betten ausgebreitet.

 

Hz. Mevlana, Divan-i Kebir

Band II, Gedicht Nr. 644

Firuzanfer, Band III, Gedicht Nr. 1330

Übersetzung ins Türkische von Şefik Can