Wenn du in den Herzensgarten eintrittst, wirst du schöne Düfte erlangen

  Wenn du in den Herzensgarten eintrittst, wirst du schöne Düfte erlangen

 

Wenn du in den Herzensgarten eintrittst, wirst du schöne Düfte erlangen; du wirst in Richtung Himmel die Flügel öffnen und Engeln gleich ein Gesicht wie der Mond erlangen und Licht ausstrahlen.

 

Wenn die Liebe dich wie das Öl der Kerze verbrennt – wie gut ist das für dich! Mit diesem Verbrennen wirst du für diejenigen, die um dich sind, nützlich sein: du wirst deren Dunkelheiten erhellen! Wenn du des Kummers und des Leidens wegen, das die Liebe dir zufügt, abnimmst und dünn wie ein Haar wirst, dann wirst du der Führer des Rates der Verliebten!

 

Die Liebe wird dich Vieles gewinnen lassen: du wirst dich von dieser vergänglichen Erde, von dieser räumlichen Welt befreien und in die andere, raumlose Welt eingehen! Das Wichtigste ist, du wirst dich vom Körper, der dich auf dem Weg der Liebe hindert und dich zu den niederen Trieben zieht, von deinem materiellen Wesen trennen und in dir selbst dein eigentliches Wesen finden, dich mit diesem auf den Weg Gottes begeben und voranschreiten – so wie das Wasser im Bach, das ohne Träger und Füsse gehen kann.

Du wirst jeden Schmerz versüssen, jeder Ferne Nähe bringen! Mit deiner Liebe und mit deinem Menschsein neun Etappen über den Himmel steigen! Weil du dich von dir befreit hast, wird dein materielles Wesen dir kein Hindernis mehr für das Licht sein!

 

Du wirst die Lust und die Wünsche der niederen Triebe in dir wegwerfen, ganz leer wirst du werden und ohne zu atmen lebendig bleiben! Wenn du in das Meer des Yâ Hû eintauchst, kannst du nicht mehr Yâ Hû sagen!

 

Du wirst für jedes Haus ein Fenster sein; das heisst, ins Herz derjenigen, die sich auf den Weg Gottes begeben haben, wird Licht von dir ausstrahlen, weil du Weisheit erlangt hast! Mit dir wird jeder Garten ein Rosengarten und sich vom Ego befreien. Wenn du dein Wesen zu Nichte machst, wirst du, ohne mit Mir zu sein, Mich sein!

 

Weil du die echte Erleuchtung erlangt hast, möchtest du kein Erleuchten mehr! Du kümmerst dich gar nicht mehr um dich selbst. Wie ein König gibst du den Armen und den Obdachlosen Essen und Trinken; das heisst, die geistig Armen erleuchtest du mit deinem Licht! Obwohl du um dich geistiges Licht verströmst, versteckst du dich wie der Mond hinter den Wolken und suchst Dunkelheit!

 

Du möchtest kein Leben, du verschenkst Leben; für jeden Kummer findest du die Lösung! Weil du dich von dir befreit hast, suchst du nicht Heilung für deine Wunde, du selbst bist Heilung für alle anderen!         

 

Hz. Mevlana, Divan-i Kebir

Band III, Gedicht Nr. 1366

 

Firuzanfer, Band V, Gedicht Nr. 2444

 

Übersetzung ins Türkische von Şefik Can