Die Seele gleicht dem Fenster, das Körperhaus wird durch sie beleuchtet.

  • Ich rief aus: „Wohin geht die trunkene Seele?“ Der Sultan der Sultane sagte: „Sei still, sie kommt zu uns“.
  • Mein Sultan sagte, bist denn du nicht mit mir zusammen? Ich höre deine Stimme ohne Worte und ohne Klang in meinem Innern. Wenn es denn so ist, wo hinaus will meine verwirrte Seele?
  • Er sagte: „Das, was du als Seele bezeichnest, gehört uns, ist unser Eigentum. Es ist das Lied unseres Heldenepos. Sie geht, um mit denen zu kämpfen, die eine falsche Vorstellung über den Weg Gottes haben.
  • Wohin sie auch hingeht, dort geht auch das Glück hin. Sag nicht ‚welche Richtung denn?‘; sie geht dorthin, wo sie hin will.
  • Manchmal füllt sie mit ihrem wie die Sonne gesegneten Licht den Weltschatz. Manchmal steigt sie wie das Gebet des Hz. Propheten in den Himmel hinauf.
  • Manchmal schenkt sie durch ihren Wolkenbusen der Erde die Milch der Wohltätigkeit, der Gnade und der Güte. Und manchmal weht die Seele im Rosengarten wie die Morgenbrise und verströmt schöne Düfte in die Umgebung.
  • Folge auch du der Spur der Seele, gehe dorthin, wo sie hingeht. Geh, damit du siehst wie das Gras und wie die Blumen aus der schwarzen Erde wachsen, geh und sieh wie die Brunnen der Treue ununterbrochen fliessen.
  • Das, was der Welt Form, Gestalt, Aussehen und Schönheiten schenkt, ist schlicht, formlos und gestaltlos. Jedermanns Hände und Füsse ist sie, doch selbst geht sie ohne Hände und Füsse.
  • Auch wenn sie etwas Falsches macht, ist ihr Falsches das richtigste des Richtigen. Auch wenn sie dem Kummer entgegen geht und Kummer auf uns regnen lässt, ist das, was sie tut, das treuste des Treuen.
  • Die Seele gleicht dem Fenster. Das Körperhaus wird durch sie beleuchtet. Dieser Körper geht jeden Tag dem Grab, dem Nichts entgegen. Die Seele jedoch geht der Unsterblichkeit voran.
  • Die Seele ist was Eigenartiges! Sie geht ganz alleine, doch auf der einen Seite bricht Streit aus und sie lässt das Blut der Sultane fliessen, auf der anderen Seite liebt sie den Frieden und kommt mit jedem aus, wird jedermanns Freund.“
  • Der Geliebte hat mit meiner Seele ein unendliches Abenteuer. Eines, das nicht mal versteckt und verborgen ist! Nun schau, es ist gerade hier – das, was vor euch gehend in meinem Schattenwesen vorborgen ist, ist meine Seele. 

 

Hz. Mevlana, Divan-i Kebir

Band 1, Gedicht Nr. 282

Firuzanfer, Band 2, Gedicht Nr. 898

Übersetzung ins Türkische von Şefik Can

 

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