Wenn der Geliebte in dein Herz kommen würde, würdest du Ihn dann erkennen?

  • Wenn diese beispiellose Schönheit, deren Gesicht so strahlt wie der Mond, zu dir ins Herz kommen würde, würdest du ihn wohl erkennen? Wenn du fragst „Wie soll er ins Herzen kommen?“, dann sage ich: „Er wird zu einem Zeitpunkt kommen, zu dem du ihn nicht erhofft hast, von einem Ort, von dem du ihn nicht erwartet hast.“
  • Wenn du sagst „Ich werde ihn erkennen, sobald ich ihn sehe“, dann hast du ein grosses Wort gesagt. Denn niemand ist fähig, ihn zu erkennen. Falls du jedoch sagen würdest „Wie soll ich ihn erkennen?“, dann wirst du ein Ungläubiger. Denn ihn nicht zu kennen und nicht zu erkennen ist Unglaube.
  • So sagen die Menschen ständig „Ich kenne Ihn“ und „Ich kenne Ihn nicht“, und drehen sich ständig nach ihren Meinungen um. So wie das Maultier, das keinen Laut von sich gibt und mit geschlossenen Augen umherirrt.
  • Ob du willst oder nicht willst, dreh dich auch! Stell dich ja nicht dagegen, sei nicht stur auf dem Weg des Schicksals! Denn du bist sowieso gebunden, sowieso in seiner Hand, sowieso Sein Diener.
  • Wegen der Blindheit des Verkäufers, wegen dem Neid des Sklavenhalters hat ein Blinder Josef für achtzehn Goldstücke gekauft.
  • Du gehörst auch zu den Josefs, die in den Körperbrunnen gefallen sind. Hier ist das Seil; halte dich daran fest und komm da raus! Wenn du aus der Tür des Körpers herauskommst, dann wirst du dich auf dieser Welt von Kummer und Schmerzen befreien.
  • Oh Nafs Mutma’inne, nimm die Eigenschaften Gottes an! Die unschätzbaren Kleider liegen gerade hier! Wie lange willst du noch diesen zerrissenen, zerlumpten Umhang tragen?

 

Hz. Mevlana, Divan-i Kebir

Band 3, Gedicht Nr. 1239

Firuzanfer, Band 6, Gedicht Nr. 2938

Übersetzung ins Türkische von Şefik Can