Woher willst du wissen, mit welchem Sultan ich im Herzen zusammen bin.

  • Woher willst du wissen, mit was für einem Sultan ich in meiner Innenwelt zusammensitze? Achte nicht auf mein bleiches Gesicht, ich habe kräftige Füsse wie aus Eisen!
  • Ich habe mein Gesicht vollkommen dem Sultan gewidmet, der mich erschaffen und auf diese Welt gebracht hat. Weil Er mich erschaffen hat, bin ich Ihm zu tausendfachem Dank verpflichtet!
  • Manchmal gleiche ich der Sonne und manchmal dem Meer voller Perlen. Auch wenn ich wie ein wertloses, aus Erde erschaffenes Wesen aussehe, bin ich meines Inneren wegen doch das ehrenvollste und heiligste Wesen.
  • In diesem Weltwürfel surre ich wie eine Biene. Doch sieh du nicht nur dieses Jammern – ich habe auch einen Bienenstock voller Honig!
  • Wie mächtig ist dieses Wasser, das die Mühle dreht! Doch ich bin das Mühlrad dieses Wassers. Ich drehe mich über diesem Wasser in süssem, schönem Stöhnen.
  • Jedes meiner Atome ist offen, warum sollte ich verwelken und in Elend verweilen? Der Burak unter mir ist gesattelt und wartet. Warum sollte ich ein Sklave des Esels sein? Meinen Fuss hat doch kein Skorpion gestochen, warum sollte ich hinter dem Mond her zurückbleiben? Vor mir ist ein sicheres Seil, warum sollte ich nicht aus diesem Brunnen herauskommen?
  • Ich habe die Seelen-Tauben geführt und ihnen den Weg gezeigt. Oh mein Seelenvogel, flieg, ich habe hunderte von sichereren Türmen als diese!
  • Auch wenn ich gegen die Häuser aufschlage und falle, bin ich doch das Licht der geistigen Sonne. Aus Erde und Wasser erschaffen bin ich. Meine Mutter ist Lehm. Doch ich bin Achat, Gold, Rubin!
  • Wenn du irgendeine Perle siehst, dann suche im Inneren dieser Perle eine weitere Perle! Denn jedes Atom sagt ununterbrochen: „In meinem Inneren ist ein Schatz verborgen!“
  • Jede Perle sagt dir: „Begnüge dich nicht mit meiner Schönheit; dieses Gotteslicht auf meiner Stirn kommt von dem Licht, das in mir brennt.“
  • Ich sage nichts mehr. Dir fehlt der Verstand die Wahrheit zu verstehen! Zeige nicht auf dein Ohr und sag „Ich habe ein Herzensauge, das sieht und versteht“, denn so machst du dir nur was vor.


Hz. Mevlana, Divan-i Kebir
Band 2, Gedicht Nr. 817
Firuzanfer, Band 3, Gedicht Nr. 1426
Übersetzung ins Türkische von Şefik Can