Frag nicht mich, was ich aus Kummer um den Geliebten erleiden muss. Leg deine Hand auf mein Herz, damit es dir erzählt.

  • Frag nicht mich, was ich aus Kummer um den Geliebten erleiden muss. Leg deine Hand auf mein Herz, damit es dir erzählt! Schau in meine Augen, frag mich nicht nach Wein und Weinbecher!
  • Die Liebe ist gleichsam mit der Armee gekommen und hat die Seelenwelt erobert. Frag von nun an nicht mehr mich, den Armseligen, nach meinem Zustand, frag die Liebe!
  • Wegen dem Geliebten zappeln die Herzen der Verliebten wie das Herz eines Vogels. Frag die geistigen, verborgenen Worte, die den Verliebten gehören und niemand anderem, als denen mit zappelnden Herzen!
  • Was ist das Besondere eines Vogels, der vom Fenster wegfliegt? Ist es nicht das Fliegen? Falls du wie ein Vogel bist, öffne deine Flügel und flieg! Frag nicht „Wo ist die Tür?“; was nützt dir die Tür?
  • Der Vater und die Mutter der Verliebten sind ihre Liebe. Deshalb erzähl nicht so viel über den Vater und frag nicht so oft nach der Mutter!
  • Die Herzen der Verliebten sind wie ein heisser Ofen aus Ton in der Erde. Wenn du beim Ofen angekommen bist, frag nichts anderes mehr!
  • Wenn dein Herzensvogel in das Feuer des Ofens verliebt ist, dann ziemt es sich, dass deine Flügel wie die des Nachtschmetterlings verbrennen – es ist schön. Frag danach nicht mehr nach den Flügeln!
  • Wenn der Geliebte und du, wenn ihr beide ein Kopf geworden seid und wenn eure getrennten Körper ein Körper geworden ist, dann macht keinen Schritt zurück und fragt nicht nach jenem Kopf!
  • Mit welcher Erde sind die Ohren und die Augen des Menschen gefüllt? Die Schatzkammer, die du ständig suchst, die Perle, die unverzichtbar von dir gefunden werden soll, frag nach ihnen nicht mit dem Auge des Kopfes, der im Schlamm steckt! Frag nach ihnen mit dem Herzensauge!

 

Hz. Mevlana, Divan-i Kebir
Band 2, Gedicht Nr. 571
Firuzanfer, Band 3, Gedicht Nr. 1212
Übersetzung ins Türkische von Şefik Can