Mein Rang sowie meine Ehre sind in beiden Welten die Liebe!

  • Mein Auge und mein Herz bekommen nicht genug davon, die Schönheit meines Sultans zu betrachten. Und du, bekomm auch du nicht genug von meinem wachsamen Herzen!
  • Wie lange noch wird die Erde mit Tränen befeuchtet werden, wie lange noch wird der Himmel von meinen Achs und meinem Wehklagen Fieber bekommen, Feuer fangen und verbrennen?
  • Wie lange noch wird mein Herz „Oh Herz, oh Herz!“ sagen; wie lange noch werden meine Lippen die Geheimnisse meines Sultans, des Sultans aller Sultane, sagen?
  • Flieh, flieh dem unendlichen Meer entgegen, das jeden Moment Welle um Welle schlägt und mein Zelt, mein Hab und Gut vernichtet.
  • Gestern Nacht hat sich in meinem Innern eine Woge der angenehmen Erregung erhoben und Gischt erzeugt! Plötzlich ist der Joseph der Schönheit in meinen Brunnen gefallen.
  • Dieser Sturzbach, der über die Wangen Josephs fliesst, hat meinen Dreschflegel weggeschwemmt. Ein feuriges Ach kam hoch und das Stroh meiner Geduld verbrannte!
  • Ich habe keine Angst um meinen verbrannten Dreschflegel! Denn der Dreschflegel meines Mondgesichtes genügt für Hunderte wie ich!
  • Ich habe keinen Verstand, möchte aber auch keinen Verstand; das Wissen und die Begabung meines Geliebten sind mir genug! Während der Nacht, die mich unzeitig überfällt und im Dunkeln lässt, ist mir das Licht seines Gesichtes als Helligkeit genug!
  • Jemand sagte mir: „Diese schönen Klänge lassen den Rang vergessen und das gute Benehmen geht verloren!“ Ich möchte keinen Rang; in beiden Welten sind mein Rang und meine Ehre die Liebe!
  • Mein wacher, über alles und jedes Bescheid wissender Sultan hat mir den Verstand geraubt. Deshalb sage ich nach jedem Vers ständig: „Das Ende ist gekommen!“

 

Hz. Mevlana, Divan-i Kebir
Band 3, Gedicht Nr. 1004
Firuzanfer, Band 4, Gedicht Nr. 2062
Übersetzung ins Türkische von Şefik Can

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