Wenn Hallac leben würde, wäre er derjenige, der mich wegen der Unermesslichkeit meiner Geheimnisse an den Galgen hängen würde

  • Seit ich in diesen Geliebten verliebt bin, bin ich in einem sonderbaren Zustand. Es ist so, wie wenn ich eine grosse Leistung erbracht- oder eine Arbeit vollbracht hätte, weil ich in ihn verliebt bin. Durch diese Arbeit wurde ich Besitzer einer Arbeit. Ich habe mich von der materiellen Arbeit abgewendet, bin arbeitslos, ohne Arbeit. Mein Fuss steht wie ein Zirkel am Boden, mein Kopf ist schwindlig.
  • Oh Freund! Wenn du mir wirklich nahe bist, dann schau und beobachte, wie ich ausser mir bin. Warum fragst du mich ständig über die Geheimnisse der Liebe? Ich verstehe, ich bin berühmt, was die Liebe anbelangt, jeder spricht andauernd über mich.
  • Dieser Löwe trinkt nichts als das Blut des Herzens. Und ich bin ein Junges dieses Löwen. Ich suche ein Herz, um Blut zu trinken.
  • Ich bin bekümmert, bin krank. Du weisst das und sprichst deshalb für mich eine Fatiha. Doch, oh Freund, siehst du denn nicht? Gerade wegen dieser Fatiha bin ich krank, das heisst, von dem Moment an, als die Seelen erschaffen wurden – schon seit dem Jenseits bin ich verliebt und krank, weil ich von dort getrennt bin.
  • Weil Hallac „Enelhakk“ (ich bin Gott) gesagt und auf die Wahrheit hingewiesen hat, wurde er vom Volk nicht verstanden und an den Galgen gehängt. Wenn Hallac leben würde, würde er mich wegen der Unermesslichkeit meiner Geheimnisse an den Galgen hängen.

 

Hz. Mevlana, Divan-i Kebir
Band 2, Gedicht Nr.694
Firuzanfer, Band III, 1459
Übersetzung ins Türkische von Şefik Can