Der Tod ist zwischen dem Auge und der Augenbraue; er ist uns sogar näher als wir uns an ihn erinnern können!

  • Das Leben vergeht mit Hoffungen, die in die Zukunft gesteckt werden; unachtsam geht es zu Ende mit Auseinandersetzungen, Lärm und mit Abplagen!
  • Komm zur Vernunft, betrachte dein Leben für den Tag, an dem du gerade lebst! Dann schau, mit welcher Liebe du auch diesen Tag vergeudest!?
  • Mal bist du bestrebt deinen Geldbeutel zu füllen, mal bist du besorgt um ein gutes Essen und Trinken. So vergeht dieses kostbare Leben dahin, mit jedem Atemzug wird es kürzer!
  • Der Tod zieht uns einen nach dem anderen zu sich. Wegen seiner Macht haben sogar gescheite Menschen Angst und werden ganz bleich!
  • Der Tod steht und wartet auf dem Weg; doch der Effendi ist dem Sich-Herumtreiben verfallen!
  • Der Tod ist zwischen dem Auge und der Augenbraue; er ist uns sogar näher als wir uns an ihn erinnern können! Doch wo ist der Verstand desjenigen, der in Unachtsamkeit gefallen ist? – Ich weiss es nicht...
  • Trachte nicht danach, den Körper zu ernähren und ihn zu fettigen! Denn er ist es, der am Ende als Frass den Würmern des Grabs der Erde vorgeworfen wird! Bestrebe du dich danach, dein Herz mit geistiger Nahrung zu ernähren; denn das ist es, was in die Höhe steigen wird, was geehrt wird!
  • Gib diesem Aas wenig fette, süsse Sachen! Denn derjenige, der seinen Körper ernährt, verfällt in Lust, in Wünsche der niederen Triebe – und schlussendlich endet er in Scham!
  • Gib du der Seele geistige Nahrung, gib ihr fette, süsse Gedanken; gib ihr Verständnis und erfinderische Nahrung, damit sie dorthin, wo sie geht, gekräftigt und gestärkt hingehe! 

 

Hz. Mevlana, Divan-i Kebir
Band 2, Gedicht Nr.468
Firuzanfer, Band 2, 823
Übersetzung ins Türkische von Şefik Can