Betrachte dich als ein Fremder, sei dir selber fremd!

  • Oh Verliebter, hör auf hinterlistig zu sein! Verlass den Verstand, sei verrückt, verrückt! Wirf dich mitten ins Feuer, tritt geradezu ins Herz ein! Sei ein Nachtschmetterling, ein Nachtschmetterling!
  • Betrachte dich als ein Fremder, sei dir selber fremd! Und reisse dein Haus nieder, ruiniere es! Und komm danach und wohne im Haus der Verliebten, verweile mit ihnen!
  • Geh und wasche dein Herz wie den Kupfertisch siebenmal, reinige dich von Groll und Hass! Dann komm und sei ein Glas für den Liebeswein!
  • Werde vollständig ein Can, um dem Geliebten würdig zu sein! Wenn du zu den Berauschten gehst, werde auch betrunken, betrunken!
  • Der Ort, wo die Ohrringe der Schönen ihre Sohbets halten, dort wo sie auftreffen, sind die Wangen. Wenn du ein Freund der schönen Wangen, der schönen Ohren sein willst, dann sei eine Perle, eine Perle!
  • Wo dein Gedanke auch hingeht, schleppt er dich mit sich. Verlasse die Gedanken, gehe wie das Schicksal, wie die Bestimmung ganz vorne, in vorderster Reihe!
  • In sinnliche Begierde zu verfallen, sich der Lust zuzuneigen, ist ein Schloss, womit unsere Herzen verschlossen werden. Sei du ein Schlüssel, ein Schlüsselzahn!
  • Mustafa (F.s.m.I.) hat den Baumstamm Hannâne liebkost. Du bist doch nicht niedriger als ein Baum, los, sei ein Hannâne-Stamm, ein Hannâne-Stamm!
  • Hz. Süleyman sagt dir: „Höre die Sprache der Vögel, lerne diese Sprache!“ Doch du bist eine solche Falle, dass die Vögel deinetwegen erschrecken; sei keine Falle, sei ein Nest, ein Nest!
  • Wenn eine Schönheit dir das Gesicht zeigt, sei ein Spiegel für sie, nimm sie in dich hinein, sei voll von ihr! Wenn die Schönheit für dich ihre Haare öffnet, dann werde für sie ein Kamm, ein Kamm.
  • Du bist reich geworden, hast Geschenke bekommen, bist Besitzer von Vermögen geworden. Als Entgelt, als Dank dafür hast du deine Liebe vergeben. Verlass das Vermögen, lass von ihm ab, gib du als Dank für die Liebe dich selbst, dich selbst.
  • Du warst Wind, Wasser, du warst Erde… für eine Weile bist du Feuer geworden. Und für eine Weile bist du Tier geworden, hast dich in der Welt der Tiere aufgehalten. - Da du nun eine Weile Can geworden bist, sei wenigstens ein Can, der dem Geliebten würdig ist, ein Can, dem Geliebten würdig.


Hz. Mevlana, Divan-i Kebir
Band 3, Gedicht Nr.1075
Firuzanfer, Band 5, 2131
Übersetzung ins Türkische von Şefik Can