Im Moment bist du im "Grab des Körpers", nur weisst du nichts davon!

  • Er ist ein solcher König, dass er aus Erde Könige erschafft. Aus Gefälligkeit für einen oder zwei Bettler macht er sich selber zum Bettler.
  • Er geht an einem Toten vorbei und schenkt ihm Leben. Wenn er den Kummer anschaut, macht er aus ihm ein Heilmittel.
  • Er erfriert den Wind. Dann macht er ihn zu Wasser. Er kocht das Wasser und macht es zu Luft.
  • Betrachte die Welt nicht als geringschätzig, denn sie ist vergänglich. Am Ende macht er auch diese vergängliche Welt ewig, „bekâ“.
  • Auch wenn du im Herzen tausend Schlösser hast, hab keine Angst! Such du nach dem Laden der Liebe, finde ihn! Dort gibt es den  Schlüssel der Herzen!
  • Es gibt jemanden, der für uns ohne Stift, ohne Pinsel in dieser Welt der Götzentempel tausend schöne Bilder malt, damit wir sie betrachten können.
  • Er hat für uns Tausende Bilder von Leyla und Tausende Bilder von Macnun gemalt. Wie schön ist dieses Bild, das Gott für sich selber gemalt hat.
  • Weine nicht, auch wenn dein Herz so hart wie ein Stein sein sollte; der Glanz seiner Gnade wird es zu einem Spiegel machen, der hoch glänzend ist.
  • Wenn du dich von den Freunden trennst und unter die Erde gehst, wird er dir aus Schlangen und Ameisen Freunde mit wunderschönen Gesichtern machen.
  • Schau, du glaubst, dass du im Moment lebst. Im Grunde genommen bist du im Grab des Körpers. Von Zeit zu Zeit erschafft er dir in diesem Körpergrab wunderschöne Träume, die dein Herz umfassen. Welch schöne Bilder erschafft er, welch schöne Gemälde malt er.
  • Wo macht er all dies, wo erschafft er diese? „Damit niemand klatscht“ hat er die Arbeitswelt verborgen. Auch wenn du deine Brust aufspaltest, um diesen grossen Schöpfer, diesen einzigartigen Künstler zu finden, du wirst dort niemanden finden.
  • Schau auf die zwei Flüsse des Lichts, die aus zwei kleinen Fettteilchen rinnen. Schau auf dein Auge und staune nicht, wie es aus einem Stock einen Drachen macht!
  • Schau auf deine zwei Ohren, wo ist dieser Bernstein, der die Worte in sich hineinzieht? Was für ein erstaunlicher Schöpfer, der aus zwei Löchern ein Bernstein macht, der die Worte an sich zieht!
  • In dieses göttliche Gebäude, in diesen Körper-Palast ruft er die Seele hinein und macht sie zur Besitzerin dieses Palastes. Dann nimmt er die Bewohnerin des Palastes weg und macht aus diesem Palast einen anderen Palast.
  • Der Körper der Besitzerin des Palastes geht unter die Erde. Doch ihr Herz, hat sie Gott zur Wohnstätte geschenkt. 

 

Hz. Mevlana, Divan-i Kebir
Band 1, Gedicht Nr. 292
Firuzanfer, Band 2, 909
Übersetzung ins Türkische von Şefik Can