Mache es dir zur Eigenschaft, ohne Zunge, ohne Lippen zu sprechen! Das Leben ist vergänglich; wenn der Mensch stirbt, dann bleibt weder Lippe noch Zunge übrig!

  • Auch wenn ich tot bin, auch wenn sie mich ins Grab legen und ich in diesem Zustand von unserem Geliebten eine Nachricht erhalte, zerreisse ich mein Leichentuch und komme aus dem Grab heraus.
  • Sowohl derjenige, der am Leben ist, als auch derjenige, der gestorben ist, was könnten sie nicht alles tun, um nur etwas von ihm zu bekommen? Sogar der Berg würde von seinem Ort aufspringen und noch näher zu ihm rücken, wenn er ihn sähe.
  • Wenn sie mich tadeln, über mich lästern, weil ich dich liebe, ich scheue diesen Tadel nicht. Der Kummer, der von dir kommt, ist süsser als Zucker für meine Seele.
  • Alles, was dir an Gottesgnade zufliesst, iss und trink davon. Sag nicht, es soll auf der Seite bleiben! Wenn aus einem fliessenden Fluss Wasser getrunken wird, wird er trotzdem weiterfliessen.
  • Schau auf die Schöpfungskraft Gottes, seine schöne Kunst, betrachte die Eingebung, die in die Herzen kommt! Sei vollkommen ein Betrachtungslicht! Denn alle Freuden kommen vom Schauen und Sehen.
  • Sag nicht, mein Leben ist dahin, ohne mit dem Geliebten vereint zu sein, und falle nicht in Hoffnungslosigkeit. Er kommt passend oder unpassend, unerwartet. Nicht alles kommt in der Morgendämmerung.
  • Warte, beobachte, sei geduldig! Dieses wertvolle Wesen, dieses einzigartige Wesen kommt zeitig, unzeitig, unerwartet wie eine Augenlidschminke zu unseren Augen.
  • Wenn er zu unserem Auge kommt, dann wird das Auge zu einem Meer. Wenn dann das Meer betrachtet wird, wird das ganze Wasser des Meeres zur Perle.
  • Diese Perle ist nicht eine Perle, die über sich nicht Bescheid wüsste, eine tote Perle; sie spricht ständig, sie sucht ständig, sie ist immer lebendig.
  • Was ist dein Ursprung? Was für eine Materie bist du? Was für eine Seele bist du? Wie könntest du das wissen? Deine Begabung, deine Geschicklichkeit kennt nur Gott, kennt Gott allein.
  • Sprich nicht zu viel, schliess deine Lippen, mach dir zur Eigenschaft, ohne Zunge, ohne Lippen zu sprechen! Denn wenn die Welt vergeht, bleiben weder Zähne, noch Lippen, noch Zunge!


Hz. Mevlana, Divan-i Kebir
Band 1, Gedicht Nr. 371
Firuzanfer, Band 2, 762
Übersetzung ins Türkische von Şefik Can