Wegen der Liebe zu einer Rose renne ich wie der Wind von überall weg

  • Halte seinen Gnadenrock, halte ihn ganz fest, so fest, dass er nicht plötzlich wegrennt! Doch ziehe das, was du hältst, nicht wie einen Pfeil, so dass es nicht wegschnellt!
  • Er macht solche Sachen, die der Verstand nicht nachvollziehen kann, er vollbringt solche Stickereien, solche Kunststücke. Er zeigt sich im Äussern und in Formen, doch er selber verschwindet dann durch den Weg der Seele.
  • Du suchst ihn im Himmel, er fällt wie der Mond auf das Wasser, glänzt und strahlt. Du gehst ins Wasser, um ihn dort zu finden. Diesmal steigt er in den Himmel.
  • Du suchst ihn in der Welt der Raumlosigkeit, er zeigt dir seine Spur in der räumlichen Welt. Du versuchst ihn in der räumlichen Welt zu finden, er verschwindet in die Welt der Raumlosigkeit.
  • Im Körper des Zweifelvogels gibt es keinen schnellen, heiligen Nachrichtenüberbringer. Aus diesem Grunde kann man von ihm keine richtige Nachricht erhalten. Wisse dies, derjenige der die Gewissheit kennt, rennt dem Zweifel davon.
  • Es ist nicht, weil es mir überdrüssig ist: in Angst renne ich diesem und jenem davon. Denn mein Geliebter, der sehr gnädig ist, rennt auch diesem und jenem davon.
  • Wegen der Liebe zu einer Rose renne ich wie der Wind von überall weg. Dieses Herz, dem ich mein Herz hingegeben habe, ist nicht eine Rose, die des Geruchs des Herbstes wegen aus dem Rosengarten wegrennt.
  • Wenn ich beabsichtige seinen Namen zu sagen, rennt er so schnell davon, dass du nicht mal die Gelegenheit hast zu sagen: „So und so rennt davon!“
  • Er rennt von dir auf solch eine Art und Weise davon, dass wenn du sein Bild auf ein Papier malst,  sogar sein Bild vom Papier wegrennt – ja, es wird nicht mal ein Zeichen von ihm im Herzen zurückbleiben.

 

Hz. Mevlana, Divan-i Kebir
Band 1, Gedicht Nr. 295
Übersetzung ins Türkische von Şefik Can

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