Die Äste von all den Bäumen tanzen, sie alle sind glücklich, sie alle lachen!

  • Oh Hauch des Frühlings, oh Wind des Frühlings, der du schöne Düfte bringst, oh du Jahreszeit des Frühlings! Bring uns Nachrichten aus der anderen Welt, Nachrichten vom Seelenfrühling; durch deine Blumen, durch deine Düfte, durch deine Farben, durch dein leichtes Schwingen verstehe ich, dass auch du vom Seelenfrühling trunken geworden bist!
  • Oh ihr Blumen! Öffnet euch – schaut, ich habe mich auch geöffnet! Erzählt irgendetwas vom Seelenfrühling; auch ich erzähle und spreche, soweit meine Zunge sich regen kann! Erzählt über dieses reine Wesen, sprecht über die Schönheit des Königs der Könige, über seine Grösse und Einzigartigkeit!
  • Wenn der Frühling sich zeigt, stirbt vor Furcht der Winter; wie beim vergänglichen Menschen ist auch sein Tod gekommen und ebenso sind seine Atemzüge gezählt und bald am Ende!
  • Alle Felder und Gärten sind zu Fallen geworden, um die Herzen zu fangen, und alles hat sich ins Grün verwandelt! Die Rose und die Tulpe haben Weingläser in der Hand, sie rufen den Menschen zu: „Kommt her, sagt, was habt ihr!“
  • Die Rose und die Tulpe sind wie Fallen, die durch ihren Duft und ihre Farbe die Herzen fangen. Sie fangen diejenigen, die sie betrachten! Die anderen Blumen sind auch so, auch sie sind Fallen, die Augen und Herzen fangen! Und die Früchte sind ihre Jagdbeute!
  • Der wohlriechende Sesam hat seine glänzenden Augen zu Jasmin gerichtet und sagt: „Die Erde ist aus dem Erdensein herausgewachsen und eine Mutter geworden, welche all die Schönheiten gebärt! Und die Dornen sind weich geworden, sie stechen niemanden, sie haben ihr Dornensein verlassen!
  • Oh Tulpe, was für eine schöne Farbe du hast! Wer hat dir diese Farbe gegeben? Du bist vom  Dankbarkeitswein Gottes betrunken worden und kannst nicht sprechen! Du bist schön, du hast schöne Wangen, diese Entschuldigung ist für den König genug!“
  • Die Wangen der Tulpe sind feuerrot wie der Granatapfel. Dieser Zustand ist der Narzisse nicht entgangen – als ob sie sagen würde: „Schau die Schönen nicht mit schlechten Augen“!
  • Der Wind weht durch die Gärten und macht die Äste glücklich und lässt sie tanzen; bei den Blumen ist er liebkosend vorbeigezogen und hat sich schliesslich auf den Wiesen und Feldern breitgemacht und diese mit seinem Moschusgeruch erfüllt.
  • Die Äste von all den Bäumen tanzen, sie alle sind glücklich, sie alle lachen! Wie frische Bräute sind ihre Hände mit Henna bemalt!
  • Die Äste voller Blüten sind, wie Hz. Maria, vom Hauch der Engel schwanger; wenn die Zeit gekommen ist, werden sie wohlriechende, farbige, süsse Früchte auf die Welt bringen! Die Äste und die Sprösslinge sind sowieso wie aus der Erde geborene Huris!
  • Die Erde ist zu einem Paradies geworden. All die Schönen sind Tag und Nacht vor Freude in einem unentschlossenen Zustand. Sie spielen, Füsse klatschend und Köpfe schüttelnd!
  • Die Wolken rufen dem Frühling zu: „Was immer ich im Winter auf die Erde herunter geleert und ausgeschüttet habe, habe ich für dich herunter geleert und ausgeschüttet. Du bist das alles wert!“
  • Oh Herz, schau dir diesen Frühling an! Dieser Zustand ist wirklich eine Auferstehung! Alles, was im ganzen Jahr gut oder schlecht gepflanzt wurde, zeigt sich im Frühling und blüht!
  • Der Frühling sagt: „Oh Seele, erkenne, deine Nafs als ein Samenkorn; pflanze einen guten Samen, damit als Gegenleistung schöne Sprösslinge ihren Kopf aus der Erde strecken und wachsen!“
  • Wahrlich, alles, was sich versteckt hielt, die verdeckten Geheimnisse zeigen sich jetzt wie bei der Auferstehung. Oh Schönheit der Schönsten, oh unser Efendi, oh unser Besitzer, oh einzigartiger Geliebter! Warum versteckst Du Dich noch? Man sieht Dich ohnehin in allem, was Du erschaffen hast und in den Werken, mit welchen Du die Welt schmückst – mit dem Frühling sieht man Dich ganz eindeutig!

 

Hz. Mevlana, Divan-i Kebir
Band III, Gedicht Nr. 1335
Übersetzung ins Türkische von Şefik Can

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