Derjenige, der will, ist immer Er. Wir sind wie die Schatten.

  • Für die Verliebten ist es eine Pflicht, den Freund zu suchen. Wie ein wildströmendes Wasser müssen die Verliebten ihre Gesichter und Köpfe auf dem Boden herschleifend, an den Steinen aufprallend rennen, bis sie in den Bach des Freundes fallen.
  • Derjenige, der wünscht, der möchte, ist sowieso immer Er. Wir sind wie die Schatten. Unser Treffen und Plaudern, unser Geschwätz ist immer über den Freund. Doch in Wahrheit ist derjenige, der über sich selbst spricht, der redet, immer Er.
  • Manchmal sprudeln wir wie ein fliessendes Wasser und strömen in den Bach des Freundes. Manchmal sind wir gefangen wie ein stilles Wasser im Krug des Freundes.
  • Manchmal kochen wir auf dem Feuer wie ein Schmorgericht in einem Topf aus Erde und sind erregt. Er jedoch überlegt sich dabei etwas und schlägt uns mit der Kelle auf den Kopf, damit wir nicht zu sehr überlaufen. So ist der Charakter des Freundes.
  • Wie erstaunlich ist es doch: mit Ziererei und Charme lässt Er dich schmelzen, abmagern, macht dich dünn wie ein Haar – und trotzdem gibst du für ein einziges Haar des Freundes beide Welten her.
  • Wir sitzen mit dem Freund. Wir sind mit dem Freund zusammen und fragen ihn: „Oh Freund! Wo ist der Freund?“ Wir sind im Stadtviertel des Freundes und fragen unserer Unachtsamkeit wegen: „Wo ist der Freund? Wo ist der Freund?“
  • Die schlechten, unschönen Einbildungen, die unangebrachten Gedanken entstehen wegen unserer mangelhaften Natur. Das ist nicht der Charakter des Freundes.


Hz. Mevlana, Divan-i Kebir
Band 1, Gedicht Nr. 193
Übersetzung ins Türkische von Şefik Can

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