Es gibt gewiss noch eine andere Welt als die Welt, die das Auge sieht.

  • Ich bin der Joseph, des Landes Kenan. Mein Gesicht, welches so schön ist wie der Mond ist Zeuge davon. Niemand würde nach einem Beweis, nach einem Zeichen fragen, ob die Sonne Sonne ist.
  • Oh mein schlank Gewachsener wie eine Zypresse! Ich zeige dir ein Zeichen, einen Beweis. Für die schlanke Zypresse, gibt es keinen besseren Zeugen als ihre Schlankheit selbst.
  • Oh Rosen und Blumen! Oh Weinberge und Gärten! Wer sind eure Zeugen? Wer soll es schon sein? Die schönen Düfte, die von den Nasen gerochen werden, die verschiedenen Farben, welche die Augen liebkosen...
  • Wenn die Liebe verborgen ist, was bezeugt ihre Verborgenheit? Es ist dies: „Es zeigt sich nichts anderes, als das Gesicht des Geliebten in seinen Augen.“
  • Die niedrige Welt in der wir leben, ist wie die unglückliche, bedauernswerte Frau, die in ihrer Ausweglosigkeit auf den schlechten Weg gekommen ist und sich gegen Geld an die ungebärdigen Männer verkauft. Ein Beweis dafür ist, dass der Mann nur für eine beschränkte Zeit bei dieser Frau bleibt. Der nächste Mann wartet schon in der Reihe.
  • Sie verabschiedet sich von dem Mann, mit der sie zusammen war und umarmt schon den Nächsten. In ihrem Kuss ist weder Liebe noch Treue. Die Arme gibt ihren Körper und verkauft sich, ohne ihr Herz zu geben.
  • Gewiss gibt es eine andere Welt über diese Welt. Deren Beweis ist dies: jeden Tag gibt es Neugeborene, Neuankömmlinge und ebenso gibt es jeden Tag, solche, die ihre Wache ablösen, veraltet und zerstört diese Welt verlassen.
  • Ein neuer Tag, eine neue Nacht, neue Weinberge, Gärten, Häuser, die neu gebaut werden. Neue Fallen, um die Menschen zu fangen, jeden Moment ein ganz neuer Gedanke, eine ganz neue Geburt, ein ganz neuer Tod.
  • Wenn es keine andere Welt gäbe, als nur diese Welt, die das Auge sieht, woher würden die Neuen kommen, wohin würden die Alten gehen?
  • Die Welt ist wie das Wasser des Flusses: es sieht immer gleich aus, doch fliesst es immer wieder von Neuem, kommt und fliesst. - Woher kommt das?

 

Hz. Mevlana, Divan-i Kebir
Band 1, Gedicht Nr. 218
Übersetzung ins Türkische von Şefik Can

Aktuelle Seite: Home Mevlana Celaleddin Rumi Mevlanas Werke Divan-i-Kebir Es gibt gewiss noch eine andere Welt als die Welt, die das Auge sieht.