Du und ich!

  • Liebling! Wie glücklich war diese Zeit als du und ich, in zwei getrennten Körpern, in zwei verschiedenen Gestalten, doch als ein Herz, als eine Seele vor der Hofstür zusammen sassen.
  • Als wir zusammen in den Obstgarten eintraten, spendeten die Farbe des Gartens und das Zwitschern der Vögel uns Leben und schenkten uns Unsterblichkeit.
  • Als die Nacht eintraf und die Sterne am Himmel aufkamen, um uns zu betrachten, zeigten du und ich ihnen unseren eigenen Mond – das heisst, wir zeigten uns gegenseitig.
  • Du und ich, indem wir uns vom Du- und Ichsein befreiten, vereinten wir uns geistig im Du- und Ichlos und wurden im Hinblick auf die Freude Eins. Dann liessen wir die verwahrten Träume, die unergründlichen Zweifel, die leeren Gedanken. Wie freudig waren wir, wie glücklich.
  • Doch es gibt eine Sache, die noch viel erstaunlicher ist als die empfundenen geistigen Freuden: Obwohl du und ich in diesem Moment am gleichen Ort, in der gleichen Ecke uns befinden, können wir auch sowohl gleichzeitig in Irak als auch in Chorasan (südöstlich von Persien) gemeinsam erscheinen.
  • Du und ich befinden uns mit unserer sichtbaren materiellen Form, mit unserem Körper auf der Erde in einer verborgenen Welt voller Leiden und Kummer. Mit unseren anderen Formen, mit unserem geistigen Äusseren sind wir im ewigen Paradies in Frieden und in Süsse.

 

Hz. Mevlana, Divan-i Kebir
Band 3, Gedicht Nr. 1066
Übersetzung ins Türkische von Şefik Can