Das Gebet der Verliebten

  • Wenn die Zeit des Abendgebets kommt, machen alle das Licht an und bereiten ihren Tisch; und ich finde das Bild meines Geliebten in meinem Herzen und beginne wehklagend zu weinen!
  • Weil ich mich mit Tränen rituell wasche, wird mein Gebet zu Feuer. Wenn der Gebetsruf mein Gebetshaus erreicht, wird dieser Ruf verbrannt und vernichtet!
  • Wo ist eigentlich die Gebetsrichtung? Mein Gebet ist wieder ein versäumtes Gebet, muss nachgeholt werden! Sowohl dir wie auch mir kommt aus dem Versäumten ständig eine Prüfung zu!
  • Ob das Gebet der von Gottesliebe Trunkenen wohl richtig ist? Sag du es mir! Denn derjenige, der trunken ist, weiss weder die Zeit noch kennt er den Ort!
  • Ist diese Verbeugung die zweite Rek’at oder etwa die vierte? Welchen Vers habe ich wohl rezitiert? Denn vor Aufregung kann ich nicht sprechen!
  • Wie kann ich an die Tür Gottes klopfen? Denn ich habe keine Hand und kein Herz mehr! Ich habe mich verloren. Du hast sowohl meine Hand als auch mein Herz genommen! Oh mein Gott, ich habe nichts mehr! Gib du mir wenigsten eine Zuversicht, eine Hilfe!
  • Ich schwöre bei Gott, ich weiss nicht wie ich das Gebet verrichte! Ich habe keine Ahnung, ob ich die Verbeugung fertig gemacht habe und wer der Imam ist!
  • Von nun an sollte ich vor und hinter jedem Imam wie ein Schatten sein, so dass ich vor Angst vor dem, der meinen Schatten fallen lässt und der mich erschaffen hat, einmal auf den Boden falle, um Kraft zu schöpfen, und mich dann wieder aufrichte um zu wachsen!
  • Was ist ein Schatten schon wert? Achte weder auf seine Verbeugung noch auf sein Aufrichten, erwarte nichts von einem Schatten! Der Schatten ist leblos, glaube nicht, dass er lebendig ist!
  • Man zählt nicht auf den Schatten; der Schatten ist nichts! Denn er regt und bewegt sich durch das Leben eines anderen! Der Schatten klatscht manchmal in die Hände und sucht den, der ihn erschaffen hat!
  • Weil ich nicht mehr existiere, rede ich ständig über den Schatten! Besitzt der Schatten einen Mund? Der Schatten steht dem zu Diensten, der ihn fallen lässt, diesem ist er unterworfen!

 

Hz. Mevlana, Divan-i Kebir
Band 3, Gedicht Nr. 1286
Übersetzung ins Türkische von Şefik Can

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