Die Liebe ist nicht durch mich geboren. Ich bin das Kind der Liebe. worden, die Liebe hat mich geboren.

  • Im Morgengrauen, als alle noch schliefen, kam das Glück und küsste mich drei Mal. Ich habe Gottes Güte und Gnade erlangt. Dieses Morgengrauen sei beglückt und gesegnet!
  • Oh Seele, erinnerst du dich? Was hast du gestern im Traum gesehen? Was hast du denn gesehen, so dass das Glück in diesem Morgengrauen kam und mir die Tür öffnete.
  • Hast du etwa im Traum dies gesehen: Der Mond ist vom Himmel auf die Erde heruntergekommen, hat mich genommen und auf die Höhen und über den Himmel getragen und mich dort gelassen ...
  • Ich habe die Seele auf seinem Weg, zu seinen Füssen niedergefallen, in einem zerstörten, verwahrlosten und zusammengebrochenen Zustand gesehen. Nun hat dieses Glück mich erreicht.
  • „Ich bin sehr glücklich, ich bin sehr glücklich ...“ sagend, singe ich ein Lied.
  • Zwischen der Liebe und meiner Seele gibt es viele Ereignisse. Es gibt viele Sachen. Nun sind diese mir nach und nach in Erinnerung gekommen.
  • Auch wenn es dem Äusseren nach so aussieht, dass die Liebe durch mich geboren wurde, glaube nicht daran, denn die Wahrheit ist diese: Die Liebe ist nicht durch mich geboren worden, die Liebe hat mich geboren. Ich bin das Kind der Liebe.
  • Oh mein Gott, dessen Eigenschaften offen und sichtbar sind und dessen Wesen wie die Seele verborgen ist. Ich schwöre auf Dein Sein; alles was ich mir wünsche, mir erbitte und alles was ich mir ersehne bist Du – ich liebe Dich, ich möchte nur Dich, ich möchte sonst keinen anderen!
  • Ständig erreichen mich heimliche Komplimente von dir, heimliche Küsse. Ich bin jedoch weit weg von diesem Körper, der aus einem Haufen von Fleisch und Knochen besteht. Ich bin über diesem Körper, der ein Schleier ist. Wer küsst mich, wer lässt sich von mir küssen? Diese Zustände sehe ich nicht, ich kenne sie nicht.
  • Oh mein Gott, gib nicht auf, Erbarmen mit mir zu haben. Sonst falle ich in Armut und werde wehklagend „Oh, helft mir, ich bin in einem schlechten Zustand!“ sagen.
  • Doch auch wenn mein Geliebter mich nicht würdigt und mir keine Küsse schickt, auch wenn er mit mir schimpft oder mich liebt, ich beklage mich nicht. Ich bin trotzdem zufrieden und glücklich. Zwischen meinem Effendi und mir gibt es Ereignisse. Er kann mich küssen oder mit mir schimpfen – wen geht das was an? Wessen Sache ist das?

 

Hz. Mevlana, Divan-i Kebir
Band 1, Gedicht Nr. 78
Übersetzung ins Türkische von Şefik Can