Du bist noch immer wie ein Kind und deine Welt gleicht einer Wiege.

  • Oh hilfloser Verliebter! Komm näher, habe eine Meinung, sieh das Eigentliche in allem! Sei nicht jemand, der alles anschaut, doch das Eigentliche nicht sieht, sei nicht wie die sehenden Blinden!
  • Oh du, der nur in ihn verliebt ist! Nimm dir ein Beispiel an den Sternen! Schau, wenn die Sonne aufgeht und strahlt, verschwinden die Sterne, sie werden unsichtbar. Weil du dein Herz nur Gott allein geschenkt hast, sollte alles ausser Gott für deine Augen unsichtbar werden.
  • Weisst du, warum diejenigen, die stark und kräftig sind, deine Hände gebunden haben? Weil du noch immer wie ein Kind bist und deine Welt einer Wiege gleicht.
  • Oh du, der du dein Herz nur an weltliches Glück gehängt hast, oh du, der an diese Welt festgenagelt ist, du Armseliger, der von der anderen Welt, von der Herzensstadt ferngehalten wurde und ihr fern geblieben ist! Als Gott im Koran Wortperlen aufsetzte, sagte Er: „Haben Wir die Erde nicht zu einer Wiege gemacht“.
  • Oh anständiges, wohlerzogenes, gutmütiges Geschöpf! Du bist wie ein Kind zum Sklaven deines Körpers geworden. Befreie dich von dieser Armseligkeit und Sklaverei! Du bist kein Kind mehr, deine Verstandeszähne sind gewachsen. Zeige sie, damit du für das geistige Essen bereit bist.
  • Solange der König ein Kind bleibt, wird die Kinderfrau, die für ihn sorgt, ihm das Leben ungeniessbar und zur Hölle machen. Solange es Muttermilch trinkt, kann das Kind sowieso nicht zum König werden, es wird keinen Wein trinken können!
  • Der Krug hat Angst vor dem Stein, doch wenn der Felsen, wenn der Stein zu einer Wasserquelle wird, dann werden jederzeit Krüge zu diesem Stein kommen, um gefüllt zu werden.
  • Dann sagt der Krug: „Wenn der Stein mich von nun an zerbricht, freue ich mich, ich werde glücklich. Denn was aus diesem Stein herauskommt, hat mich gefüllt, hat mich ernährt. Er hat mir hundert Leben geschenkt.
  • Was macht es mir aus, auf diesem Weg für ihn zu sterben? Er hat mich belebt, er wird mich wieder beleben. Ich würde ihm sogar Geld geben, damit er mich zerschmettert.

 

Hz. Mevlana, Divan-i Kebir
Band 3, Gedicht Nr. 1145
Übersetzung ins Türkische von Şefik Can

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