Dieses Gedicht wurde aufgrund des Totes von Goldschmied Selahaddin Hz. geschrieben

  • Oh Du Geliebter, über dessen Trennung Himmel und Erde weinen. Deiner Trennung wegen blutet das Herz, weinen der Verstand und die Seele.
  • Niemand in dieser Welt kann Deinen Platz einnehmen. Deswegen weinen diese und jene Welt voll Trauer.
  • Die Flügel Gabriels und der anderen Engel sind dunkel-violett, ja fast schwarz geworden; alle Propheten und Heiligen vergiessen Tränen Deines Todes wegen.
  • Deiner Trauer wegen bin ich in einem Zustand, in dem ich keine Kraft mehr habe, um auch nur irgend ein Wort zu sagen. Sonst hätte ich der ganzen Welt gezeigt, was Weinen heisst. Im Weinen und Wehklagen wäre ich ein Beispiel geworden.
  • Als Du das Haus dieser Welt verlassen hast, ist gleichsam die Decke von Macht und Glück eingestürzt. Sogar das Glück fing an für die durch Trennung und Tod Geprüften zu weinen.
  • Oh Du erhabenes Wesen; Du erschienst wie eine einzige Person – in Wahrheit aber warst Du Hunderte von Welten. Gestern Nacht sah ich jene Welt für diese Welt weinen.
  • Nachdem du dich von diesem Auge entfernt hast, verschwand das Auge hinter Dir. So blieb die Seele ohne Augen und begann, Blut zu streuen.
  • Wenn Du mein Weinen gewünscht hättest, hätte ich für Dich Tränen wie Regen vergossen. Es ist aber besser, dass mein Herz insgeheim Blut streuend weint.
  • Für Dich ist Weinen zu wenig – aufgrund der Trennung von dir sollten Behälter voll Tränen vergossen werden. Jeden Augenblick sollte man in Blut schmelzen und mit jedem Atemzug wehklagen.
  • Schade, schade, wie schade!  Die vergänglichen Augen weinen um Augen, die alles so klar sahen und voll mit Gotteslicht und Glauben waren.
  • Oh König Selahaddin! Oh Du schnell fliegender Glücksvogel. Wie ein Pfeil bist Du vom Bogen gesprengt. Jetzt weint auch der Bogen um Dich.
  • Niemand ist in der Lage, für ein erhabenes Wesen wie Selahaddin gebührend zu weinen. Was dieses Weinen bedeutet, kennt nur jemand, der für die Menschen weinen kann. Woher sollten andere das kennen?

 

Hz. Mevlana, Divan-i Kebir
Band 3, Gedicht Nr. 1120
Übersetzung ins Türkische von Şefik Can