Oh du Lebender unter den Toten! Stört dich der Geruch der Verstorbenen nicht?

  • Gott sagt zu Seinem Geschöpf „Oh mein Geschöpf! Kehre zurück, komm wieder an unsere Tür, nimm die Watten der Unachtsamkeit aus deinen Ohren und höre die Stimme aus dem Himmelsgewölbe: ‚Los, steht nicht dort, kommt endlich hierher!’
  • Oh du Armseliger, wie lange wirst du in den Dornen dieser Welt barfuss umher rennen? Wir haben die Türen des Rosengartens der anderen Welt für dich geöffnet.
  • Ich habe die Seele erschaffen, ich habe ihr aber auch einen Kummer auferlegt. Doch wer Kummer auferlegt, vermag auch dessen Heilung zu bewirken.
  • Der Rosengarten, dessen Türen ich für dich geöffnet habe, ist so ein Garten, in dem sowohl die Äste als auch die Blätter der Bäume lebendig sind. Sie sind ständig im Gespräch miteinander. Merke dir dies gut, dass alles lebendig ist. Ein Garten, der nicht lebendig ist, wird keinen Gefallen finden und wird nicht dem Leben Leben schenken.
  • Oh du Sohn der Lebendigen, der du unter den Toten lebst! Wie ist dein Befinden mit dem Geruch der Toten? In welchem Zustand bist du? Diese lebenden Toten, dieser unangenehme Geruch, engt er dich nicht ein? Ekelt er dich nicht an?
  • Glaube nicht, dass alle in der Menschenmenge, die in Unachtsamkeit leben und wie die Ameisen wühlen, tot sind! Sowohl diese als auch die andere Welt ist voll von Unsterblichen, ewig Lebenden, die den Menschen Leben schenken. Doch wo ist das Auge, das dies sieht? Gebe dich nicht mit einem Leben von drei bis fünf Tagen zufrieden und weise das ewige Leben nicht von dir – trenne dich nicht von uns!“
  • In der Anzahl der Atome scheint jede einzelne lebendige Seele im unendlichen, von Gott erschaffenen Himmelsgewölbe so wie die Sonne. Und jede dreht sich – doch wo ist das Auge, das dies sieht?
  • Früher waren sie wie Fledermäuse, die die Wahrheit nicht sehen konnten. Doch mit der Gnade des Schöpfers wurde jede dieser Fledermäuse zu einer einzelnen Sonne.

 

Hz. Mevlana, Divan-i Kebir
Band 1, Gedicht Nr. 71
Übersetzung ins Türkische von Şefik Can

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