Ich habe alle Städte dieser Welt besucht und keine schönere Stadt als die Stadt der Liebe gefunden

  • Ich bin gereist und habe alle Städte dieser Welt besucht. Doch eine so schöne Stadt wie die Stadt der Liebe habe ich nie gesehen, nie gefunden.
  • Ich habe den Wert der Stadt der Liebe im Jenseits nicht geschätzt. Aus Unwissenheit wurde ich in die Stadt des Diesseits vertrieben. So bin ich in ein fremdes Land gefallen. Ich musste vieles ertragen, bin in grosse Unannehmlichkeiten geraten.
  • Aus Dummheit habe ich ein so schönes Zuckerrohrfeld verlassen und weide nun auf dieser Welt jedem Gras nach.
  • Die Klänge, die ich ausser der Liebe auf dieser Welt höre, sind nichts anderes als der Klang einer Trommel.
  • Wegen diesem Klang der Trommel bin ich aus der „küll Welt “ in die vergängliche Welt hinuntergefallen.
  • Im Jenseits war ich vollständig Seele, nur aus Seele bestehend. In der Welt der Seelen flog ich umher wie ein Herz ohne Flügel und ohne Füsse.
  • Ohne Hals und ohne Lippen schmeckte ich wie die Rose den geistigen Wein, der einem Schönheit gibt und Lächeln schenkt.
  • Dann kam plötzlich die Stimme der Liebe. „Oh Seele“, sagte die Liebe, „begib dich auf die Reise, ich habe ein Land des Leidens und des Elends erschaffen. Geh dorthin!“
  • „Ich möchte nicht in dieses Land des Leidens!“ sagte ich, und ich betete, weinte und seufzte sehr und zerriss viele Kleider.
  • So wie du jetzt Angst hast von Diesseits ins Jenseits zu kommen und davor fliehst, so wolltest du damals fliehen und schrecktest davor zurück, das Jenseits zu verlassen.
  • Oh Seele, hab keine Angst, geh! Wo auch immer du bist, ich bin bei dir, ich bin dir näher als deine Schlagader.Wie durch einen Zauber wurde ich von dort entfernt.
  • Ein Zauber kann sogar Welten versetzen. Wer bin ich denn schon? Ich war ohnehin nicht einmal für das Auge sichtbar.
  • Ich wurde von meinem Weg abgehalten. Dann wurde ich auf jenen Weg gestellt, der gewollt war. Wäre ich nicht vom wahren Weg abgekommen und auf diesen Weg gefallen, so wäre ich gerettet.
  • Ich sage dir, wie du in dein Ursprungsland zurückkehrst und es erreichst; ich schreibe es dir. Doch als ich diese Stelle erreichte, zerbrach mein Stift.

 

Hz. Mevlana, Divan-i Kebir
Band 2, Gedicht Nr. 669
Übersetzung ins Türkische von Şefik Can