Abraham und Kaaba (Januar 2003)

Die Bedeutung von Mekka begründet sich im Propheten Abraham

(nach Muhammad Hussain Haikal: "Das Leben Muhammads", 4.1.2003)

 

Abraham wurde im heutigen Irak als Sohn eines Tischlers, der vom Volk angebetete Götzenbilder herstellte und verkaufte, geboren. Es wurden damals die Sonne, der Mond und der Abendstern (Venus) verehrt. Als er heranwuchs, begann er sich gegen die Vergötterung von Holzstücken zu widersetzen und wurde damit für das Geschäft seines Vaters zum Problem. (Koran 21:62-63 und 6:76-79)

 

Abraham's Forderung nach Zerstörung des Götzendienstes kam bei seinem Volk schlecht an. Er wurde ins Feuer geworfen, doch Gott rettete ihn daraus. Er zog daraufhin mit seiner Frau Sara nach Palästina und von dort nach Ägypten, wo ihm der Amlekiter-König die schöne Sara streitig machte. Nach einem Traum des Königs gab dieser Sara wieder an Abraham zurück und beschenkte ihn zugleich mit Gütern und einer Sklavin namens Hadschar.

 

Als Sara nach langer Ehe mit Abraham noch kein Kind geboren hatte, drängte sie ihn, Hadschar beizuwohnen. Dies tat er, und es dauerte nicht lange, bis sie ihm Ismael gebahr. Als Ismael zum Jüngling herangewachsen war, wurde auch Sara schwanger und gebar Isaak.

 

Die berühmte Geschichte des Opfers Abrahams ist kontrovers und auch in der islamischen Tradition dichterisch vielfach ausgeschmückt worden. Es geht um die Unterwerfung unter den Befehl Gottes bis zum äussersten und der vollständigen Fügung in Seine Anordnung. Der Koran beschreibt dies in den Versen 37:102-107. Die islamische Tradition sagt, der zu opfernde Sohn sei Ismael gewesen, während die Juden und damit auch die Christen von Isaak sprechen. Die Tora (1.Mose 22:2) erwähnt den "einzigen Sohn", womit nur der Erstgeborene in der Zeit vor der Geburt des zweiten Kindes in Frage kommt. Auch der Koran erwähnt den Namen des Sohnes nicht, und im Koran (37:112) wird Abraham die Geburt Isaaks erst nach dem Opfer seines ersten Sohnes Ismael verkündet. Gemäss islamischer Tradition ereignete sich die Opfergeschichte auf dem Berg Minna in Innenarabien (Hedschas) bei Mekka.

 

Isaak wuchs an der Seite Ismaels heran, und des Vaters Zuneigung war für beide gleich stark. Diese Gleichheit zwischen ihrem Sohn und dem Sohn Hadschars, die ihre Sklavin und nicht ihre Vertraute war, verärgerte Sara. Als sie sah, dass Ismael seinen Bruder schlug, wollte sie nicht mehr mit Hadschar und deren Sohn zusammenleben. Abraham merkte, dass das Leben nicht angenehm sein konnte, solange beide Frauen an einem Ort waren. Deshalb zog er mit Hadschar und Ismael in Richtung Süden, bis sie das Tal erreichten, in dem heute Mekka liegt. Zu den Jahreszeiten, da die Karawanen zwischen dem Jemen und Asch Scham Rast machten, diente dieses Tal als Lagerplatz. In der übrigen Zeit war es ganz oder nahezu verlassen. Abraham liess Ismael und dessen Mutter mit genügend Lebensvorräten dort zurück. Hadschar baute eine Hütte aus Zweigen, in der sie mit ihrem Sohn wohnte, und Abraham kehrte dorthin zurück, von wo er gekommen war.

 

Als Wasser und Proviant zu Ende gegangen waren, unternahm Hadschar einen Erkundungszug in ihrer Umgebung, bei dem sie aber nichts fand. Sie rannte bis ans Ende des Tals auf der Suche nach Wasser, und sie hielt - gemäss Überlieferung - in ihrem Lauf zwischen As Safa und Al Marwa nicht inne, bis sie nach siebenmaligem Hin- und Herlaufen zu ihrem Kinde zurückkehrte. Verzweifelt versuchte sie, sich mit ihrem Misserfolg abzufinden. Da scharrte Ismael mit seinem Fuss den Boden auf, und Wasser sprudelte daraus hervor. Sie löschten ihren Durst, und Hadschar fasste die Quelle ein, so dass sie sich nicht im Sand verlieren konnte. Beide blieben dort, und die Araber kamen auf ihren Reisen zu ihnen und gaben ihnen Güter, die ihnen zum Leben reichten, bis die nächste Karawane ankam.

 

Das hervorströmende Wasser veranlasste einige Stämme, sich in seiner Nähe niederzulassen. Dschurhum war der erste Stamm, der dort sesshaft wurde, und in einigen Berichten wird behauptet, er sei dort schon vor der Ankunft Hadschars und Ismaels gewesen. Nach anderen Überlieferungen liess er sich jedoch erst nieder, als “Zamzam” (so wird diese Quelle genannt) entsprang und das Leben in diesem öden Tal ermöglichte.

 

Ismael wuchs heran und heiratete ein Mädchen von Dschurhum. Er lebte mit ihm und dem Stamm der Dschurhum an diesem Ort, an dem das “Baitul Haram” (die Kaaba) errichtet wurde, um das später Mekka entstand.

 

Es heisst, Abraham habe Sara eines Tages um Erlaubnis für einen Besuch Ismaels und dessen Mutter gebeten. Sie gab ihre Zustimmung, und er trat die Reise an. Abraham fand das Haus seines Sohnes und fragte dessen Frau nach ihm. Sie sagte: "Er ging auf die Jagt von der wir leben." Da fragte Abraham, ob sie Speise und Trank für ihn habe, und sie verneinte. Bevor er die Rückreise antrat, sagte er zu ihr: “Wenn dein Gatte kommt, so übermittle ihm meine Grüsse und folgende Nachricht für ihn: ‚Ändere die Schwelle deines Hauses‘.” Als sie Ismael die Botschaft seines Vaters ausgerichtet hatte, sprach er ihr die Scheidung aus und heiratete ein anderes Mädchen vom Stamm der Dschurhum, nämlich Bint Mudas Ibn Amr. Als Abraham einige Zeit später erneut zu einem Besuch seines Sohnes kam, behandelte ihn diese Frau gastfreundlich und erwies ihm Ehre. Als er ging, bat er sie, ihren Gatten von ihm zu grüssen und ihm zu sagen: "Die Schwelle deines Hauses ist nun gerade." Ismael wurde aus dieser Ehe zwölf Söhne geboren, welche die Väter der späteren Araber wurden.

 

Abraham und Ismael legten die Fundamente des Baitul Haram (Kaaba). (Siehe Koran 3:96-97 und 2:125-127). Es soll ein Ort werden, wo die Menschen in Sicherheit den Einen Gott anbeten können. Die uns bekannte Geschichte berichtet nichts darüber, warum und wie später die Araber trotz der Bemühungen Abrahams und der gebauten Kaaba wieder zum Heidentum zurückkehrten. Es wird angenommen, dass die Sabäer (Saba, Jemen) grossen Einfluss in Arabien hatten und so ihren Sternenkult (v.a. Sonne, Mond und Abendstern) durchsetzten (siehe auch die Geschichte von Salomon und der Königin von Saba). Es wird berichtet, dass etliche Propheten erschienen - z.B. Hud, Salih, Schuaib und andere - die aber in ihrem Aufruf, nur den Einen Gott zu verehren, erfolglos waren. Der Koran bemerkt hierzu: "Und Wir pflegten nicht eher zu strafen, bis Wir einen Gesandten geschickt hatten" (17:15). Jedenfalls war die Kaaba auch während des Heidentums ein heiliger Platz und eine Pilgerstätte. Langsam wurde Mekka zu einer Stadt mit einer blühenden Wirtschaft zur Zeit der Geburt des Propheten Mohammed. Vermutlich stand sie unter dem ständigen Einfluss jüdischer, christlicher, sabäischer (Jemen) und zaratustrischer (Persien, Mazdaglauben) Frömmigkeit.