Brief eines Semazen nach dem Sema (Dezember 2003)

Auszug aus einem Brief eines Semazen nach dem Sema (Dezember 2003)

 

 

BISMILLAH
Mein lieber Scheich Efendi,
Mein lieber Semazenbasi,
Meine lieben Freunde,

 

Heute ist der Hochzeitstag von unserem verehrten Pir Hz. Mevlana (Friede sei mit Ihm). An einem solchen besonderen Tag hat man nur Gutes zu wünschen.

 

Das Sema ist ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben geworden. Kürzlich, hat eine meiner allerliebsten Schwestern mich gefragt, was Sema für mich bedeutet. Ich hatte lange gebraucht, das Sema in meinem Leben zu implementieren. Jahrelang habe ich einfach „nur“ diesen Moment des Drehens genossen. Doch dieses Gefühl während dem Sema wünschte ich mir auch im Alltag zu spüren. Immer wenn diese quälenden Fragen kamen, habe ich versucht, in Gedanken zu drehen und das Bewusstsein im Herzen zu halten.  Sema ist für mich eben auch ein Teil des so genannten „Nichts-Tun“. Das ganze Universum dreht sich. Als ein winziges Teilchen in diesem Universum lasse ich mich bewusst in Harmonie mit der Natur mitdrehen. Sema ist für mich auch ein Zeichen, dass ich mit dem Fuss in dieser irdischen Realität verankert bin. Ich muss Standpunkt, Stabilität, Ausdauer und Durchhaltevermögen zeigen. Gleichzeitig darf ich aber auch meine Hand nach oben ausstrecken, ein Rückgrat haben und frei sein von Fragen, Bindungen und weltlichen Dingen.

 

Gespannt zwischen Himmel und Erde, in dieser und in einer anderen Welt sein, oder wie die Derwische sagen: „in dieser Welt leben, doch nicht von dieser Welt sein“. Es hat mir oft geholfen wieder auf den Punkt zu kommen, zu verwurzeln im unbedingten Vertrauen zu Gott. Es hat mir geholfen, wieder bewusst zu sein, dass ich in dieser Welt lebe, jedoch nicht von dieser Welt bin. Während der Drehung können sich die Fragen in meinem Kopf nicht mehr festhalten. Sie werden wie weggeweht. Dann bin ich einfach so ganz diesem Augenblick ergeben, so wie ich bin, so wie die Blumen, wie die Bäume, wie die Berge oder wie die Sterne am Himmel ......

 

Ich kann den Allmächtigen gar nicht genug preisen, dass ich durch Dich mein lieber Efendim und durch Euch alle meine lieben Freunde solche erfüllten Augenblicke erleben darf.