mesnevi

Hüsameddin Celebi schreibt das Mesnevi nieder

(von Şefik Can Efendi)

Nach der Trennung vom Goldschmied Selahaddin schenkte Mevlana seine Liebe seinem Schüler und Kalifen Hüsameddin Celebi. Hüsameddin war ein sehr grosszügiger Gottliebender, der alles, was er besass, Mevlana schenkte. Doch so wie er sich Mevlana verbunden fühlte und ihn von ganzem Herzen liebte, so liebte auch Mevlana ihn. An Einladungen konnte er sich unmöglich erfreuen, wenn Hüsameddin nicht zugegen war. Mevlana gab alles, was er als Geschenk erhielt, unberührt an Hüsameddin weiter, der es seinerseits an Bedürftige weiterschenkte. Mevlana schenkte Hüsameddin grosses Vertrauen, denn er wusste, wie grosszügig und barmherzig dieser gegenüber den Armen war.

Eines Abends, als Hüsameddin Mevlana allein vorfand, bat er ihn um die Lektüren von Sena, Attar und anderen, damit sich die Derwische, die sich auf den mystischen Pfad begeben hatten, an diesen Geschichten orientieren könnten. Mevlana rezitierte auf diese Bitte hin sogleich die berühmten achtzehn Verse, deren erster folgender berühmter Vierzeiler ist:

„Hör auf die Flöte, was sie erzählt,
Und wie sie klagt, über Trennung und spricht…
Sie sucht ein Herz, von Einsamkeit gequält,
Um vom Schmerz der Sehnsucht zu erzählen…“

Mevlana sprach: „Wenn du schreibst, Celebi, werde ich diktieren.“ Nachdem sie sich einmal entschieden hatten, waren sie Tag und Nacht unentwegt mit dem Schreiben des Mesnevi beschäftigt. Besonders in der Stille der Nacht, wenn alle schliefen, wurde Mevlana inspiriert und Hüsameddin schrieb es nieder, was seinem geliebten Meister zugeteilt worden war. Es war so, als hätte der Allmächtige Hüsameddin Celebi eigens für das Schreiben dieses gesegneten Werkes geschaffen! Und Mevlana war bereit, dieses zu diktieren und Vers um Vers zu rezitieren. So entstand nach und nach dieses wunderschöne, unvergleichliche Werk aus sechs Bänden.

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Mevlana zieht von der vergänglichen Welt

Sefik Can schreibt in seinem Buch: „Ich hatte nicht den Mut, Ausdrücke wie ‚Tod‘ oder ‚vereinte sich mit dem Gott‘ als Titel zu nehmen, denn Mevlana hatte die Hadith ‚Sterben vor dem Sterben‘ schon erfüllt. Er hatte sich bereits in dieser vergänglichen Welt mit dem Allmächtigen vereint. Das segensreiche, gnädige Leben unseres Sultanü’l-Ashik, dem Sultan der Liebe, ging dem Ende entgegen, wie dies für jeden von uns Vergänglichen auf dieser Erde unvermeidlich ist.“

(von Şefik Can Efendi)

Das Mesnevi wurde fertig geschrieben – und Mevlana war müde. Die Kindheit mit seinem Vater Sultanü’l-ulema, dem Sultan der Gelehrten, die Jahre der Wanderschaft in materieller und seelischer Not, die Ausbildungsjahre in Sam und Haleb, getrennt von seiner Familie, dann der Verlust seiner Mutter, seines Vaters und seines sehr geliebten Scheichs Seyyid Burhaneddin hatten ihn erschöpft. Zu alledem hatte er seine Herzensfreunde Schems und Selahaddin verloren. Dazu kamen die Respektlosig-keiten eines eigenen Sohnes Alaeddin Celebi, sowie die Vorwürfe gewisser Leute, üble Gerüchte… nebst seinen viel Ausdauer verlangenden Aufgaben und Tätigkeiten: all das hatte Mevlana ermüdet. Seine letzten Tage verbrachte er sehr nachdenklich. Ja, dieser grosse Pir vergrub sich gleichsam in sich selbst – und fand am Ende so die unendliche innere Ruhe, die er sich immer ersehnt hatte, in seinem eigenen Herzen.

Die Ärzte konnten seine Krankheit nicht richtig diagnostizieren; sein gesegneter Körper schien in Sehnsucht zu verbrennen. Während er krank in seinem Bett lag, bebte sieben Tage und Nächte lang die Erde. Beim siebten Erdbeben kamen die Einwohner von Furcht und Angst ergriffen zu Mevlana und baten ihn, für sie zu beten. Mevlana sagte mit einem leisen Lächeln: „Habt keine Angst, die arme Erde ist hungrig und wünscht sich einen fetten Brocken. Man soll ihr das gewähren.“

Am Samstag, dem 16. Dezember 1273, ging es ihm etwas besser. Bis gegen den Abend hatte er sich mit Besuchern unterhalten. Jedes seiner Worte jedoch war so betont, wie wenn er seinen letzten Willen aussprechen würde. Am Sonntag, dem 17. Dezember 1273, als die Sonne unterging, ging auch Mevlana, die Seelensonne, in die heilige Welt über. Somit schloss Mevlana in Konya, wo er während vierundvierzig Jahren gewirkt hatte, seine Augen für die vergängliche Welt.

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Trauerzug

(von Şefik Can Efendi)

Am Sonntag Morgen wurde sein Sarg herausgetragen. Die ganze Stadt Konya, Jung und Alt, waren am Trauerzug anwesend. Weil Mevlana, der grosse Heilige, jedem Gutes getan und Segen gewünscht hatte, weil er stets den Frieden geliebt hatte und sich sehr weitherzig gezeigt hatte, wurde er nicht nur von Muslimen, sondern auch von Juden und Christen in Tränen verabschiedet. Auf der Hauptstrasse war ein dichtes Gedränge von der Menschenmasse – und jeder wollte den Sarg berühren. So kam der Sarg erst am Abend an dem Ort der Beisetzung an, wo das Gebet für Mevlanas Seelenheil gesprochen werden sollte.

Mevlanas letzter Wille lautete, dass Sadreddin Konevi dieses Gebet verrichten solle. Doch als dieser sich anschickte zu beten, fing er zu weinen an und fiel ohnmächtig zu Boden. Als man ihn nach dem Grund seines Schluchzens fragte, sagte er: „Als ich mich vor den Sarg hinstellte, um das Gebet zu verrichten, sah ich Engel, die sich in einer Reihe vor dem Sarg aufgestellt hatten. Ihre Majestät und Schönheit aber habe ich nicht ertragen können“.

Nach dem Gebet wurde Mevlana neben dem Grab seines Vaters Sultanu’l-ulema und Selahaddin Zerkubi begraben. Die Stadt Konya erlebte einen traurigen Abend. Mevlanas weltliches Sein hatte sich von unseren Augen zurückgezogen, doch sein geistliches Sein blieb in den Herzen der Gläubigen zurück und wird immerfort dort bleiben. Er kannte diese Tatsache und hatte deshalb die Worte gesprochen: „Sucht nach unserem Tod unsere Gräber nicht auf dieser Erde. Unsere Grabstätten befinden sich in den Herzen der Gläubigen“.

Mevlanas heiliges Grab ist neben dem seines Vaters – doch der Sultan der Gelehrten und Gläubigen und der Sultan der Liebe leben in jedem Haus, inmitten jeder Gesellschaft und in jedem Herzen weiter, die sich ihrer erinnern. So hat sich Mevlana zwar vor den Augen versteckt, in den Herzen aber niedergelassen.

Mevlanas Grab
Mevlanas Grab
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Mevlanas Herkunft

(von Şefik Can Efendi)

Die Herkunft Mevlanas kann bis zu den Gefährten des Propheten – Friede sei mit ihm – zurückverfolgt werden. Sultan Weled, der Sohn Mevlanas, erwähnt seinen Grossvater Bahaüddin Weled in seinem Ibtidaname wie folgt (S. 187-188): „Unzählige Menschen schenkten ihm ihr Herz. Seine Herkunft geht zurück bis Abu Bakr. Er war von höchstem Ansehen.“

Mevlanas Vater hiess Hüseyin Hatibi, Sohn des Mohammed. Er war unter dem Beinamen Bahaüddin Weled bekannt, und man gab ihm den Ehrentitel Sultanü’l-ulema (Sultan der Gelehrten). In der Tat war Bahaüddin Weled nicht nur der Sultan der Gelehrten, er war ein Sultan der Menschheit, ein Sultan der Moral, ein Sultan des Mutes. Er war ein musterhafter, vortrefflicher Mensch. Neben seinem grossen Wissen besass er auch vollkommene mohammedanische Sitten und gute Charaktereigenschaften. Er half jedem, dem er konnte und hütete sich vor Bosheit. Er organisierte Versammlungen, um seine Umgebung auf ihre Ungläubigkeit und Narrheit aufmerksam zu machen. Er konnte sehr gut reden. Diejenigen, die ihm zuhörten, versanken in Liebe und Glauben.

 

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Geburtsdatum und Geburtsort Mevlanas

Die Auszüge sind dem Buch „Mevlana – Sein Leben, seine Persönlichkeit, seine Ansichten“ von Sefik Can entnommen. 

Mevlana Dschelaleddin Muhammed wurde am 30. September 1207 in der Stadt Balch geboren. Die Stadt Balch befindet sich heute am nördlichen Rand Afghanistans. Sie war damals, noch vor der Eroberung durch die Mongolen, ein Zentrum für Gelehrte. Die Stadt war durch ihre Moscheen, islamischen Hochschulen und Paläste berühmt. Dank der Kaufleute, die sich an diesem Knotenpunkt der Seidenstrasse trafen, war die Hauptstadt auch wirtschaftlich entwickelt.

Decke Ibn Batutta Mall

Wöchentliche Begegnung

Wir treffen uns zur wöchentlichen Begegnung jeweils Donnerstags:

 

The Inner Space – Gesundheitszentrum Schlieren – http://www.theinnerspace.ch/

Grabenstr. 1
5. Stock
8952 Schlieren

 

Türöffnung: 19:50 Uhr
Dhikr:  20:00 Uhr, anschliessend Mesnevi-Studium
Ende: 21:20 Uhr

 

Im Monat Ramadan unterscheidet sich das Programm.
Bitte erkundigen Sie sich vorher, sollten Sie uns im Monat Ramadan besuchen wollen.

 

An folgenden Donnerstag-Abenden ist keine Begegnung im Gemeinschaftsraum:

  • 18. April 2019
  • 30. Mai 2019
  • 1. August 2019
  • 26. Dezember 2019
  • 2. Januar 2020