Gedicht über Sema

Weisst Du, was Sema bedeutet?
Es ist, die Antwort „Ja“ der Seelen auf die Frage „Bin ich nicht Euer Herr?“ zu hören, sich zu verlieren und sich mit Gott zu vereinen.

Weisst Du, was Sema bedeutet?
Sema bedeutet, die Zustände des Freundes zu sehen, die Geheimnisse Gottes durch Seine göttlichen Schleier zu hören.

Weisst Du, was Sema bedeutet?
Es bedeutet, sich von seiner eigenen Existenz loszulösen, um in der absoluten Nichtexistenz auf den Geschmack der ewigen Existenz zu kommen.

Weisst Du, was Sema bedeutet?
Es bedeutet, angesichts der Schläge des liebenden Freundes den Kopf zu verlieren, um ohne Kopf und ohne Füsse zum Freund zu rennen.

Weisst Du, was Sema bedeutet?
Es bedeutet, Jakob’s Kummer und Heilung zu kennen, den Geruch der Wiedervereinigung mit Joseph an seinem Hemd zu riechen.

Weisst Du, was Sema bedeutet?
Es ist wie Moses Stock, der Pharao’s Zaubereien schluckt und vernichtet.

Weisst Du, was Sema bedeutet?
Es ist das Geheimnis, welches dieser Hadith ausdrückt: „Es gibt einen Augenblick der Nähe zwischen Gott und mir, da ist weder ein Engel noch ein Prophet zwischen uns“. Sema bedeutet,  diese Nähe zu erreichen, sodass nicht einmal ein Engel Platz hat.

Weisst Du, was Sema bedeutet?
Sema bedeutet, wie Schems-i Tebrizi die Herzensaugen zu öffnen und das heilige Licht zu sehen.

Hz. Mevlana
(Zitiert und übersetzt aus: Şefik Can, Fundamentals of Rumi’s Thought)

Konferenz Akademie Loccum zu Säkularität, Pluralismus, Moderne als Herausforderung (November 2007)

Säkularität, Pluralismus, Moderne:
Ihre Herausforderung und ihre Bearbeitung für die Mystik

Statement von Peter Hüseyin Cunz, Internatonale Mevlana-Stiftung, Schweiz
Loccum, 18. November 2007

 

 

Rechthaberei wird im Sufismus und allgemein in der Mystik als eines der grössten Hindernisse gesehen. Aus islamischer Sicht kann Rechthaberei als eine Meinungsmacherei nebenan von Gott gedeutet werden – Gott etwas nebenan stellen wird als grösste Sünde betrachtet. Hier an einer solchen Tagung wollen wir zwar Meinungen bilden und austauschen, doch wir tun dies im gemeinsamen Geiste des Monotheismus, also im gemeinsamen Begehren des Auffindens von Gottes Willen. Die Schwierigkeit dabei ist, dass wir über Dinge sprechen, die über dem menschlichen Begriffsvermögen stehen. Die vernunftgesteuerte Betrachtung ist und bleibt beschränkt und ist im Religiösen auf Erfahrungswerte angewiesen. Dem gegenüber steht als Unsicherheit die Unberechenbarkeit von subjektiven Erfahrungen. In diesem Bewusstsein versuche ich nachfolgend, das gewünschte Statement zu  formulieren. Ich beginne mit Selbstkritik an mir als überzeugter Muslim.

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Sema im Dezember mit Konzert (Scheb-i Arus)

Datum: Samstag, 12. Dezember 2020
Zeit: 15:00 Uhr Türöffnung
15:30 Uhr Begrüssung
16:00 Uhr Sufi Musik und Dhikr
16:30 Uhr Sema-Ritual
17:30 Uhr Begegnung mit Kaffee und Kuchen
Ort: City-Kirche am Stauffacher ‚Offener St. Jakob‘ Zürich
Datum: Sonntag, 19. Dezember 2021
Zeit: 15:00 Uhr Türöffnung
15:30 Uhr Begrüssung
16:00 Uhr Sufi Musik und Dhikr
16:30 Uhr Sema-Ritual
17:30 Uhr Begegnung mit Kaffee und Kuchen
Ort: City-Kirche am Stauffacher ‚Offener St. Jakob‘ Zürich

Das letzte Interview von Sefik Can Efendi (2005)


SERTARIK, MESNEVİHAN

Şefik Can
1909-2005

 

Şefik CAN (22. Juni 1909 – 23. Januar 2005) wurde im Jahr 1909 im Dorf Tebricik in der Provinz Erzurum geboren. Die Primarschule besuchte er in Yıldızeli.
Bereits im Kindesalter lernte er von seinem Vater, einem Mufti, Arabisch und Persisch. Im Jahr 1929 schloss er die Kuleli Militäroberstufe ab und 1931 ebenso die Militärakademie.
Später absolvierte er mit der Bewilligung des Ministeriums für die Nationale Verteidigung an der Universität in Istanbul seine Prüfung und erhielt das Lehrerdiplom. Im Jahr 1935 beendete er sein Praktikum unter der Aufsicht von Tahir-ül Mevlevi an der Kuleli-Militäroberschule und begann als Lehrer zu unterrichten.
Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1965 unterrichtete er an verschiedenen Militärschulen, an zivilen privaten Hoch- und Oberschulen Türkisch und Literaturwissenschaft.
Şefik CAN lernte aufgrund seines grossen Interesses an der Weltliteratur auf eigene Initiative Englisch, Französisch und Russisch, um die betreffende  Fremdliteratur in der Originalsprache lesen zu können. Er lobte die Zeit seiner Pensionierung, da sie ihm endlich die Möglichkeit gab, sich ganz der Arbeit zu widmen, insbesondere sich mit den Werken Hz. Mevlanas zu beschäftigen und von ihnen zu erzählen.
Şefik CAN, der eine Zeit lang krank in seinem Haus in Istanbul lag, während er von seiner Frau Sabahat Hanim, von der Familie des Çelebi wie auch von seiner Assistentin Nur Artiran Hanim und seinen nahen Freunden intensiv betreut wurde, vereinigte sich in der Nacht vom 23. auf den 24. Januar 2005 um 22:50 Uhr mit Gott. Der selige CAN führte sein Leben auf dem Weg Gottes als schlichtes Geschöpf, das die Bescheidenheit nie aus der Hand gegeben hat; die Liebe zu Mevlana und zu Konya in der Brust tragend hat er dem Befehl „Irciî…“ („Kehre zu Deinem Ursprung zurück“) des grossen Schöpfers gehorcht und ist aufgebrochen auf den Weg der Vereinigung.

Şefik CAN selig wurde am 26. Januar von seinen Freunden von Istanbul nach Konya gebracht. Nach dem Mittagsgebet in der Selimiye-Moschee wurde er im Grab, das er zuvor selber hatte herrichten lassen, beerdigt.

      Dr. Nuri Şimşekler

SEINE WERKE
Veröffentlichungen durch das Kulturministerium, von Ötüken und anderen Herausgebern:

o Mevlânâ und Plato (1964)
o Klassisch Griechische Mythologie (1970)
o Hz. Mevlânâ’s Vierzeiler (1990)
o Hz. Mevlânâ’s Leben, Persönlichkeit und Ansichten (1995)
o Hz. Mevlânâ’s Mesnevi Übersetzung (3 Bücher, 1999)
o Hz. Mevlânâ’s Dîvân-ı Kebîr Auswahl (4 Bücher-2000)
o Cevahir-i Mesneviyye (2 Bücher, 2001)
o Destegül (2001)
o Mesnevi Geschichten (2003)
o Band 5-6 der Mesnevi-Übersetzung von Tahir-ül Mevlevi vollendet, als 4 Bücher veröffentlicht (2001)

Einige Werke des Şefik CAN selig liegen noch zum Druck bereit. Er hielt Vorträge an den von der Selçuk-Universität und der Stadtgemeinde Konya organisierten Symposien und Konferenzen. In verschiedenen Zeitschriften erschienen von ihm zahlreiche Artikel.

Das letzte Interview

Nuriye AKMAN
Zeitung „Zaman“, 25. Januar 2005

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Mevlana aus Sicht der Europäer (Mai 2006)

Von Peter Hüseyin Cunz, Mai 2006

 

Dieser Text wurde mit leichten Anpassungen im November 2006 in „Rumi & his Path of Love“ veröffentlicht (The Light Inc. New Jersey, USA, ISBN 1-59784-111-0)

 

 

Über Mevlana Celaleddin Rumi und sein Wirken zu schreiben ist heute in Europa und USA fast so, wie wenn Wasser den Fluss hinunter getragen wird. Veröffentlichungen ausgelesener Verse oder Gedichte sowie Kommentare über Rumis dichterisches Werk haben in den letzten zehn Jahren geradezu exponentiell zugenommen. Insbesondere in Nordamerika häufen sich die Bücher und Schriften – viele davon in unterschiedlicher Qualität – was ein deutliches Indiz für den Durst einer spirituell vielleicht etwas orientierungslosen Gesellschaft ist.

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Gemeinschaftsregeln

(Version Januar 2005)

Die Internationale Mevlânâ Stiftung ist das rechtliche Organ des Ordens der Mevlevi, der für die Ausübung seiner Tätigkeiten den nachfolgenden Grundregeln verpflichtet ist.

 

1. Zweck und Ausrichtung

1.1 Der Orden bezweckt, Menschen auf der Suche nach dem letztendlichen Sinn des Lebens einen geeigneten Rahmen anzubieten. Mit Gebet und Exerzitien wird die Einheit allen Seins bewusst gemacht und in der Gemeinschaft verstärkt. Der Orden richtet sich hierfür an alle willigen Menschen der Welt, unabhängig von Geschlecht, Rasse und Kultur, die in Sehnsucht nach Gott ihren spirituellen Weg antreten wollen.
1.2 In seiner Glaubensrichtung orientiert sich der Orden an der Sicht von Hz. Mevlana Cellaleddin Rumi, einer Glaubenspraxis aufgrund der koranischen Botschaft.
1.3 Der Orden bejaht das in Europa verbreitete aufklärerische Verständnis des gewaltenteiligen und demokratischen Rechtsstaates, einschliesslich des Parteienpluralismus und der Religionsfreiheit sowie der Gleichberechtigung von Mann und Frau. Der Koran untersagt jede Gewaltenausübung und jeden Zwang in Angelegenheiten des Glaubens.
1.4 Der Orden fördert ein zeitgenössisches Verständnis religiöser Überlieferungen, das der neuzeitlichen Lebenssituation Rechnung trägt.
1.5 Für Fragen der einzuhaltenden Riten und Lehrinhalte orientiert sich der Orden an seiner eigenen bewährten Tradition, die sich in den Lehren von Pir Hz. Mevlana Cellaleddin Rumi begründet.
1.6 Der Orden missioniert nicht und vermeidet Proselytentum und politische Einflussnahme. Er bemüht sich aber um ein Sichtbarwerden in der Öffentlichkeit, um Suchenden den Zugang zum Orden zu ermöglichen.
1.7 Der Orden fördert die Verbreitung der Mevlevi-Sufi-Musik sowie der Bekanntmachung des Sema.

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Gülbank (Segen der Mevlevi)

Bismillahirrahmanirrahim
Vakti serifler hayr ola, hayirlar feth ola, serler def ola,
nefesler payende ola. Niyazlar kabul ola.
Allah azim-u san, ismi zati nuru ile kalplerimizi dünyevi
uhrevi pür nur münevver eyleye.
Demler sefalar ziyade ola. Dem-i Hazreti Mevlana, sirri Sems,
sefaati Muhammedin nebi keremi imami Ali
demine Hu diyelim.

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen.
Möge dieser Augenblick gesegnet sein.
Möge uns die Tür zum Guten offen sein
und das Übel sei vertrieben.
Unser demütiges Bitten sei erhört in seinem Ehrenpalast.
Allah, der Gepriesene, läutere unsere Herzen und
erleuchte sie mit dem Licht Seiner Grössten Namen.
Mögen die Herzen der Liebenden (Müriden) geöffnet sein.
Beim Atem unseres Meisters Mevlana und Weled,
beim Licht des Muhammad, bei der Güte des Imam Ali,
bei der Schönheit des ummi Muhammad, des Gottgesandten,
hab Erbarmen mit allen Welten. So sprechen wir Huuu.